In Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt endete an diesem Sonntag die „Kieler Woche“. Das nach Angaben der Veranstalter „größte Segelevent der Welt“ lockt jährlich mehrere Millionen Besucher in die Fördestadt. In diesem Jahr sorgte pünktlich zum großen Abschlusswochenende allerdings ein besonderer Gast für höchste Alarmbereitschaft in der Ostsee.

Wie die Zeitung „Kieler Nachrichten“ (KN) am Montagnachmittag berichtete, wurde ein russischer Flottenverband im Ostseeraum gesichtet – darunter auch die Edel-Jacht „Graceful“, die Medienberichten wie etwa dem „Forbes“-Magazin zufolge dem russischen Machthaber Wladimir Putin gehören soll. Eskortiert wurde das mehr als 80 Meter lange und 20 Meter breite Luxusschiff den KN zufolge von dem Kaliningrader Sicherungsschiff „Voevoda“ und dem russischen Zerstörer „Severomorsk“.

Den Angaben zufolge sollen die Flottenbewegungen bereits mitten in der „Kieler Woche“ begonnen haben. Am Sonntagmittag passierte der Verband schließlich den nördlichen Küstenabschnitt Kap Arkona vor Rügen und bewegte sich im gemächlichen Tempo von zwölf Knoten westwärts in Richtung dänische Gewässer.

Motoryacht GRACEFUL auf dem Nord-Ostsee-Kanal nach einem Umbau bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg. Die 2014 von Blohm & Voss abgelieferte 82 Meter lange Yacht soll dem russischen Präsidenten Vladimir Putin gehören. Es wird vermutet, dass die Yacht am 7.2.2022 überstürzt Hamburg in Richtung Russland verließ, da der Eigner beführchtete, die Yacht könnte im Rahmen eventueller Sanktionen gegen Russland wegen eines militärischen Angriffs auf die Ukraine beschlagnahmt werden. Copyright: xCarlxGrollx
Putin3006 Putins Jacht „Graceful“ im Nord-Ostsee-Kanal nach einem Umbau bei der Hamburger Werft Blohm & Voss.

© IMAGO/TheYachtPhoto.com/Carl Groll

Putins Jacht mit Netzen überzogen

Die Verbandfahrt versetzte die deutsche und dänische Marine demnach in Alarmbereitschaft und rief Schiffe der Bundespolizei und der Nato auf den Plan. Den KN zufolge waren von deutscher Seite aus die beiden Küstenwache-Schiffe „Bamberg“ und „Bad Bramstedt“ sowie der Marine-Tender „Rhein“ im Einsatz. Von dänischer Seite aus wurde der Verband demnach von mehreren Patrouillenbooten begleitet.

Nach Beobachtungen des KN-Reporters Frank Behling war die Jacht „Graceful“ in besonderem Maße geschützt. Demnach seien alle Decks und Außenflächen des Schiffs zum Schutz gegen Drohnen mit Netzen überzogen gewesen. Darüber hinaus seien Drohnenabwehranlagen am Mast und an den Aufbauten der Jacht installiert gewesen. Ein Sicherheitsexperte mutmaßte gegenüber den „Kieler Nachrichten“, dass die jüngste Verlegung solcher „prestigeträchtiger Schiffe aus der Ostsee (…) als Folge der ukrainischen Drohnenangriffe gesehen werden“ könnte.

Als Russlands Truppen am Morgen des 24. Februar 2022 die Ukraine überfielen, war Putins Edel-Jacht bereits seit zwei Wochen wieder im Schutze russischer Gewässer unterwegs. Schon am 7. Februar verließ die „Graceful“ damals überstürzt den Hamburger Hafen, wo sie in einer Werft eigentlich bis zum Sommer 2022 aufwendig hätte umgebaut werden sollen.

Im Eiltempo steuerte das Luxusschiff um Rügens Nordspitze herum den Hafen von Kaliningrad an. Etwa ein halbes Jahr nach Russlands Einmarsch ins Nachbarland wurde der Transponder der „Graceful“ schließlich mehreren Medienberichten zufolge abgeschaltet – bis es vor wenigen Tagen schließlich ein neues Signal gab.

Wohin fährt Putins Luxus-Jacht?

Die Recherche-Einheit „DR Verifier“ des dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders DR berichtete am Montag, dass der Flottenverband rund um die „Graceful“ in der Nacht von Sonntag auf Montag dänische Ostseegewässer passiert habe. Um Mitternacht erreichte die Gruppe demnach die Meerenge Großer Belt, passierte anschließend am frühen Montagmorgen die dänische Insel Anholt und bewegte sich dann weiter gen Dänemarks Nordspitze bei Skagen, wo die Nordsee beginnt.

Laut vesselfinder.com befand sich die „Voevoda“ am 30. Juni 2026 um 8:35 Uhr vor Norwegens Küste oberhalb von Dänemark.

© Screenshot www.vesselfinder.com

Nach Angaben des Schiffsortungsdienstes „Vesselfinder“ schickte das Sicherungsschiff „Voevoda“, das sich im Verbund mit der Jacht befinden soll, letztmalig am 30. Juni um 8:35 Uhr deutscher Zeit ein Signal. Zu diesem Zeitpunkt befand es sich bereits vor Norwegens Südwestküste nahe der sogenannten Jæren-Küste.

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Vom Schiffsverfolgungsdienst „Marine Traffic“ wurden außerdem Transpondersignale von Putins Jacht veröffentlicht. Zuletzt wurden am Montag, 29. Juni 2026, um 17:19 Uhr Koordinaten empfangen. Zu dieser Zeit befand sich das Schiff kurz hinter dem Skagerrak an der Nordspitze Dänemarks.

„Marine Traffic“ führt als Ziel der „Graceful“ den Hafen von Istanbul in der Türkei an, wo die Jacht am 12. Juli eintreffen soll. Ob Putins Prestigeobjekt aber tatsächlich die Stadt am Bosporus ansteuert, bleibt abzuwarten.