Stand: 22.06.2026 14:14 Uhr

In den 1970er-Jahren feierte die Rockband Lake Erfolge in den USA, stand mit Weltstars auf der Bühne – und wäre 1977 fast in das Flugzeug gestiegen, mit dem Lynyrd Skynyrd abgestürzt ist. Jetzt ist die Gruppe aus Schleswig-Holstein mit einem neuen Album zurück.

von Isabelle Breitbach

Ob die deutsch-britische Band jemals einen Plattenvertrag bekommen würde, stand lange in den Sternen. Denn Lake orientierte sich am US-Westcoast-Rock à la Steely Dan, mit mehrstimmigem Gesang und dichten Harmonien – nicht das, was von Bands aus Deutschland Mitte der 1970er-Jahre erwartet wurde.

Der Traum vom eigenen Album

„Eigentlich will man unbedingt eine Platte machen“, sagt Martin Tiefensee, Bassist der 1973 gegründeten Band. „Man wollte ins Studio, das war damals auch noch alles viel kostenintensiver.“ Keyboarder Detlef Petersen ergänzt: „Man kann sagen, dass wir beim Publikum sehr gut ankamen – die Musik wurde absolut gemocht. Dass Schallplattenfirmen anderer Meinung waren, das war für uns nur eine Verzögerung.“

Mehr als ein paar Singles waren in den ersten Jahren nicht drin. Eine Albumproduktion war zu teuer für eine Band, an die erstmal niemand so recht glaubte.

Ihre ersten Coverfotos schießt Bernd Wolf, ein enger Freund Tiefensees, der die Band während seiner Fotografenlehre in Husum kennenlernt. „Beim Stadttheater gab es einen Laden, den ‚Club‘, und da haben wir um 1970 Detlef kennengelernt“, erinnert sich Wolf. „Und bei Lake war ich praktisch immer, wenn die irgendwo live gespielt haben, als Groupie mit der Kamera dabei.“

Video:
Exklusives Musikvideo: Lake – „No Regrets“ (2 Min)

Debütalbum „Lake“ erreicht 1977 die US-Charts

Auf die Erfolgsspur bringt die Band ein Wechsel zum Label CBS. 1977 steht das selbstbetitelte Debüt plötzlich in den amerikanischen Billboard-Charts. „So kamen wir dann sehr schnell an sehr einflussreiche Leute aus der US-Musikszene ran, das war natürlich toll“, erinnert sich Tiefensee.

Die lachenden Mitglieder der Band Lake auf einem Schwarz-Weiß-Foto.

Fotograf Bernd Wolf hat Lake von Anfang mit seiner Kamera begleitet – hier ein Bild aus den 1970er-Jahren.

An ihrem zweiten Album „Lake II“ arbeiten die Musiker auf der berühmten Caribou Ranch in den Rocky Mountains. Außerdem geht es mit Lynyrd Skynyrd auf eine Tour durch die USA. „Wir hatten zwei Konzerte mit denen gespielt, und dann trennten sich unsere Wege erst einmal wieder, weil wir einen Radio-Job in Atlanta hatten“, erinnert sich Tiefensee. „Es war aber geplant, dass wir wieder zusammenkommen sollten – und dann passierte dieses fürchterliche Unglück“.

Auf Tour mit Lynyrd Skynyrd – dann die Katastrophe

Gemeint ist der Absturz einer von Lynyrd Skynyrd gecharterten Maschine am 20. Oktober 1977 auf dem Weg nach Baton Rouge, bei dem unter anderem Bandleader Ronnie Van Zant und Gitarrist Steve Gaines sterben. Tiefensee erzählt, dass Lake kurz vorher sogar das Angebot bekommen hatte, bei den US-Kollegen mitzufliegen.

Emotional für Lake ein herber Schlag, und das im erfolgreichsten Jahr ihrer Karriere. Trotzdem spielt die Band mit Chicago und Santana – und schließlich auch als Headliner, vor immer mehr Menschen.

Auftritte bei der Kieler Woche und im Hamburger Stadtpark

Die Band Lake spielt im Hamburger Stadtpark; im Hintergrund ist das Publikum zu sehen.

Ein Highlight für Fotograf Wolf: Das Konzert von Lake im Hamburger Stadtpark.

„Highlights waren die Konzerte bei der Kieler Woche und im Hamburger Stadtpark“, erinnert sich Fotograf Wolf an Auftritte im Norden, die er auch mit der Kamera festgehalten hat. Mit dabei ist Wolf auch beim „The Picnic at Blackbushe“-Festival im englischen Surrey im Juli 1978. „Das war das größte Festival, mit 250.000 Zuschauern. Auf der Bühne standen Bob Dylan, Eric Clapton, Joan Armatrading – und natürlich Lake.“

Der Bandalltag ist oft hart – nicht nur wegen der Reisestrapazen, erinnert sich Petersen: „Wir hatten persönliche Schwierigkeiten, auch Probleme mit Alkohol und Drogen. Das hat uns auf Dauer wirklich nicht gutgetan, zumal es auch die Arbeitsmoral kaputtgemacht hat. Wir konnten einfach nicht mehr mit einer gewissen Disziplin an sie Sache rangehen.“

Sänger James Hopkins Harrison: Drogentod in Hamburg

Mit Detlef Petersen, Martin Tiefensee und dem Engländer Geoff Peacey verlassen drei Gründungsmitglieder die Band, die sich nicht mehr wie ihre anfühlt. Der schottische Sänger James Hopkins Harrison bleibt und macht mit wechselnden Formationen bis 1988 weiter. 1991 stirbt er an einer Überdosis Heroin in Hamburg.

Im Jahr 2003 wagte die Band einen Neuanfang mit befreundeten Musikern. Doch die Rolle des Sängers langfristig passend zu besetzen, ist ein Dauerthema – mit Höhen und Tiefen. Für ihr neues Album „Four“ hat Lake nun drei Jahre nach einem Sänger gesucht – und nach etwa 300 Kandidaten in Yorkshire einen gefunden, der hatte, was sie suchten: etwas Eigenständiges.

Neuer Sänger Rob Reynolds: „Wichtig, gut miteinander klarzukommen“

„Ich kannte die Band Lake nicht, ich erinnere mich nur an den Song ‚On the Run'“, erzählt der neue Sänger Rob Reynolds. „Ich kam rüber, habe Detlef kennengelernt und wir haben uns gut verstanden.“ Die beiden fingen an, gemeinsam an Songs zu arbeiten – und das klappte gut. „Dann habe ich den Rest der Jungs kennengelernt. Es ist total wichtig, dass du gut mit den Leuten klarkommst, mit denen du arbeitest.“

Es sind beste Voraussetzungen, um 50 Jahre nach dem Debüt noch einmal durchzustarten. Wenn sie mit ihrer Musik noch Menschen berühren können, sagen die Bandmitglieder, dann haben sie einiges richtig gemacht.

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