„Die dunkelste Zeit in der Geschichte der Bundesrepublik“ – das waren für den Templiner Zahnarzt Falk Hoffert zweifelsfrei die Coronamaßnahmen. Einhergehend mit massivsten Menschenrechtseinschränkungen hätte er diese Phase nicht so schadlos überstanden, wenn da nicht die Veranstaltungen des „Malchower Formats“ gewesen wären, betonte der Uckermärker am Donnerstag in Malchow.

Klima der Angst und Einsamkeit

Stellvertretend für die „Malchower Format“-Familie hielt der Mediziner eine Dankesrede, die er anlässlich des endgültigen Aus der beliebten Veranstaltungsreihe geschrieben hatte.

Der Abschied vom „Malchower Format" wurde mit Brezeln aus Mönkebude und Wein, gestiftet von Familie Dietz, gefeiert.Bild vergrößern

Der Abschied vom „Malchower Format“ wurde mit Brezeln aus Mönkebude und Wein, gestiftet von Familie Dietz, gefeiert. (Foto: Claudia Marsal)

Er blickte unter Applaus zurück auf „das damals herrschende Klima der Angst, der Einsamkeit und des Misstrauens. Als ich dann erstmals diese Kirche hier betrat, war es für mich wie eine Offenbarung.“

So ging es vermutlich ganz vielen Menschen, denn seit dem Auftakt im Januar 2021 riss die Besucherschar nie ab.

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Initiator Pfarrer i.R. Thomas Dietz gelang es unglaubliche 70-mal, Experten aus Medizin, Wissenschaft und Politik in das Dörfchen Malchow zu holen. Frauen und Männer fast jeden Alters fanden hier im Publikum Trost, wie Falk Hoffert sagte, weil sie merkten, dass sie mit ihren Bedenken und Ängsten nicht alleine sind, sondern dass es viel mehr Menschen gab, die nicht nur die Pandemie kritisch hinterfragten, sondern darüber hinaus auch andere politische Entscheidungen und gesellschaftliche Entwicklungen.

Professor Dr. Dr. Christian Schubert aus Innsbruck war der letzte Gast der beliebten Veranstaltungsreihe.Bild vergrößern

Professor Dr. Dr. Christian Schubert aus Innsbruck war der letzte Gast der beliebten Veranstaltungsreihe. (Foto: Claudia Marsal)

Dass Thomas Dietz und seine Frau trotz aller Anfeindungen, auch aus der eigenen Kirche stammend, unerschrocken weitergemacht hätten, sei nicht hoch genug zu würdigen, so der Redner. Er schlug vor, dafür nach dem ersten Bundesverdienstkreuz aus 2015 noch ein zweites zu verleihen: „Wir wissen natürlich, dass das nicht geschehen wird.“

Bezugnehmend auf den Vortrag, den Prof. Dr. Dr. Christian Schubert kurz zuvor als 70. und damit letzter Gast gehalten hatte, betonte der Mediziner, dass er Thomas Dietz in gewisser Weise für den mächtigsten Arzt der Welt halte.

Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.Bild vergrößern

Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt. (Foto: Claudia Marsal)

Schubert hatte in seinen Ausführungen nämlich auf die Kraft des Glaubens hingewiesen. Er zog dafür eine Studie zu „Psychoneuroimmunologie und religiöser Aktivität“ heran, bei der zweifelsfrei belegt worden sei, dass Menschen, die regelmäßig in die Kirche gingen, eine höhere Lebenserwartung hatten als die, die das nicht taten.

„Hier bündeln sich quasi viele der entscheidenden psychologischen Positivfaktoren, von denen wir wissen, wie wichtig sie für ein funktionierendes Immunsystem sind: Hoffnung, soziale Integration, Kontrollerleben, Entlastung, Eigenverantwortung, alles Faktoren, die uns langfristig gesund halten und uns gesund altern lassen.“

Der Pfarrer i.R. bedankte sich bei verdienstvollen Mitstreitern wie Anja Gäbler aus dem Gemeindesekretariat.Bild vergrößern

Der Pfarrer i.R. bedankte sich bei verdienstvollen Mitstreitern wie Anja Gäbler aus dem Gemeindesekretariat. (Foto: Claudia Marsal)

Der 65-Jährige stellte in seinem Vortrag mahnend heraus, dass chronischer Stress, sowohl im Berufs- als auch Privatleben, schneller altern und sterben lasse. Besonders gefährdet seien hier Personen, die sich um Alzheimer-Patienten kümmerten. „Pflegestress führt nachweislich zu vorschnellem Altern des Immunsystems mit erhöhter Krankheit und geringerer Lebenserwartung.“ Er hob in diesem Zusammenhang nochmals hervor, wie wichtig das psychische Wohlbefinden ist, also „die Lebenszufriedenheit“.

Als Dankeschön gab es ein Ständchen von Heike Reinhold.Bild vergrößern

Als Dankeschön gab es ein Ständchen von Heike Reinhold. (Foto: Claudia Marsal)

Es gehe darum, möglichst viele positive Gefühle und möglichst wenig negative zu haben, bekräftigte der Gast. Entscheidend für die Frage, ob das Immunsystem mit Krankheitserregern und entarteten Zellen fertig werde, seien positive Beziehungen, Autonomie, Kontrollierbarkeit der Umwelt, persönliches Wachstum, Sinnhaftigkeit des Lebens und Selbstakzeptanz, so Schubert.

