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Schluss mit perfekt inszeniert! 2026 wird mit Interior-Trends abgerechnet, die jahrelang Instagram-Feeds dominierten – und heute nur noch überstylt und seelenlos wirken. Mareike Schmidt ist Redakteurin bei myHOMEBOOK (gehört auch zu Axel Springer) und verrät, welche Interior-Trends sie in diesem Jahr nicht mehr sehen kann.
Bücherregal wird zur Deko-Bühne
Perfekt sortierte Bücher nach Farben, dazwischen drapierte Kerzen, Mini-Vasen und Design-Objekte? Das hat ausgedient. Noch schlimmer sind für mich sogenannte „Deko-Bücher“. Oder wenn man Bücher mit dem Rücken zur Wand stellt, nur damit der bunte Buchrücken das Farbkonzept nicht stört. Als studierte Literaturwissenschaftlerin trifft mich der Trend besonders. Nicht jeder muss an Literatur interessiert sein, aber wer kein Interesse hat, sollte auch dazu stehen und Bücher nicht als bloße Staffage nutzen.
Ein Regal soll zeigen, wer hier lebt – nicht, welcher Pinterest-Algorithmus zuletzt dominierte. 2026 gehe es um echte Lieblingsbücher, Gebrauchsspuren und auch mal Unordnung. Persönlichkeit statt Perfektion. Ein Regal ist kein Showroom, sondern ein stilles Selbstporträt. Es darf wachsen, sich verändern und Lücken haben.
Rundbogen passt nicht zur Architektur
Auch Rundbögen haben für mich ihren Reiz verloren. In den vergangenen Jahren waren sie überall: als Wanddurchbruch, Spiegel, Kopfteil oder Nische. Inspiriert von mediterraner Architektur oder Art-Déco-Anklängen wirkten sie zunächst weich und elegant.
Doch wenn im minimalistischen Neubau plötzlich ein künstlich eingezogener Torbogen auftaucht, kippt die Stimmung. Für mich hat dieser Interior-Trend 2026 daher ausgedient. Entscheidend ist die Frage, ob ein solches Element wirklich zu Grundriss, Bauweise und Materialität passt. Sonst bleibe der Rundbogen ein Fremdkörper. Authentizität schlägt reine Formspielerei.
Couchtisch wird zur Show-Fläche
Der Couchtisch als Bühne: drei Bildbände, eine Duftkerze, ein Steinobjekt. Was als lässig kuratiert galt, wirkt heute oft steril. Räume dürften wieder benutzt aussehen. Ein Glas Wasser, eine aktuelle Zeitung, ein begonnenes Notizbuch oder das Buch, das man gerade liest – das erzählt mehr als jedes perfekt abgestimmte Coffee-Table-Arrangement.
Bouclé verliert seinen Reiz
Bouclé war das Material der vergangenen paar Jahre. Sessel, Sofas, Hocker, Betten – alles flauschig, alles weich. Der Stoff brachte Wärme in minimalistische, eher sterile Einrichtungen. Inzwischen macht sich Materialmüdigkeit breit. Wenn Bouclé wahllos in jedem Raum auftaucht, verliert er seinen Reiz. Stattdessen gewinnen grobes Leinen, strukturierte Wolle, geöltes Holz oder Naturstein mit sichtbarer Maserung an Bedeutung. Weniger Trendstoff, mehr Materialehrlichkeit.
Künstlich erzeugte Patina verliert Reiz
„Used-Look“-Möbel, auf alt getrimmte Accessoires oder bewusst unperfekt gestrichene Wände sollten Geschichte erzählen. Stattdessen wurden massenhaft auf alt getrimmte Möbel produziert: Gebrauchsspuren waren standardisiert, Risse geplant, Farbabriebe maschinell erzeugt. Doch künstlich erzeugte Geschichte bleibt eben künstlich. Ein geerbtes Sideboard mit Kratzern oder ein Holztisch, der mit den Jahren dunkler wird, wirken dagegen authentisch. Denn Materialien dürfen von sich aus altern und müssen nicht künstlich auf alt gemacht werden.