
Am kommenden Sonntag, den 28. Juni (4:00 Uhr MESZ, Ligaportal-LIVETICKER) steigt für Österreich bei der Fußball-WM 2026 das letzte Gruppenspiel in Kansas City gegen Algerien. Zugleich auch das letzte Spiel vor der Sonntagabend beginnenden K.o-Runde mit dem Sechzehntelfinal-Auftaktmatch zwischen Südafrika und Co-Gastgeber Kanada in den USA. Vor dem ÖFB-Team-Match äußerten sich Sportdirektor Peter Schöttel und der verletzte Christoph Baumgartner zu einem unrühmlichen Thema der Fußball-WM-Historie.

Welche taktischen Überlegungen hegen ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel (l.) sowie Cheftrainer Ralf Rangnick (r.) und dessen vertrauter „Co“ Lars Kornetka für das abschließende Algerien-Match?
Historische Erinnerungen sorgen für Diskussionen
Österreich und Algerien? Da war doch was…!?! Nicht nur in Algerien werden vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Österreich Erinnerungen wach an eines der umstrittensten Kapitel der Fußballgeschichte. Verschiedene Medien und zahlreiche Diskussionen in den sozialen Netzwerken beschäftigen sich mit der Möglichkeit, dass ein Unentschieden beiden Mannschaften den Einzug in die K.-o.-Phase sichern könnte.
Unter anderem verweist Focus Online auf Parallelen zur sogenannten „Schande von Gijón“ vor 44 Jahren. Bei der WM 1982 qualifizierten sich Deutschland und Österreich nach einem äußerst ereignisarmen Spiel (1:0) gemeinsam für die nächste Runde, während Algerien trotz einer starken Turnierleistung ausschied. Das Duell gilt bis heute als Sinnbild für ein Ergebnis, das beiden Teams gleichermaßen entgegenkam.
Auch vor der bevorstehenden Partie am Sonntag in Kansas City wird bereits über mögliche taktische Überlegungen spekuliert. Einige Fans äußern die Sorge, dass sich Österreich als Tabellenzweiter und Algerien als Gruppendritter mit einem Remis zufriedengeben könnten. Focus Online berichtet zudem, dass ein namentlich nicht genannter österreichischer Wirtschaftsprofessor in diesem Zusammenhang bereits den Begriff „Schande von Kansas City“ geprägt habe.
Nach den Ereignissen von Gijón hatte der damalige österreichische Delegationsleiter Dr. Hans Tschank den Vorwurf eines abgesprochenen Spiels zurückgewiesen. Zugleich sorgte er mit einer abfälligen Aussage über algerische Fans für erhebliche Kritik. Wörtlich erklärte er damals: „Natürlich ist taktisch gespielt worden. Aber wenn jetzt deswegen hier 10.000 Wüstensöhne im Stadion einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben. Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können.“
Ausgangslage bietet Raum für Spekulationen
Die Konsequenzen aus der „Schande von Gijón“ sind bis heute spürbar: Seit 1984 werden die letzten Gruppenspiele bei großen Turnieren zeitgleich ausgetragen, um möglichen Absprachen vorzubeugen.
Dennoch sorgt die aktuelle Konstellation beim Turnier in Nordamerika erneut für Gesprächsstoff. Das Duell zwischen Österreich und Algerien wird parallel zur Begegnung Argentinien gegen Jordanien ausgetragen und bildet den Abschluss der Gruppenphase. Zudem könnte die Platzierung innerhalb der Gruppe Auswirkungen auf den weiteren Turnierverlauf haben.
Nach aktuellem Stand würde der Gruppenzweite im Sechzehntelfinale voraussichtlich auf Spanien treffen, während dem Gruppendritten möglicherweise ein vermeintlich leichterer Gegner bevorsteht. Diese Ausgangslage nährt die Spekulationen über mögliche taktische Überlegungen – auch wenn es dafür bislang keinerlei Anhaltspunkte gibt.

In Aktion hätten die rot-weiß-roten Fußball-Fans Christoph Baumgartner zu gern bei der WM gesehen. Drei Wochen nach seiner OP am rechten Oberschenkel hat der verletzte RB Leipzig-Legionär in der Rehabilitation große Fortschritte gemacht. Der 26-jährige Niederösterreicher ist sehr nah dran am ÖFB-Team. Vor dem Match gegen Weltmeister Argentinien (0:2) hatte der 58-fache Nationalspieler Österreichs (19 Tore) sogar die Ehre, in der Kabine die letzte Ansprache zu halten.
„Aber ich glaube, das hat nichts mit einer Schande von Kansas zu tun, weil so Spiele gibt es genauso in der Bundesliga oder wo auch immer, dass du einfach irgendwann mit einem Ergebnis zufrieden bist“
ÖFB-Teamspieler Christoph Baumgartner:
„Natürlich ist das irgendwo ein Thema, aber am Ende des Tages werden wir bis zum Samstag eh noch nicht wissen, wie es dann ausschaut. Für uns zählt eh nur, dass wir uns hundertprozentig aufs Spiel konzentrieren, dass wir uns bestmöglich vorbereiten. Dass wir das Spiel gewinnen. Der Rest ist dann nicht so wichtig.
Wie gesagt, da ist eh immer der Fokus hundertprozentig bei uns. Genauso werden wir jetzt auch die nächsten Trainings angehen.
Klar ist auch, wenn es irgendwann hinten raus einmal eng wird und es gibt vielleicht eine Konstellation, die für beide Mannschaften passt, ist es vielleicht so, ich weiß nicht, dass nicht beide Mannschaften mit offenem Visier spielen, sondern einfach taktisch klüger spielen.
Aber ich glaube, das hat nichts mit einer Schande von Kansas zu tun, weil so Spiele gibt es genauso in der Bundesliga oder wo auch immer, dass du einfach irgendwann mit einem Ergebnis zufrieden bist und sagst, okay, heute nehmen wir den Punkt einfach mit und dem Gegner geht es genauso.
Und dann gibt es einfach Spiele, die vielleicht darauf hinauslaufen. Aber unsere Grundeinstellung und so, wie wir als Spieler und als Trainerteam denken, ist dann schon, dass wir einfach Spiele gewinnen wollen. Und das steht schon in erster Linie überall.“
„Über allem steht, dass wir uns für das Sechzehntelfinale qualifizieren und dass wir eben zumindest den einen Punkt holen, dahin zu kommen“
Peter Schöttel, ÖFB-Sportdirektor:
„Der Fakt ist, dass es das letzte Spiel der Vorrunde ist. Beide Mannschaften wissen, was sie benötigen, um in das Sechzehntel-Finale zu kommen. Das ändert aber nichts daran, dass wir dieses Spiel gewinnen wollen.
Natürlich schauen wir, wie die anderen Spiele laufen. Wir können als möglichen Gegner Spanien haben, doch auch Spanien muss erstmal ihre Gruppe gewinnen. Das kann alles so anders kommen. Wir sind, glaube ich, gut beraten und werden uns so intensiv auf Algerien vorbereiten. Über allem steht, dass wir uns für das Sechzehntelfinale qualifizieren und dass wir eben zumindest den einen Punkt holen, dahin zu kommen.“
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Statement-Quelle: AdmiralRadioservice.
Fotocredit: ÖFB/Paul Gruber und lb-photo-Lukas Biereder