Die taktischen Herangehensweisen von Ralf Rangnick und Lionel Scaloni könnten unterschiedlicher kaum sein. Wir dürfen uns auf ein Duell der taktischen Gegensätze am 22. Juni in Arlington freuen. Sehr wahrscheinlich wird in diesem Spiel entschieden, wer als Gruppenerster die Gruppe J abschließen wird. Dies hat den Vorteil, dass man sehr wahrscheinlich den Spaniern im Sechzehntelfinale aus dem Weg gehen würde, sofern sie ihre Gruppe H als Sieger abschließen.  Verfolge alle 104 Spiele der Weltmeisterschaft im Ligaportal-LIVETICKER!

Ralf Rangnick

Während Ralf Rangnick auf Powerfußball mit schnellen Gegenstößen setzt, ist Lionel Scaloni ein Verfechter von Spielkontrolle durch Ballbesitz. Obwohl Argentinien statistisch gesehen am ersten Gruppenspieltag weniger Ballbesitz als Algerien hatte, kontrollierten die Südamerikaner das Spiel. Durch diesen gut funktionierenden spielerischen Ansatz ist auch in diesem Jahr mit dem amtierenden Weltmeister zu rechnen.

Rangnicks Österreich: Wie der Gegenpressing-Pionier eine Nation neu erfunden hat

Schon früh war Ralf Rangnick als Taktik-Fuchs bekannt. Unvergessen und fast schon legendär, wie er im Jahr 1998 als Trainer des SSV Ulm im ZDF-Sportstudio die Viererkette mithilfe einer Taktiktafel erklärte. 28 Jahre später bleibt Rangnick seinen Prinzipien treu. Sobald unsere Nationalmannschaft den Ball verliert, streben die Spieler nach der sofortigen Rückeroberung des Balles. Diese Denkweise prägt jede Phase des Spiels und macht Österreich dadurch zu einem der unangenehmsten Gegner der Weltmeisterschaft. Neben Rangnick hat die RB-Schule einen entscheidenden Anteil am Erfolg Österreichs. Mehr als die Hälfte des 26-köpfigen Kaders stammt aus der Schule der Salzburger. Wichtige Säulen sind Konrad Laimer, Nicolas Seiwald und Xaver Schlager.

Gegen den Ball verteidigt man extrem aktiv und raumorientiert. Die taktische Formation ist eher Mittel zum Zweck. Beim 3:1-Sieg gegen Jordanien schickte Rangnick eine 4-2-3-1 Formation auf den Rasen mit Konrad Laimer als offensiven Mittelfeldspieler. Gegen den Ball verteidigt die Mannschaft dagegen meistens in einem 4-4-2. Entscheidend ist immer die Kompaktheit rund um den Ball. Da dies gegeben ist, bleiben die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen bewusst eng, damit nach Ballverlust mehrere Spieler unmittelbar Druck auf den gegnerischen Spieler ausüben können. Dadurch sollen Fehler des Gegners erzwungen werden. Dass dieser taktische Ansatz funktioniert, zeigt Rangnicks Bilanz seit Amtsantritt im Jahr 2022. Die Bilanz liegt aktuell bei 28 Siegen, 8 Unentschieden und 10 Niederlagen in 46 Spielen. In der WM-Qualifikationsgruppe H qualifizierte man sich als Gruppenerster souverän mit 19 Punkten aus acht Spielen. Der 10:0 Sieg gegen San Marino war der höchste Sieg der Geschichte einer österreichischen Fußball-Nationalmannschaft.

Rangnicks Spielidee wurde von mehreren großartigen Trainern übernommen. Ein berühmtes Beispiel ist Jürgen Klopp, der mit dem Gegenpressing-System Borussia Dortmund und den FC Liverpool zurück an die europäische Spitze führte. 