Der Mediziner stellte ebenfalls die Wichtigkeit des „sechsten Sinns“ heraus, der Mensch merke eigentlich viel eher, als es jede Untersuchungsmaschine könne, dass etwas nicht stimme im Körper und eine Erkrankung im Anflug sei, so Schubert: „Immunaktivität verändert dann Erleben und Verhalten, um Energie einzusparen, man nennt das auch ‚Sickness Bahavior‛.“

Landwirt Hans-Jürgen Paulsen „opferte" sogar seinen Geburtstag für die Veranstaltung.Bild vergrößern

Landwirt Hans-Jürgen Paulsen „opferte“ sogar seinen Geburtstag für die Veranstaltung. (Foto: Claudia Marsal)

Doch der Mensch verlerne zunehmend, auf diese innere Stimme zu hören. Er werfe, so der Arzt, lieber Tabletten ein, bekämpfe also das Symptom, anstatt sich um die Ursache – oft Überlastung, Stress, toxische Beziehungen – zu kümmern. Anstatt sich zur Schonung ins Bett zu legen und das Immunsystem seinen Job machen zu lassen, laufe man zur Arbeit, funktioniere in Familie und Partnerschaft so, als ob nichts wäre, legte der Arzt den Finger auf die Wunde.

Und das mache krank. Die Schulmedizin wiederum sei zu fokussiert auf das Stoffliche des menschlichen Lebens (Genetik, Zellen, Organe, Moleküle).

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig würdigte das Wirken des pensionierten Pfarrers mit herzlichen Worten und bedauerte das Auslaufen des "Malchower Formats".Bild vergrößern

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Saskia Ludwig würdigte das Wirken des pensionierten Pfarrers mit herzlichen Worten und bedauerte das Auslaufen des „Malchower Formats“. (Foto: Claudia Marsal)

Behandlung von Krankheiten erfolge durch Reparatur mit Medikamenten und Operationen, Diagnostik mit Physik und Chemie und Prävention durch Vermeidung von materiellen Krankmachern (Erreger, Schadstoffe, Nahrungsmittelallergien).

Diese technisch-materielle Herangehensweise sei in der Akutmedizin natürlich sehr erfolgreich, setzte er hinzu, bei chronischen Erkrankungen allerdings nicht nachhaltig, weil rein symptomorientiert. Dadurch gebe es eminente Probleme in der Diagnostik und Behandlung mit enormen Belastungen von Mensch und Gesellschaft. Deutschland gebe heute schon enorme Summen für das Gesundheitssystem aus, ohne dass die Menschen gesünder würden, so Schubert. Er fordert deshalb eine Umkehr und eine neue Medizin.

Andreas Lück war von der ersten Stunde an als Helfer dabei.Bild vergrößern

Andreas Lück war von der ersten Stunde an als Helfer dabei. (Foto: Claudia Marsal)

„Bin ich akut an einer bakteriellen Infektion erkrankt, die mich vital bedroht, sind Antibiotika ein Segen. Bei chronischen Erkrankungen, die zumeist mit Lebensstil, Persönlichkeit und eigener Biografie zu tun haben, sehe ich die Veränderung psychosozialer Faktoren als entscheidend in der Behandlung an. Genau hier würde auch die Prävention dieser Erkrankungen ansetzen.“

Am Ende wurden im Publikum bunte Herzen geschwenkt.Bild vergrößern

Am Ende wurden im Publikum bunte Herzen geschwenkt. (Foto: Claudia Marsal)

Schubert ist überzeugt, dass wir gerade an der Schwelle einer technischen Revolution stehen, deren Wirkung auf die Entwicklung des Menschen und damit ganzer Gesellschaften noch gar nicht abgeschätzt werden kann: „Das macht KI für mich so faszinierend, aber auch gefährlich. Wären wir als Menschheit in unseren psychosozialen, moralisch-ethischen und kulturellen Bereichen so schnell gewachsen wie die technischen Errungenschaften, würde ich mir weniger Sorgen machen. Leider ist das nicht der Fall. Die Aufklärung vor mehr als 300 Jahren hat für das Gegenteil gesorgt, die Menschheit ist in nichtstofflichen, irrationalen und spirituellen Bereichen ihrer Existenz verarmt.“ Er hält einen Paradigmenwechsel für nötig.

Zahnarzt Falk Hoffert aus Templin hielt die Abschiedsrede.Bild vergrößern

Zahnarzt Falk Hoffert aus Templin hielt die Abschiedsrede. (Foto: Claudia Marsal)

„Ich spreche hier gerne von einer neuen Aufklärung, die das Geistige, Spirituelle, Soziale und Kulturelle wieder in den Mittelpunkt des Menschheitsinteresses rückt. Wenn es gut läuft, wird sie für ein kompromissbereiteres, gerechteres, ausgeglicheneres und liebevolleres Zusammenleben der Menschen sorgen und damit mit weniger Kriegen einhergehen“, so Schubert im Gespräch mit dem Nordkurier.