PoniesFoto: David Lukacs/PEACOCK

Die Hoffnungen auf eine Fortführung eines der profiliertesten Spionage-Formate des laufenden Jahres sind jäh zerplatzt. Wie nun offiziell bekannt wurde, zieht der US-Streamingdienst Peacock den Stecker bei einem aufwendig produzierten Kalter-Krieg-Thriller.

Hoffnungen geplatzt. Die US-Serie „Ponies“, bestellt vom Streamer Peacock, wird keine zweite Staffel erhalten. Für deutsche Serienfans, die das starbesetzte Drama hierzulande über die Plattformen von Sky Deutschland und den Streaming-Ableger Wow verfolgen konnten, kommt das vorzeitige Aus durchaus überraschend – vor allem mit Blick auf eher starke Feedback der Fachkritik.

Auf einen Blick: Das Protokoll der abgesetzten Premium-Serie

Die wichtigsten Parameter und Daten zur nun gecancelten Peacock-Produktion im kompakten Überblick:

ProjektdatenSpezifikationen und DetailsSerientitelPonies (Bedeutung im Geheimdienst-Jargon: „Persons of no interest“)HauptdarstellerinnenEmilia Clarke (Bea) & Haley Lu Richardson (Twila)US-Streaming-HeimatPeacock (US-Release der kompletten 8 Folgen am 15. Januar)Deutsche AusstrahlungSky Deutschland (Entertainment-Paket) & WOWKritiker-Rating (Rotten Tomatoes)Herausragende 94 % positive BewertungenAktueller StatusNach Staffel 1 offiziell abgesetzt

Es ist ein wiederkehrendes, schmerzhaftes Phänomen in der modernen Streaming-Landschaft: Selbst exzellente Rezensionen und eine prominente Besetzung garantieren im harten Kampf um die Gunst der Zuschauer kein Überleben mehr. Peacock hat das von David Iserson und Susanna Fogel kreierte Spionage-Drama „Ponies“ nach der achtteiligen Debütstaffel eingestellt. Während der US-Mutterkonzern die Entscheidung verkündete, müssen sich auch die hiesigen Abonnenten von Sky Deutschland von einer potenziellen zweiten Staffel verabschieden.

Das Quoten-Rätsel: Warum Top-Bewertungen im Streaming-Zeitalter nicht reichen

Aus rein qualitativer Sicht gab es absolut keinen Grund für ein vorzeitiges Ende. Auf dem renommierten Review-Aggregator Rotten Tomatoes hält die erste Staffel von „Ponies“ bis heute eine fantastische Kritiker-Zustimmungsrate von 94 Prozent. Die internationale Presse lobte unisono das dichte Drehbuch, die atmosphärische Inszenierung sowie das harmonische Zusammenspiel des hochkarätigen Casts, zu dem neben den beiden Hauptdarstellerinnen auch Adrian Lester, Artjom Gilz, Nicholas Podany, Petro Ninovskyi und Vic Michaelis gehörten.

Der entscheidende Haken lag jedoch – wie so oft – in der harten Währung der Zuschauerreichweite:

Die Peacock-Politik: Der US-Streamer gibt traditionell keine konkreten, absoluten Abrufzahlen für seine Eigenproduktionen heraus.

Das Nielsen-Alarmsignal: Unabhängige Marktforschungsdaten lieferten den bitteren Hinweis auf den mangelnden Massenerfolg. Nach dem globalen Release im Januar gelang der Serie zu keinem Zeitpunkt der Sprung in die Top-10-Streaming-Charts von Nielsen.

Das Kosten-Nutzen-Dilemma: Ein historisches Setting, das im Moskau der späten 1970er-Jahre spielt, verschlingt enorme Produktionsbudgets. Bleibt der ganz große, virale Publikumserfolg aus, rechnen sich solche Prestige-Projekte für die Plattformen schlichtweg nicht mehr.

Wie die Serie in Deutschland lief, ist nicht bekannt. Sky und Wow waren dort die Heimat – Talk of the Town wurde das Format auch hierzulande nicht.

Moskau, 1977: Ein Blick zurück auf die starke Story von Bea und Twila

Die Serie bot ein erfrischend unverbrauchtes Konzept im oft männerdominierten Agenten-Genre. Der Titel leitet sich vom CIA-Code „PONIES“ (Persons of no interest) ab – also Personen, die für feindliche Geheimdienste aufgrund ihrer vermeintlich unbedeutenden Funktion völlig uninteressant und unsichtbar sind.

Die Handlung entführte die Zuschauer in das Jahr 1977, mitten hinein in die eisige Atmosphäre des Kalten Krieges in Moskau. Bea (gespielt von „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke), die hochgebildete, russischsprachige Tochter sowjetischer Einwanderer, und ihre Kollegin Twila (Haley Lu Richardson), ein furchtloses, direktes Mädchen aus der US-Provinz, arbeiten anonym als Sekretärinnen in der amerikanischen Botschaft.

Ihr beschauliches, unscheinbares Dasein findet jedoch ein abruptes Ende, als ihre Ehemänner unter höchst mysteriösen Umständen auf dem Boden der UdSSR ums Leben kommen. Aus den Witwen werden quasi über Nacht aktive CIA-Agentinnen an der vordersten Front der Spionage. Gemeinsam nehmen Bea und Twila den Kampf auf, um eine gigantische Verschwörung des Kalten Krieges aufzudecken und das Rätsel zu lösen, das sie im Kern erst zu Witwen gemacht hat. Geführt wurde die Produktion unter anderem von Regissörin Susanna Fogel, die für die visuelle Identität verantwortlich zeichnete und vier der acht Episoden persönlich inszenierte. Ein runder Abschluss dieser komplexen Story bleibt den Fans nach der Peacock-Absage nun leider verwehrt.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse zum „Ponies“-Aus:

Harte Streaming-Realität: Qualität schützt vor Absetzung nicht – trotz 94 Prozent positiver Kritiken besiegelten die ausbleibenden Spitzenplätze in den Nielsen-Charts das Schicksal der Serie.

Verlust für das Sky-Portfolio: Sky Deutschland verliert damit ein hochwertiges, exklusives Zugpferd im Bereich der anspruchsvollen US-Dramen, das im Januar gestartet war. Das ist auch deshalb schmerzhaft, weil neue HBO-Serien inzwischen ebenfalls nicht mehr bei Sky, sondern bei HBO Max laufen.

Emilia Clarkes Serien-Pech: Für die britische Ausnahmeschauspielerin bedeutet das Aus einen erneuten Rückschlag im fiktionalen Serien-Bereich abseits ihres ikonischen „Game of Thrones“-Erfolgs.

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