Erste Lektion erteilt: So lief das Jordanien-Spiel

Der 3:1-Sieg beim WM-Auftakt in Santa Clara über Jordanien war für die Jungs von Ralf Rangnick ein hartes Stück Arbeit. Der Bremer Romano Schmid hatte uns nach 20 Minuten mit einem überragenden Treffer in Führung gebracht. Schmid knallte den Ball aus zentraler Position in den rechten Winkel. Im direkten Gegenzug traf Jordanien nach einer Ecke nur die Latte. Nach einigen weiteren guten Aktionen der Jordanier ging es mit einer schmeichelhaften Führung in die Halbzeit. Im weiteren Spielverlauf verlangte Jordanien unserer Nationalelf alles ab und kam in der 50. Spielminute sogar zum verdienten Ausgleich.

Nach dem Ausgleich ging ein Ruck durch die Mannschaft. Besonders der Dreifachwechsel (59. Minute) mit Chukwuemeka, Paul Wanner und Kevin Danso brachte frischen Wind. Im Anschluss war Österreich das überlegene Team und erarbeitete sich zahlreiche Chancen. Der Führungstreffer in der 67. Minute von Routinier Marko Arnautovic wurde durch den VAR zurückgenommen. Anders lief es etwa 10 Minuten später, als wieder Arnautovic zur Stelle war und entscheidenden Anteil am Eigentor von Al-Arab hatte. Danach war die Messe gelesen, Österreich spielte es relativ locker herunter und erzielte sogar kurz vor Schlusspfiff durch Marko Arnautovic das 3:1 per Handelfmeter.

Unterm Strich ging der Sieg in Ordnung, gegen Argentinien sollte aber eine deutliche Steigerung her. Vor allem offensiv muss von Sabitzer, Kalajdzic und Laimer deutlich mehr kommen.

Scalonis Argentinien: Warum der Weltmeister-Trainer so schwer zu bezwingen ist

Scaloni, Nationaltrainer der Albiceleste, setzt auf Spielkontrolle durch Ballbesitz. Superstar Lionel Messi spielt aktuell seine sechste Fußball-Weltmeisterschaft und ist wie eh und je der Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Argentinier. Messi ist nahezu von Defensivaufgaben befreit, da ihm mit De Paul, Mac Allister und Enzo Fernandez drei laufstarke Akteure den Rücken freihalten. Je nach Gegner passt Scaloni seine taktische Ausrichtung an. Zu den Stärken der Argentinier gehört, dass sie keine starre Grundordnung besitzen. Das macht sie deutlich schwerer ausrechenbar. Titel bei den Copa Americas 2021 und 2024 sowie bei der Weltmeisterschaft 2022 zeigen, dass Scaloni zu den erfolgreichsten Nationaltrainern überhaupt zählt.

Scaloni legt großen Wert darauf, Überzahlsituationen zu kreieren. Das schaffen sie dadurch, dass Mittelfeldspieler regelmäßig rotieren und sich die Außenverteidiger Montiel und Medina immer wieder in Angriffe einschalten. Nicht selten verändert Scaloni die taktische Formation innerhalb eines Spiels und das sogar ganz ohne Auswechslungen. Ein nominelles 4-3-3 kann im Ballbesitz zu einer Dreierkette werden, gegen den Ball als 4-4-2 erscheinen oder je nach Situation zusätzliche Spieler ins Zentrum ziehen. Obendrein hat Argentinien einen erheblichen Vorteil, wenn es ins Elfmeterschießen geht. Emiliano Martinez gilt als einer der besten Elfmeterkiller weltweit.

Erste Prüfung bestanden: Was das Algerien-Spiel über Scalonis WM-Plan verrät

Der 3:0-Auftaktsieg gegen Algerien war der Abend von Lionel Messi. Mit drei Treffern war Argentiniens Nummer 10 der Mann des Spiels. Messi erzielte seine WM-Tore 14,15 und 16. Schon zu Beginn legte der viermalige Weltfußballer und achtmalige Ballon d’Or-Gewinner los wie zu seinen besten Zeiten. Nach fünf Minuten erzielte er seinen ersten Treffer, dieser wurde allerdings zurückgenommen. Argentinien dominierte das gesamte Spiel über. Scalonis taktische Ausrichtung ging komplett auf. Clevere Spielzüge, intelligente Positionswechsel und saubere Pässe sorgten für einen mehr als verdienten Auftaktsieg. Auch die Defensive präsentierte sich souverän. Algerien spielte trotzdem gut mit und erwies sich als der erwartete, unangenehme Auftaktgegner.

