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(Bild: fizkes/ Shutterstock.com)

Frankreich, Großbritannien und Italien verzeichnen historische Juni-Rekorde. Ein blockiertes Strömungsmuster hält die Temperaturen fest.

Paris meldet 40,9 Grad Celsius, das südwestfranzösische Pissos sogar 44,3 Grad Celsius – und der Jetstream, der normalerweise Wettersysteme zügig über den Atlantik schiebt, steht still.

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Der Grund dafür, dass die Hitze wie eine Glocke über Europa steht, ist eine sogenannte Omega-Lage. Bei diesem Wetterphänomen wird warme Hochdruckluft zwischen zwei kühleren Tiefdruckgebieten gepresst, berichtet Reuters. Diese Konstellation wird in der Meteorologie mit dem griechischen Buchstaben Ω beschrieben.

Laut dem Reuters Climate Monitor liegen die Temperaturen bis zu 18 Grad Celsius über den saisonalen Normalwerten.

Die Folgen sind dramatisch: So ertranken in Frankreich mindestens 48 Menschen beim Versuch, sich abzukühlen. Zwei Kleinkinder starben in einem überhitzten Auto. Italiens Gesundheitsministerium setzte 16 Städte auf die höchste Warnstufe, darunter Rom, Mailand und Florenz.

Großbritannien registrierte mit 36,1 Grad Celsius in Gosport die höchste jemals im Juni gemessene Temperatur; der alte Rekord von 35,6 Grad Celsius aus dem Jahr 1957 wurde knapp übertroffen. Hunderte britische Schulen schlossen, die Londoner U-Bahn musste das Tempo drosseln.

Das Prinzip Omega-Lage: Wenn der Jetstream zur thermischen Falle wird

Unter normalen Bedingungen transportiert der Jetstream Wettersysteme stetig von West nach Ost. Während einer Omega-Lage krümmt sich allerdings diese Strömung deutlich nach Norden und Süden, und die Druckgebiete isolieren sich. Schwächere Leitwinde und geringere Temperaturkontraste in der Atmosphäre halten das Muster stabil.

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Das Ergebnis: Heiße, wolkenlose Luft sitzt tagelang über derselben Region fest. Das Hochdruckgebiet unterdrückt die Wolkenbildung, klarer Himmel lässt die Sonneneinstrahlung ungebremst auf den Boden treffen.

Omega-Lagen dauern typischerweise drei bis zehn Tage, können unter Umständen aber auch Wochen anhalten.

Der Wetterdienst Météo-France stuft die aktuelle Lage als vergleichbar mit der Hitzewelle im August 2003 ein, die 16 Tage anhielt und europaweit geschätzt 70.000 zusätzliche Todesfälle verursachte.

Allerdings trifft die aktuelle Hitzewelle deutlich früher in der Saison auf, Ende Juni statt Anfang August. Die Warnstufe Rot gilt inzwischen für 72 französische Départements.

Erderwärmung im Realitätscheck: Was die Forscher von ClimaMeter und WMO messen

Der Klimawandel macht die Lage noch schlimmer, wie Clair Barnes vom Imperial College London betont: Hitzewellen fallen in Europa heute 2 bis 4 Grad Celsius heißer aus als es ohne die menschengemachte Klimaerwärmung der Fall wäre.

Eine Analyse des Forschungsprojekts ClimaMeter beziffert den Anteil des Klimawandels für einzelne Orte: So lag das Temperaturplus am 22. Juni in Saragossa bei 4 Grad Celsius, in Mailand bei 3,8 Grad Celsius und in München bei 2,3 Grad Celsius.

Davide Faranda vom französischen CNRS warnt, Gesellschaften und Ökosysteme näherten sich den Grenzen ihrer Anpassungsfähigkeit.

Europa erwärmt sich laut Weltorganisation für Meteorologie mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Zusätzlich schätzt die WMO die Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen im Sommer 2026 auf 80 Prozent – ein Hintergrundverstärker, der regionale Hitzemuster wie den Omega-Lage weiter verschärft.

Frankreichs Infrastruktur am Limit: Warum Kernkraftwerke drosseln und Geflügelhöfe kollabieren

Durch die Hitze gerät auch die Stromversorgung unter Druck: Atommeiler liefern einen großen Teil des Stroms in Frankreich. Und in jeder Hitzephase müssen sie ihre Leistung drosseln, so auch in diesem Jahr. Laut Berichten macht die Drosselung etwa sieben Prozent des gesamten Strombedarfs aus.

Der Grund dafür ist, dass Flusswasser, das bei den Atommeilern zur Kühlung herangezogen wird, weniger gut als Kühlwasser verwendet werden kann. Und das ist ein strukturelles Problem, mit dem die Franzosen schon 2003 und 2018 zu kämpfen hatten.

Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Die Banque de France warnte bereits im April vor einem BIP-Rückgang von bis zu 7,4 Prozent bei sich überlagernden Klimaextremen.

Die Lebensmittelpreise, insbesondere für Fleisch, dürften ebenfalls steigen. Ein Grund dafür ist, dass in der Bretagne und der Region Pays de la Loire bereits Hunderttausende Tiere in Geflügelbetrieben verendeten. Die beiden Regionen stellen zusammen mehr als die Hälfte (rund 55 Prozent) des französischen Geflügelbestands.

Milchbauern melden einen Produktionsrückgang von 15 bis 20 Prozent.

Eiffelturm und Louvre verkürzten laut Reuters ihre Öffnungszeiten, die Uffizien in Florenz stoppten den Ticketverkauf wegen defekter Klimaanlage. Selbst die London Climate Action Week musste eine Veranstaltung zu extremer Hitze absagen – wegen der Hitze.