Foto: Auerbach Verlag/Canva / Logos: Sky / ITV
Die britische Fernsehlandschaft steht vor der größten strukturellen Fusion seit über einem Jahrzehnt. Wie die Nachrichtenagentur Reuters vermeldet, haben sich der Pay-TV-Riese Sky und der traditionelle Privatsender ITV grundsätzlich auf die Bedingungen einer gigantischen Übernahme geeinigt. Der Deal bricht die bisherige Hackordnung im britischen Rundfunk komplett auf.
Einem „Reuters“-Bericht zufolge ist so gut wie alles klar: Sky wird demnach die Media & Entertainment-Sparte von ITV übernehmen. Eine Einigung sei erzielt worden, heißt es. Weder Sky noch ITV haben sich bis zur Stunde geäußert. Das sind die aktuellen Spekulationen:
Auf einen Blick: Die Details der Sky-ITV-Übernahme
Die Verhandlungen, die sich seit Ende zurückliegenden Jahres hinziehen, biegen wohl final auf die Zielgerade ein:
Deal-KomponenteFinanzielle Summe / BewertungBetroffene Plattformen & MarkenStrategisches ZielKaufpreis (Basis)1,6 Milliarden Pfund ($2,1 Mrd.)ITV Media & Entertainment (Lineare Kanäle & Streamer ITVX)Massiver Ausbau des werbefinanzierten Free-TV-Fußabdrucks von SkyEarn-Out (Bonus)Ca. 200 Millionen PfundGekoppelt an die zukünftige Performance der ITV-SparteRisiko-Minimierung bei schwankenden WerbemärktenTauschGekoppelt in die TransaktionLove Productions (The Great British Bake Off) wechselt zu ITV StudiosFokus auf die jeweilige Kernkompetenz der beiden Medienhäuser
Der Medien-Paukenschlag in Großbritannien ist perfekt. Der zu US-Gigant Comcast gehörende Pay-TV-Anbieter Sky übernimmt offenbar für die Summe von 1,6 Milliarden Pfund die gesamte Sender- und Streaming-Sparte von ITV. Laut Insidern haben die Chefetagen beider Konzerne eine fundamentale Einigung erzielt, die Verträge werden gegenwärtig finalisiert. Eine offizielle Ankündigung wird innerhalb der kommenden zwei Wochen erwartet. Offiziell bestätigt ist der Zusammenschluss noch nicht.
Was wurde ausgehandelt?
Der Deal umfasst explizit die Sparte Media & Entertainment von ITV – also das gesamte Portfolio an frei empfangbaren linearen TV-Kanälen sowie die extrem erfolgreiche Streaming-Plattform ITVX. Durch den Zusammenschluss bündelt Sky seine im Vereinigten Königreich enorme Pay-TV-Reichweite mit einer riesigen, werbefinanzierten Free-to-Air-Infrastruktur im Vereinigten Königreich. Das Vorhaben muss allerdings noch die harten Hürden der Regulierungsbehörden Ofcom sowie der Competition and Markets Authority (CMA) nehmen. Zudem wirft die Fusion drängende Fragen auf, wie mit den jeweiligen, bis dato getrennten News-Redaktionen der Sender verfahren wird.
Der Vergleich mit Deutschland
Das Sky-Business befindet sich spürbar im Umbruch – letztlich passiert in UK nicht viel anderes als in Deutschland, wenn auch umgekehrt. Es schließen sich ein starker Pay-Anbieter und der führende Privatsender zusammen, um gemeinsam stärker zu sein im Duell mit den globalen Streamern. In Deutschland hat RTL Deutschland den deutschen Sky-Teil von der Sky Group übernommen. Sky Deutschland gehört seit Juni nicht mehr zur Sky Group. In UK übernimmt die Sky Group den kommerziellen Fernsehanbieter ITV mit seinen Free-TV-Sendern und dem populären Streamer ITVX.
Der Bake-Off-Coup: Wie ITV Studios vom Verkauf profitiert
Der Clou an der Milliarden-Transaktion: ITV wird keineswegs komplett geschluckt. Die globale Produktions- und Vertriebstochter ITV Studios – die weltweite Hits wie „Love Island“ oder „Squid Game: The Challenge“ verantwortet und in Deutschland Sendungen wie „The Voice“, „Das perfekte Dinner“ oder das Dschungelcamp herstellt – verbleibt eigenständig außerhalb des Sky-Zugriffs. Durch den Deal wird ITV Studios sogar noch massiv gestärkt.
Als fester Bestandteil der Vereinbarung verkauft Sky nämlich seine Anteile an der Produktionsfirma Love Productions direkt an die ITV Studios weiter. Love Productions ist das kreative Powerhouse hinter der absoluten Kult-Marke „The Great British Bake Off“ (in Deutschland bekannt als „Das große Backen“) sowie dem Erfolgsformat „The Piano“ (das hierzulande bei Vox nicht recht zündete). Sky hatte sich 2014 die Mehrheit und 2020 schließlich 100 Prozent der Anteile an der Spielschmiede gesichert – nun wandert die wertvolle TV-IP im Wert von geschätzten 80 bis 120 Millionen Pfund zu den Kölnern und Londonern von ITV.
Für ITV-Chefin Carolyn McCall zahlt sich der Strategiewechsel damit voll aus. Während das klassische Werbegeschäft im Fernsehen schwächelt, fokussiert sich ITV künftig als reines, cash-generierendes Produktions-Schwergewicht im globalen Markt, während Sky die Distribution im Heimatmarkt steuert.
Die drei wichtigsten Erkenntnisse zur Sky-ITV-Sensation:
Entstehung eines TV-Monopols: Mit der Übernahme der ITV-Sender kontrolliert die Comcast-Tochter Sky künftig einen gigantischen Teil des britischen Fernseh- und Werbemarktes.
Smarte Filetierung: ITV trennt sich elegant von seinem kriselnden linearen Ausstrahlungs-Geschäft und behält die hochprofitable, expandierende Produktionsfirma ITV Studios.
Bake-Off bekommt neue Heimat: Der Wechsel von Love Productions konsolidiert das Unscripted-Portfolio von ITV Studios und sichert dem Konzern langfristige globale Format-Rechte.
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