In der 17. Minute schlug Messis erste Sternstunde. Er schlenzte den bunten WM-Ball rechts oben in die Maschen, Luca Zidane war machtlos. Der Mann des Spiels erzielte noch zwei weitere Treffer und bewies, dass er auch im gesetzten Fußballalter den Unterschied ausmachen kann. Unter tosendem Applaus verabschiedete sich Messi aus dem ausverkauften Arrowhead Stadium in Kansas City. Für ihn kam Supertalent Nico Paz zu seinen ersten WM-Minuten.

Wo das Duell entschieden wird: Darauf kommt es in Arlington an

Am 22. Juni um 19 Uhr österreichischer Zeit trifft unsere Nationalmannschaft in Arlington, Texas auf den amtierenden Weltmeister Argentinien. Grob lässt sich das Spiel in drei Abschnitte einteilen: Das Pressing-Duell im Mittelfeld, wer die zweiten Bälle kontrolliert und die Standardsituationen. Rangnicks Österreich presst sofort und kollektiv, während Scalonis Argentinien über ein Mittelfeld verfügt, das ebenso intensiv pressen kann. Zu den Schlüsselduellen gehören die direkten Duelle der zentralen Mittelfeldspieler. Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister auf der Seite Argentiniens sowie Niklas Seiwald, Konrad Laimer und Xaver Schlager bei den Österreichern.

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Des Weiteren muss Österreich beim Pressing auf den argentinischen Außenverteidiger Molina aufpassen. Dieser ist eine ständige Gefahr auf Seiten der Argentinier. Das Pressing muss so funktionieren, dass keine Räume in der Tiefe entstehen. Bei Standardsituationen sorgen die Südamerikaner durch Lionel Messi immer für Gefahr. Insbesondere bei Freistößen ist „La Pulga“ ein ausgewiesener Experte. Unsere Defensive muss Freistöße rund um den eigenen Sechzehner unbedingt verhindern, denn ein Freistoß aus einer aussichtsreichen Position ist für den 1,70-Riesen (fast) wie ein Elfmeter.

Was der Sieg über Jordanien für das Argentinien-Spiel bedeutet

Der 3:1-Sieg über Jordanien war alles andere als ein Spaziergang. Bis zur 60. Minute war das Spiel relativ ausgeglichen, was sicherlich nicht jeder Experte erwartet hatte. Die taktische Herangehensweise war genauso, wie man es von einer Rangnick-Mannschaft erwarten konnte.

Intensives Gegenpressing und das von der ersten bis zur letzten Minute. Sehr ähnlich wird es auch gegen Argentinien laufen, vielleicht mit dem Unterschied, dass Lionel Messi noch ein wenig stärker gepresst wird. Dem ist sich Argentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni bewusst. Demzufolge tüfteln Scaloni und sein Team in diesen Tagen vor dem großen Aufeinandertreffen an einer Lösung. Es ist denkbar, dass er Österreichs Pressing-Maschine mit spielerischen Mitteln überwinden möchte.

Mit Blick auf die Tabelle nach dem ersten Spieltag wird klar, dass der Sieger direkt mit sechs Punkten in das Sechzehntelfinale einziehen wird. Sehr wahrscheinlich sogar als Gruppenerster. Dies hätte den Vorteil, dass man den starken Spaniern in der K.-o.-Phase frühzeitig aus dem Weg gehen würde. Aktuell ist Argentinien mit einem Torverhältnis von 3:0 Gruppenerster, dahinter folgt Österreich auf dem zweiten Platz mit einem Torverhältnis von 3:1. Jordanien und Algerien haben trotz ihrer Niederlagen noch alle Chancen auf ein Weiterkommen, denn die acht besten Gruppen-Dritten ziehen ebenfalls ins Sechzehntelfinale ein.

Von der Analyse zur Entscheidung: Zwei Wetten, die eine Überlegung wert sind

Nach dem erfolgreichen Auftakt gegen Jordanien wartet auf Österreich nun die bislang größte Herausforderung des Turniers. Wer die wichtigsten Erkenntnisse aus der Analyse in eine Wette umwandeln möchte, findet bei den aktuellen Quoten für Gruppenspiele interessante Optionen für das Duell zwischen Österreich und Argentinien.

