19.06.26 – Tausende Fans freuen sich auf die zwei bevorstehenden Konzerte von Peter Maffay auf dem Domplatz. Der beliebte Deutschrocker ist eng mit der Figur Tabaluga verknüpft. In einem Kinderfilm soll der kleine Drache in naher Zukunft wieder auf die Kinoleinwand kommen. Dabei spielen zwei Fuldaer eine zentrale Rolle: Viola M.J. Schmidt und Mathias R. Schmidt verfassten das Drehbuch für ein brandneues Drachen-Abenteuer.

Die Märchengestalt des sympathischen Drachen Tabaluga entstand in den 80er-Jahren. Ein Kreativteam um Peter Maffay, Rolf Zuckowski und den Illustrator Helme Heine schuf die Drachenwelt von „Grünland“ und begeisterte über die Jahre mehrere Generationen. Nach und nach erschienen erfolgreiche Konzeptalben mit von Peter Maffay gesungenen Songs. Es folgten Musicals, Shows sowie ein Zeichentrickfilm.

2025 erwarb eine aufstrebende Filmproduktionsfirma das Recht, innerhalb begrenzter Zeit einen Vorschlag für einen Kinderfilm zu machen. Das erwies sich dann als gar nicht so einfach. Mehrere Drehbuchautoren reichten Ideen ein, doch keine überzeugte die Produzenten und Maffay vollständig. Dann trafen die Produzenten Viola Schmidt 2025 im Rahmen des Filmfests Berlinale, man kam ins Gespräch.

Viola M.J. Schmidt und Mathias R. Schmidt verfassten das Drehbuch für ein brandneues …Fotos: Marzena Seidel

Vater-Tochter-Duo aus Fulda

„Ich schreibe Filme und Serien für verschiedene Genres, aber am Kinderfilm liebe ich einfach, wie frei und offen man hier erzählen kann“, berichtet die diplomierte Drehbuchautorin Viola Schmidt, für die „Tabaluga“ bereits der fünfte Kinderfilm im deutschen Kino wäre, bei dem sie am Drehbuch mitwirkte. Ihre Reihe „Die Schule der Magischen Tiere“ zählt zu den besucherstärksten deutschen Kinofilmen der letzten Jahre. „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ wird Ende Juni auf dem „Filmfest München“ Premiere feiern.

Für „Tabaluga“ aber holte sich Schmidt einen besonderen Co-Autor an Bord, ihren Vater. Mathias R. Schmidt (Fulda) ist ebenfalls Autor und Texter, Fan von Peter Maffay und war früher selbst aktiver Band-Musiker. Musik würde in einem Tabaluga-Film eine wichtige Rolle spielen. „Lieder wie ‚Ich wollte nie erwachsen sein…‘ berühren die Menschen und wir wollten eine ebenso berührende, moderne Familiengeschichte entwickeln“, berichtet Viola Schmidt.

Auch Mathias Schmidt hat im Laufe seines Berufslebens viel für Kinder geschrieben: „Als Autor für die Rundfunkanstalten der ARD habe ich zahlreiche Hörspiele und mehrere hundert Schulfunksendungen verfasst. Das alles ergänzte sich gut mit der filmischen Expertise meiner Tochter Viola – und so konnten wir aus der Sicht von zwei Generationen an das Tabaluga-Thema herangehen.“

Tochter und Vater entwickelten die Idee für einen Familienfilm, bei dem der animierte kleine Drache auf die Erde reist. Hier erlebt er in realen Settings Abenteuer mit echten Menschen. „Es geht um Integration und Zusammenhalt, um Außenseiter, die ihren Platz in einer Gemeinschaft finden“, verrät Viola Schmidt.

Die Idee gefiel sowohl den Produzenten als auch Peter Maffay und seinem Team. Neugierig geworden lud Maffay Tochter und Vater sowie die Produzenten in sein Stiftungshaus nach Tutzing am Starnberger See ein, wo man das Filmprojekt besprach und sich über Grundzüge eines Songkonzepts aus vorhandenen und neuen Liedern einigte. Ein zentrales Thema war auch hier die Botschaft des Films: Gemeinschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt. „Den ‚Drachenvater‘ Maffay erlebten wir in unserem Austausch als ebenso idealistisch wie gesellschaftskritisch, mit großem Herzen für das junge Publikum“, so Mathias Schmidt.

Auch Peter Maffay gibt sein Go
In Rücksprache mit Peter Maffay verfassten Vater und Tochter gemeinsam in München und Fulda über mehrere Monate das Drehbuch, nicht selten mit Viola Schmidts 5-jähriger Tochter im Nebenzimmer. „Meine Mutter Tanja hat dann die Betreuung übernommen und auch die ein oder andere Idee eingeworfen. Wir sind eben eine kreative Familie“, erzählt Viola Schmidt.

Das Drehbuch ist inzwischen vollendet und abgenommen. Nun kann der Prozess der Finanzierung des Projekts starten. Ein etwa 90-minütiger, in Teilen animierter Kinofilm kostet viele Millionen Euro. Um ein Projekt dieser Größenordnung zu finanzieren, sucht der Produzent derzeit Co-Produzenten, beantragt Filmförderung, trifft Verabredungen mit Filmverleihern und Vorabsprachen für spätere Fernsehrechte. „Manchmal liegen zwischen Drehbuchabgabe und Kinostart zwei, drei Jahre und mehr“, weiß Viola Schmidt. Derzeit schreiben die Autoren kurze Dialog-Szenen für das deutschlandweit anlaufende Kindercasting. Auch mehrere Vorschläge für zusätzliche Tabaluga-Songs mit Bezügen zu der Filmhandlung liegen auf dem Tisch.

