Wenn Donald Trump eines liebt, dann den starken Mann zu spielen. Egal ob es um Innen-, Außen- oder Wirtschaftspolitik geht, der US-Präsident ist mit Drohungen und Maßnahmen wie Strafzöllen schnell bei der Hand. Auf der anderen Seite will die Trump-Regierung aus ihrem mutmaßlichen Vorsprung bei KI-Modellen wie Claude, Gemini oder der GPT-Reihe von OpenAI Profit schlagen. Um dem Erzrivalen China die Stirn zu bieten, sollen ChatGPT und Co. in die ganze Welt getragen werden. Denn der Open-Weights- und Open-Source-Sektor der Volksrepublik holt auch dank staatlicher Unterstützung gewaltig auf.

Die Analyseplattform Artificial Analysis führt beispielsweise das Modell GLM-5.2 von Z.ai mittlerweile auf dem dritten Platz in der „Intelligence“-Kategorie. Und zwar vor Grok, Metas Muse Spark und dem aktuellen Gemini-Pro-Modell. Kein Wunder, dass im Weißen Haus die Alarmglocken schrillen. Der aktuellste Auswuchs ist ein Dekret von Anfang Juni, das der Regierung im Rahmen eines freiwilligen Frameworks einen Vorabzugriff auf große Sprachmodelle von US-Firmen einräumen soll.

Dass entsprechende Behörden eine allgemeine Veröffentlichung nach so einer Vorabprüfung untersagen könnten, ist nicht unrealistisch. Immerhin ist das bei Anthropics Claude Fable 5 so passiert. Das Modell der Mythos-Klasse wurde wenige Tage nach dem Start von der US-Regierung mit einer Exportkontrolle belegt, angeblich wegen Sicherheitsbedenken. So wichtig scheint Donald Trump der Sieg im KI-Wettrennen also doch nicht zu sein.

Im europäischen Tech-Sektor sorgt diese Entwicklung für nervöses Zucken. Auch, weil das Weiße Haus jetzt direkt Nägel mit Köpfen zu machen scheint. Laut CNN hat die US-Regierung OpenAI just darum gebeten, sein nächstes Modell nur phasenweise auszurollen. Und ohne OpenAI und Anthropic geht bekanntlich nichts in Sachen KI und Europa. Oder?

Zugriff auf Claude Fable 5 und GPT-5.6: Warum niemand die Leistung von Top-Modellen wirklich braucht

Diese Angst davor, den Anschluss zu verlieren, ist bezeichnend für den politischen Einfluss von Köpfen wie Dario Amodei, Demis Hassabis und Sam Altman. Die saßen zum Beispiel beim G-7-Gipfel als gleichwertige Mitglieder zwischen den anwesenden Staatsoberhäuptern, als ob es das Normalste der Welt wäre. Altman beteuert zwar, dass man Tech-Firmen nicht die Kontrolle über KI überlassen sollte, wie der Deutschlandfunk berichtet. Aber er hätte es dann sicher schon ganz gern, wenn ChatGPT in jeder Facette unseres Lebens Einzug hält.

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Dass Trump dem jetzt ein Stück weit einen Riegel vorschiebt, ist eigentlich ein Segen. Denn natürlich ist es kritisch, wenn Staaten allein darüber entscheiden, wie Technologie verteilt wird. Vor allem führt das Altmans ohnehin schon absurde Idee, KI sei etwas, das der ganzen Menschheit zugutekommt, weiter ad absurdum. Aber so realisieren Entscheider:innen vielleicht schneller, dass weder ChatGPT noch Claude noch Gemini das Maß aller Dinge sind.

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Diese Tools mögen auf Benchmarks gut abschneiden. Außerdem mögen sie durch eine Mischung aus geschicktem Marketing und tatsächlichen Fähigkeiten die Gemüter erhitzen und für Alarmstufe Rot in der Wirtschaft und der Politik sorgen. Aber Fakt ist doch, dass diese Werkzeuge für die meisten Einsatzzwecke komplett überdimensioniert sind.

Keine Firma braucht GPT-5.6, um Ordnung in ihre Dokumentenablage zu bringen. Kein Konzern ist zwingend auf die Coding-Muskeln von Claude Fable 5 angewiesen, um Produkte auf den Markt zu bringen. Und die Büroangestellten, die aus PDF-Dateien Powerpoint-Präsentationen machen und damit Tokenbudgets überstrapazieren, wie 404 Media berichtet, brauchen diese mächtigen Werkzeuge erst recht nicht.

Abhängigkeit von OpenAI und Anthropic: Offene Modelle bleiben die Lösung

Das, was die KI-Firmen aus den USA primär verkaufen, ist die Erzählung, dass es ohne sie nicht geht. Dass die Maschine ohne sie stillsteht. Dass es immer mehr Rechenzentren und Rechenkapazität braucht, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, Umwelteinflüsse hin, ins Astronomische schießende Kosten her. Dabei wird es Zeit, dass diese Idee endlich aus den Köpfen verbannt wird.

Denn nicht nur Z.ai hat mit GLM-5.2 aufgeholt. Auch andere, kleinere, offenere Modelle, ob aus den USA, China oder Europa, werden immer leistungsfähiger und effizienter. Und auch Open-Source-Modelle werden immer besser. Natürlich gibt es immer noch Einsatzzwecke, im Coding oder in der Forschung, in denen OpenAI oder Anthropic Vorsprünge haben mögen und der Einsatz von großen Modellen relevant ist. Aber diese Vorsprünge werden kleiner.

Und auch im Bereich der Cybersicherheit braucht niemand Mythos 5, um Schwachstellen auszunutzen. Cyberkriminelle hätten ja nicht mal das Budget für Tokenmaxxing. Und wenn nicht mal die Hälfte der in einer aktuellen Studie des Cyberversicherers Baobab untersuchten Unternehmen mit weniger als fünf Millionen Euro Umsatz Zwei-Faktor-Authentifizierung einsetzt, reicht auch ein lokales Modell, das auf einer normalen Gaming-GPU läuft. Zugriff auf fortschrittliche KI-Modelle hilft niemandem, wenn die Strukturen fehlen.

Auch wenn es sich für Expert:innen und Laien gleichermaßen nach einer alten Leier anhört: Die Vormachtstellung von US-Frontier-Modellen schreiben wir ihnen selbst zu. Durch Bequemlichkeit und durch die Weigerung, mal nach links und rechts zu schauen. Meine Empfehlung: Ruhe bewahren und vielleicht mal darüber nachdenken, die Tokenbudgets für ChatGPT oder Claude umzuverteilen.

Je nach Einsatzzweck und Größe des Setups kann sich das Umschwenken auf lokale Lösungen schon nach wenigen Monaten rechnen, wie Forscher:innen der Carnegie Mellon Unversity herausgefunden haben. Und wer generative KI so einsetzt, wie es am sinnvollsten ist, nämlich dosiert und projektbezogen statt wahllos überall, hat vielleicht sogar noch schneller etwas davon.