Wettschein 1: Über 2,5 Tore, Lionel Messi trifft & Marcel Sabitzer trifft

Dieser Wettschein von Betway für das Spiel Österreich gegen Argentinien sagt über 2,5 Tore voraus, sowie je ein Tor von Lionel Messi und Marcel Sabitzer in der regulären Spielzeit. Die Wette basiert auf der enormen Offensivstärke beider Mannschaften, die nach ihren Auftaktsiegen mit viel Selbstvertrauen in dieses wichtige Gruppenspiel gehen werden.

Wettschein 2: Romano Schmid mit 1+ Torvorlage, Über 2,5 Tore & Beide Teams treffen

Dieser andere Betway-Wettschein sieht Romano Schmid als kreativen Spielmacher und prognostiziert ein torreiches Spiel, in dem beide Mannschaften treffen werden. Schmid gehörte bereits gegen Jordanien zu den auffälligsten Spielern Österreichs, und sein Führungstreffer unterstrich, wie wertvoll seine Qualitäten zwischen den Linien für Rangnicks Team sein können.

Das sagt Wolff Fuss vor dem Duell Rangnick vs. Scaloni

Wolff Fuss kommentiert seit mehr als 20 Jahren Fußballspiele im deutschen Fernsehen. Mit seiner emotionalen Art verkörpert er genau das, was man von einem großartigen Kommentator erwartet. Doch Fuss ist nicht nur emotional, sondern gilt in der Branche ebenso als ausgewiesener Fußballexperte. Zum Aufeinandertreffen am kommenden Montag sagte er Folgendes: „Ich hab das Gefühl, dass der argentinische Titelverteidiger für Ralf Rangnick DIE Herausforderung seiner Trainerlaufbahn ist. Seit der Auslosung ist er am Tüfteln, wie und wo die Argentinier zu knacken sind. Wir werden ein Österreich sehen, das auf alles vorbereitet ist und einen amtierenden Weltmeister, der spielen muss wie ein Titelverteidiger. Mein absolutes Lieblingsspiel in der Gruppenphase.”

Seit einigen Jahren ist Wolff Fuss Markenbotschafter von Betway. Wir sind stolz darauf, mit Experten wie ihm zusammenzuarbeiten. Dass Österreich gegen Argentinien sein absolutes Lieblingsspiel in der Gruppenphase ist, ist wenig verwunderlich. Fuss lebt und atmet den Fußball wie kaum ein anderer in der Branche. Er kennt Rangnick schon seit seiner Anfangszeit beim SSV Ulm und begleitete ihn durch viele weitere Stationen als Kommentator. Die Aussage, dass Fuss davon ausgeht, dass das Spiel gegen Argentinien die große Herausforderung seiner Trainerlaufbahn ist, unterstreicht die Bedeutung des Spiels noch einmal.

Das Fazit: Rangnick hat den Plan. Jetzt muss die Mannschaft ihn umsetzen

Individuell hat Argentinien auf nahezu jeder Position gegenüber Österreich die Nase vorn. Spieler wie Lionel Messi, Lautaro Martinez und Enzo Fernandez sind unbestritten Weltklasse. Unsere Nationalmannschaft wird versuchen, diese Spieler mit taktischen Mitteln zu bezwingen. Schafft es unsere Mannschaft, um Konrad Laimer und David Alaba den Pressingdruck konsequent aufrechtzuerhalten, ist eine Überraschung möglich. Aufgrund der höheren Qualität geht der amtierende Weltmeister natürlich als Favorit ins Spiel.  

Durch den Sieg gegen Jordanien kann Österreich mit einer gewissen „Ruhe“ ins Spiel gehen. Eine Niederlage gegen Argentinien würde Rangnicks Team nicht umhauen, denn mit einem Sieg gegen Algerien wäre man sicher für das Sechzehntelfinale qualifiziert. Damit wäre das Mindestziel für die Weltmeisterschaft 2026 erreicht.

Fotos: Harald Dostal/www.sport-bilder.at, Julian Biereder/ligaportal.at