Schon jetzt hat das gemeinsame Drehbuch einen positiven Nebeneffekt: Seit den Filmfestspielen Berlin 2026 weiß die Filmbranche von dem Projekt. Man ist neugierig geworden auf das generationsübergreifende Tochter-Vater-Team . So erhielten die beiden kürzlich von einer anderen Produktionsfirma den Auftrag für ein Treatment für einen weiteren Kinderfilm zu einem ganz anderen Thema. „Wir schreiben als Familienteam für Familien“, freut sich Viola Schmidt.

„Der Markterfolg und die wirtschaftliche Bedeutung von Kinderfilmen werden von vielen unterschätzt. Kinder kommen in Begleitung von Eltern und/oder Großeltern ins Kino. So lässt sich ein breites Publikum erreichen“, erläutert Mathias Schmidt. Und Viola Schmidt ergänzt: „Das ist für mich das Besondere am Kinderfilm. Während andere Filmgenres immer häufiger zuhause am Bildschirm gestreamt werden, gibt es hier noch diesen einzigartigen Moment, in dem die ganze Familie zusammen einen Ausflug ins Kino macht, der besonders den Kleinsten hoffentlich lange in Erinnerung bleibt. Der Tabaluga-Stoff mit Themen wie Hoffnung, Zusammenhalt und Mut gibt da eine Menge her.“

Vater-Tochter-Team aus Fulda.

Die Drehbuchautoren

Viola M. J. Schmidt ist diplomierte Drehbuchautorin. Sie ist im Bereich Kinder- und Jugendfilm (Kinodebut: “ Die Schule der Magischen Tiere 1-3″) bis hin zum Krimi (drei Episoden „Tatort Dresden“) tätig. Aufgewachsen in Fulda besuchte sie dort die Cuno-Raabe-Schule und anschließend das Freiherr-vom Stein Gymnasium (2009 Abitur). Während ihres BachelorStudiums an der Uni Bayreuth (Theater und Medien/ Anglistik, 2010 -13) setzte sie einen persönlichen Schwerpunkt auf Kinderfilm und Intermediales Erzählen und wurde im Rahmen der Bayerischen Akademie des Schreibens durch das Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst als junge Autorin gefördert. 2014 folgte eine Hospitanz in der Serien-Abteilung des ZDF. Sie qualifizierte sich für einen der begehrten Studienplätze an der renommierten Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF). 2020 beendete sie hier den Drehbuch-Studiengang (Film/ Serielles Erzählen/ Creative Writing) mit dem Diplom. Inzwischen hat die HFF Viola Schmidt bereits mehrfach als Gastdozentin und Leiterin von Drehbuch-Workshops eingesetzt.

Ihr Kinodebut „Die Schule der Magischen Tiere“ war der hierzulande bestbesuchte deutsche Film im Kinojahr 2021. Schmidt ist als freiberufliche Lektorin deutscher und englischer Drehbücher tätig und schreibt derzeit als Autorin an mehreren Film- und Serien-Projekten. Zurzeit wird ihr dritter Dresdner „Tatort“ gedreht. Ihre ARD-CrimeSerie „Ritus“ mit Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle und der Kinderfilm „Das Geheimnis der gestohlenen Maske“ feiern auf dem Filmfest München im Juni 2026 Premiere. Mit ihrer kleinen Tochter lebt sie im Süden von München.

Mathias R. Schmidt, lebt in Fulda und arbeitet seit Jahrzehnten hauptberuflich als Autor. Er studierte Anglistik und Amerikanistik und schrieb die erste europäische Dissertation sowie ein Fischer-Taschenbuch über die gesellschaftliche Wirkung der Protestsongs von Bob Dylan. Über viele Jahre verfasste er Manuskripte für Serien, Reportagen und Features des ARD-Hörfunks, darunter zahlreiche szenische Kinder- und Schulfunk-Produktionen, oftmals zu gesellschaftlichen und ökologischen Themen. Heute arbeitet er als PR-Berater und verfasst Kommunikationskonzepte, Imageexte und Drehbücher für PR-Filme (Text-Atelier). Er ist Autor zahlreicher Sachbücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden, ein Werk zum Schutz der Nacht sogar ins Chinesische. MS gehört zur Altersgruppe, die mit Peter Maffay-Liedern erwachsen geworden sind. In Violas Kindheit in den 1990ern schauten sich Vater und Tochter gerne gemeinsam die Original-Tabaluga-Musicals auf VHS an. So schließt sich ein Kreis. Mit Respekt für das Original und vielen neuen Ideen ermöglicht das Tochter-VaterTeam der über die Generationen hinweg beliebten Figur Tabaluga in Peter Maffays Worten ein Comeback „aus dem Gestern in die Jetzt-Zeit“ – in einem Familienfilm für Kinder von heute und all jene, die Tabaluga noch von früher verbunden sind. (nia/pm) +++