Neue Vorwürfe gegen Geheimdienstchefin

Tulsi Gabbard soll Anweisungen von „Sektenführer“ erhalten haben

Aktualisiert am 22.06.2026 – 14:00 UhrLesedauer: 3 Min.

imago images 0851222171Vergrößern des Bildes

Tulsi Gabbard (Archivbild): Laut Recherchen sollen Anweisungen aus dem Umfeld einer umstrittenen Glaubensgemeinschaft in ihre politischen Entscheidungen eingeflossen sein. (Quelle: IMAGO/Andrew Thomas / CNP /MediaPunch)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1x

Jetzt neu bei t-online:

Schriftgröße anpassen!

Artikel teilen

Interne Dokumente und Aussagen von Aussteigern werfen Fragen über die politische Unabhängigkeit der scheidenden Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard auf.

Die Geheimdienstchefin und Trump-Vertraute Tulsi Gabbard nahm in der Vergangenheit offenbar Ratschläge ihres religiösen Gurus entgegen und setzte diese wohl teilweise in ihrer politischen Arbeit um. Das berichtete die „Washington Post“, die mit mehreren Aussteigern sowie einer ehemaligen Beraterin Gabbards sprach.

Tulsi Gabbard wuchs in einer abgespaltenen Hare-Krishna-Gruppe des Religionsführers Chris Butler mit dem Namen Science of Identity Foundation (SIF) im US-Bundesstaat Hawaii auf. Ihre Eltern bekleideten dort führende Positionen. Butlers Anhänger praktizieren eine Form des Hinduismus, die auf der Verehrung einer einzelnen Gottheit – in ihrem Fall Krishna – basiert und bestimmte Erwartungen hinsichtlich Meditation, Yoga und Ernährung beinhaltet. Einige ehemalige Mitglieder bezeichnen die Gruppe als Sekte und erklärten, die Anhänger seien von der Außenwelt isoliert worden. Diese Darstellung weist die Organisation zurück.

Gerüchte um britischen Premierminister: Trump macht Starmers Rücktritt schon mal offiziellNach herablassenden Äußerungen: „Geht dich nichts an“: Meloni teilt erneut gegen Trump aus

Aussteiger werfen „Sektenführer“ Einflussnahme auf Geheimdienstchefin vor

Wie Aussteiger der SIF der „Post“ berichteten, habe Butler jahrelang versucht, Einfluss auf die Politik zu nehmen. Gabbards Aufstieg in Washington sei der Höhepunkt dieser Bemühungen. Gabbard, die zunächst demokratische Kongressabgeordnete war und seit 2024 Republikanerin ist, wurde von Donald Trump für sein zweites Kabinett als Direktorin der nationalen Nachrichtendienste nominiert. Ende Mai 2026 kündigte Gabbard ihren Rücktritt für Ende Juni an, weil ihr Ehemann schwer erkrankt sei.

Rebecca Saltzburg, eine ehemalige Beraterin Gabbards, war bei mehreren Kongresswahlkämpfen Gabbards für die Digitalstrategie verantwortlich. Sie war selbst SIF-Mitglied und hat in den 1990er-Jahren als Sekretärin für Butler gearbeitet. Sie berichtete, es gebe eine E-Mail-Domain mit dem Namen „NineIsles.com“, die vom Büro Butlers genutzt werde. Sie sei seinen Sekretären und ausgewählten Anhängern vorbehalten.

Direkte Handlungsanweisungen von SIF an Gabbard

Als Saltzburg an Gabbards Wahlkämpfen arbeitete, erhielt auch sie E-Mails von Adressen dieser Domain. Wie die „Post“, der einige davon vorliegen, berichtet, beinhalteten diese Anweisungen und Ratschläge für Gabbard während ihrer Zeit im Kongress. Einige enthielten Vorgaben dazu, welche Gesetze sie einbringen, welche politischen Positionen sie vertreten und wie sie sich im Fernsehen verhalten solle.

imago images 0857367960Vergrößern des BildesDie ehemalige Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard (Archivbild): Sie steht im Fokus eines Berichts der „Washington Post“. (Quelle: IMAGO/Michael Brochstein)

Ein Dokument vom Januar 2015 enthielt die Bewertung einer Stellungnahme, die Gabbard als Reaktion auf Präsident Barack Obamas jährliche Rede vor dem Kongress abgeben sollte. „Erstens interessiert es niemanden, was du über seine Rede zur Lage der Nation denkst, außer du hast etwas Interessantes zu sagen“, wurde dort eine Person zitiert. „Du gibst dir nicht einmal Mühe. Du bist wirklich intellektuell faul geworden.“