Vorbereitung ist alles: Diese Devise scheint auch für soziale Interaktionen und unser Gehirn zu gelten. Nicht nur vor Treffen, vor denen wir etwas aufgeregt sind, spielen wir in Gedanken aktiv durch, wie das Gegenüber sich verhalten mag. Selbst ohne, dass es uns bewusst ist, gibt es erste Anzeichen für die kommende soziale Interaktion, bevor sie tatsächlich stattfindet – und die lässt sich im Gehirn ablesen. Das haben jetzt Forscher:innen der Hebräischen Universität in Jerusalem herausgefunden und ihre Erkenntnisse im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Für ihr Experiment haben sie sich die Gehirne und das Verhalten von Zebrafischen genauer angesehen. Tatsächlich arbeitet die Forschung häufig mit diesen Tieren, wenn es um die Untersuchung der Vorgänge im Gehirn geht. Als Wirbeltiere weisen sie einige biologische Ähnlichkeiten zu uns auf. Außerdem lässt sich die Gehirnaktivität bei Zebrafischen heruntergebrochen auf die einzelne Zelle beobachten.

Aktivität im Gehirn lässt sich gut bei Zebrafischen untersuchen

Mit der Fragestellung warum und wie genau, wir uns anderen im sozialen Miteinander nähern und was dabei im Gehirn passiert, untersuchten die Forscher 44 Zebrafischpaare. Einer wurde fixiert, um so konstant die Gehirnaktivität aufzeichnen zu können, ein anderer freier Fisch schwamm innerhalb einer Petrischale vorbei. Dabei fiel auf, dass, wenn ein Fisch auf den anderen zukam, sich die Gehirnaktivität veränderte – und das mehrere Sekunden, bevor die Bewegung des Entgegenschwimmens überhaupt erfolgte.

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Die Forscher:innen heben hervor, dass es im Gehirn eine richtige Umverteilung der Gehirnaktivität eintrat. Es stellte sich nicht ein „soziales Zentrum“ heraus, sondern es zeigte sich zum einen eine gesteigerte Aktivität im Pallium, einem Teil des Zebrafischgehirns, der mit komplexeren Verhaltensweisen in Verbindung gebracht wird – vergleichbar mit der Amygdala und dem Hippocampus im menschlichen Gehirn, wo wir Emotionen verarbeiten, Erinnerungen speichern, im Kontext einordnen und soziale und emotionale Signale bewerten. Im Weiteren sank die Gehirnaktivität in anderen Gehirnregionen. Die Forscher:innen werten dieses Abbild als neuronalen „Vorentscheidungszustand“, der anzeigt, dass nun eine soziale Handlung bevorsteht und dieser Zustand als Vorbereitung dient, bevor sie tatsächlich stattfindet.

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Das Gehirn verrät, ob es eher soziale und introvertierte Zebrafische sind

Dass diese spezifische Gehirnaktivität ausschließlich bei sozialen Interaktionen auftrat, überprüfte das Team im Vergleich mit einem Punkt, der auf den Untersuchungsfisch zuschwamm. Das neuronale Muster zeigte sich in so einem Fall nicht. Die Forscher:innen konnten zudem erkennen, ob ein Tier sozialer war als andere. In den Daten zeigte sich dann ein stärkeres Muster. So liefert die Intensivität des Musters gewissermaßen einen Gradmesser für den Charakter des Tieres: „Dieses Muster sagt nicht nur voraus, ob eine bevorstehende Handlung sozialer Natur sein wird, sondern auch, wie stark das Individuum sozial motiviert ist“, sagt die Neurowissenschaftlerin Lilach Avitan als eine der Autorinnen der Studie.

Es bleibt zwar offen, inwiefern sich die Erkenntnisse der Zebrafische vollständige auf die Vorgänge im menschlichen Gehirn übertragen lassen. Doch die bisherige Erforschung von Zebrafischen lassen Grund zur Annahme, die festgestellte gesteigerte Gehirnaktivität auch bei anderen Arten und Säugetieren vorkommt. Weitere Untersuchungen könnten mehr Licht ins Dunkel vom Verhalten des Menschen in sozialen Situationen liefern, und auch bei der Bewältigung von sozialen Dysfunktionen helfen.

 

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