Der US-israelische Schlag gegen Iran und der Tod von Irans oberstem Führer Ali Chamenei verändern die Sicherheitslage weit über den Nahen Osten hinaus. Auch für den Krieg gegen die Ukraine wird diese neue Eskalation Auswirkungen haben, weil Iran für Russland ein zentraler Partner ist. Die Frage, was der Schlag gegen den Iran für den Ukrainekrieg bedeutet, beschäftigt in diesen Tagen Kommentatoren und Experten.
Im Folgenden eine Auswahl aktueller Einschätzungen und offener Fragen.
Eine der ersten Fragen, die sich nach der Eskalation stellt: Hat der Schlag gegen den Iran unmittelbare Folgen für das Kampfgeschehen in der Ukraine? Der Nahost-Analyst Serhii Danylov ist überzeugt, dass dies der Fall sei: Iran werde Russland nach der Eskalation „mit 100% Sicherheit“ keine ballistischen Raketen mehr liefern, sagte er in einem Interview. Bestände seien durch die Angriffe zerstört oder als Antwort verschossen worden; was übrig bleibe, werde Teheran für sich behalten.
Das Mullah-Regime, das die russische Aggression gegen die Ukraine bisher unterstützt hat, sei geschwächt – und das sei eine gute Sache. Das gelte selbst dann, wenn dadurch die internationale Rechtsordnung weiter erodiert, auf die sich die Ukraine als angegriffener Staat beruft.
Allerdings könnte der Krieg Russland auch zum Vorteil verhelfen. Der Iran hat erklärt, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sei gesperrt. In der Folge stiegen die Ölpreise am Montagmorgen zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent auf den höchsten Stand seit Monaten. „Politico“ analysiert: Ein Ölpreisschock könnte sich positiv auf seine Kriegskasse auswirken.
Bohdan Nahaylo, Chefredakteur von „Kyiv Post“, warnt davor, den Militärschlag gegen den Iran als eine strategische Wende für die Ukraine zu lesen. Der Kern ist für ihn zunächst politisch. Die Frage für die Ukraine, Europa und die Welt laute, „ob dieser Angriff den Beginn einer echten Strategie zur Zurückdrängung autoritärer Expansion markiert – oder ob es sich lediglich um eine weitere dramatische Geste einer Außenpolitik handelt, die eher von Impulsen als von Kohärenz geleitet ist“, schreibt er in einem Kommentar.
Eine Schwächung des Iran sei zu begrüßen. Ob Washington die gleiche Entschlossenheit zeigen werde, um die Ukraine zum Sieg und Russland zur Niederlage zu führen, sei dagegen noch offen.
Die wichtigsten Nachrichten des Tages Die Staaten am Persischen Golf werden von Drohnen aus dem Iran angegriffen. Ihre Verteidigung ist löchrig. Dabei könnte die Ukraine helfen, die sich bestens mit der Abwehr der iranischen Geschosse auskennt. Mehr dazu hier.Die ukrainischen Patriot-Munitionsbestände seien auf ein „kritisches“ Niveau gesunken, berichtet Verteidigungsminister Fedorow. Demnach wolle man gemeinsam mit Verbündeten Joint Ventures schaffen, um dem eklatanten Mangel entgegenzutreten. Mehr dazu hier.Die Ukraine wird laut Präsident Wolodymyr Selenskyj innerhalb weniger Tage die technischen Vorbereitungen abschließen, die für die Aufnahme aller Verhandlungsrunden im Rahmen ihres EU-Beitrittsprozesses erforderlich sind. Mehr dazu in unserem Newsblog.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einer Ansprache, die Lage im Nahen Osten zeige, wie schwierig ein vollständiger Schutz vor Raketen und „Shahed“-Drohnen selbst für Staaten mit moderneren Luftverteidigungssystemen sei. Auch Länder am Golf fingen nicht alle ballistischen Raketen und Drohnen ab. Russland bereitet dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge eine neue Welle von Angriffen auf die Infrastruktur, Logistik und Wasserversorgung der Ukraine vor. „Sie wollen, dass wir Probleme mit der Wasserversorgung bekommen. Die russische Regierung erklärt, sie schätze die amerikanischen Bemühungen zur Beendigung des Krieges mit der Ukraine. Am Ende aber verlasse sich Russland nur auf sich selbst. Eine Mehrheit der Ukrainer steht den laufenden Friedensgesprächen skeptisch gegenüber. Nach Angaben des Kyjiwer Internationalen Instituts für Soziologie (KMIS) glauben 70 Prozent der Befragten nicht, dass die derzeitigen Verhandlungen zu einem dauerhaften Frieden führen werden.Russische Truppen haben im Februar nach Angaben des Militäranalyseportals DeepState 126 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums eingenommen. Das ist der niedrigste monatliche Wert seit Juli 2024. Im Vergleich zum Januar hat sich die eroberte Fläche damit etwa halbiert, so die Analysten. Hintergrund und Analyse Brüllender Löwe, epischer Zorn Was die Namen militärischer Operationen verraten Streitpunkt Energiewende Eine Stadt in der Ukraine ist weiter als Berlin