Potsdam – Nichts geht mehr ohne Künstliche Intelligenz. Doch die KI-Modelle kommen aus den USA und China, können jederzeit abgeschaltet werden – und haben massives Gefahrenpotenzial. Deutschlands Sicherheits-Chefs fordern daher jetzt eine Euro-KI, um der bedrohlichen Abhängigkeit zu entkommen.

Auslöser der Debatte: Der Schock war weltweit und riesengroß, als auf Geheiß der US-Regierung Hersteller Anthropic vorletzte Woche sein KI-Modell „Mythos 5“ abschaltete. Zu gefährlich, entschied das Weiße Haus. Weil die KI alle Schwachstellen sämtlicher Computer finden – und dann Angriffe starten kann.

Deutschlands IT-Sicherheitschefin Claudia Plattner ist zutiefst besorgt

Deutschlands IT-Sicherheitschefin Claudia Plattner (53) ist zutiefst besorgt

Foto: Michael Sauerbier

„Wie eine Bombe“

„Das ist eingeschlagen wie eine Bombe“, berichtete Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für IT-Sicherheit (BSI), am Mittwoch in Potsdam. Dort treffen sich zwei Tage lang die Chefs von Geheimdiensten, Polizei und Ministerien zur Nationalen Cybersicherheits-Konferenz. Top-Thema: Die Gefahren der Künstlichen Intelligenz.

„Die Zeit von der Entdeckung einer Schwachstelle bis zu ihrer Ausnutzung hat sich 2025 schon um 70 Prozent auf 17 Tage verkürzt“, warnte die BSI-Chefin, „und jetzt liefert die KI das auf Knopfdruck sofort.“ Sie fürchtet: Die Zahl der Cyberangriffe wird damit stark zunehmen – und Deutschland wehrlos sein.

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Der Grund: „Nur 0,7 Milliarden Euro zahlt die Bundesregierung jährlich für KI-Entwicklung“, klagte Konferenz-Chef Prof. Christian Dörr, „soviel wie Microsoft in drei Tagen,“ 110 Milliarden pro Jahr gebe die US-Firma dafür aus. 100 Milliarden stecke China in Künstliche Intelligenz.

Die Folge: „Nur diese zwei Länder werden bald Werkzeuge haben, um Schwachstellen zu entdecken – aber Europa nicht“, warnte Claudia Plattner. Sie fürchtet: „Wir werden nicht mehr mitspielen können, weil wir unsere Software nicht mehr so absichern können, wie die es können.“ Keine Regierung der Welt werde uns davor schützen.

Martina Link ist Vize-Präsidentin des Bundeskriminalamts (BKA)

Martina Link (60) ist Vize-Präsidentin des Bundeskriminalamts (BKA)

Foto: Michael Sauerbier

„Werden dreistellige Milliardenbeträge brauchen“

Die Lösung: „Wir brauchen eine europäische KI-Alternative“, sagte BKA-Vizepräsidentin Martina Link. Das habe die plötzliche Abschaltung von „Mythos 5“ gerade drastisch gezeigt. „Mindestens zwei große KI-Modelle aus Europa“, forderte BSI-Chefin Plattner. „Wir müssen unsere Unternehmen befähigen, auf Augenhöhe am Weltmarkt mitzuspielen!“

Das Problem: „Wir werden dreistellige Milliardenbeträge brauchen, um europäische KI-Modelle zu entwickeln“, erklärte Plattner – wie China und die USA. Deutschlands Regierung habe das Geld nicht, aber Unternehmen und Kapitalmärkte. „Wir müssen neue Finanzierungsmodelle finden“, forderte die BSI-Präsidentin und verwies auf die Gefahren der KI-Abhängigkeit. Plattner: „Wenn wir es nicht tun, wird es noch deutlich teurer!“