Gasbehälter mit Spiegelungen im Wasser bei Nacht

Der Füllstand von Europas Gasspeichern könnten zu Beginn der Heizsaison einen historisch niedrigen Wert erreichen.

(Bild: muratart / Shutterstock.com)

Die EU könnte mit nur 76 Prozent Speicherfüllung in den Winter starten – so wenig wie seit 2011 nicht. Höhere Heizkosten werden wahrscheinlicher.

Europa steuert auf eine angespannte Heizperiode zu. Laut dem Beratungsunternehmen Wood Mackenzie dürften die Gasspeicher der EU die Auffüllsaison im Oktober mit nur rund 76 Prozent Kapazität abschließen, was der niedrigste Wert seit mindestens 2011 wäre.

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Darüber berichtete jetzt die Financial Times. Laut dem FT-Bericht liegen die Speicher aktuell im EU-Schnitt bei gerade einmal 48 Prozent.

Die Ursachen liegen unter anderem im Konflikt zwischen den USA und Iran, der die LNG-Transporte durch die Straße von Hormus erheblich gestört hat. Durch diese Meerenge läuft im Normalfall ein Fünftel der weltweiten Lieferungen von Flüssiggas (LNG).

Gleichzeitig ist die Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten eingebrochen. Der Iran hatte als Reaktion auf die Angriffe der USA und Israels die Energieanlagen in der Region beschossen.

Paradox am Gasmarkt

Die europäischen Referenzpreise liegen bei rund 40 Euro pro Megawattstunde, was eigentlich ein gutes Zeichen ist, liegen sie doch weit unter dem Krisenrekord von 342 Euro/MWh aus dem Jahr 2022.

Aber genau dieses Preisniveau schafft ein Problem: Es ist zu niedrig, um zusätzliche LNG-Spotladungen aus den USA nach Europa zu locken. „Wir befinden uns in einer kritischen Phase des Sommers für Europas Gasbevorratungspläne“, sagte Natasha Fielding, Redaktionsleiterin für Gas und LNG bei Argus Media, gegenüber der FT .

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Analysten rechnen mit verschiedenen Szenarien

Goldman-Sachs-Analystin Samantha Dart beziffert den Speicherstand im besten Fall auf 74 Prozent – vorausgesetzt, Katars unbeschädigte Ras-Laffan-Anlagen erreichen bis Ende Juli volle Kapazität.

Verzögert sich das um einen Monat, könnten es nur 70 Prozent werden. Kommerzielle Spekulanten setzen an den Terminmärkten bereits auf steigende Winterpreise.

Die EU-Kommission zeigte sich im April noch gelassen: Die aktuellen Füllstände würfen „keine unmittelbaren Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit“ auf. Der Gasverbrauch in der EU sei schließlich um 17 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau gesunken.

Um den Preisdruck zu senken, empfiehlt Energiekommissar Dan Jørgensen den EU-Mitgliedstaaten, die Flexibilitätsklauseln der Gasspeicherverordnung zu nutzen und das Füllziel auf 80 Prozent zu senken, statt das regulatorisch weiter geltende Ziel von 90 Prozent anzustreben.

Für den deutschsprachigen Raum bedeutet die Lage vor allem höhere Hedging-Kosten und weniger Flexibilität bei der Beschaffung. Ab Januar 2027 will die EU zudem russisches LNG im Rahmen eines gestuften Verbots unterbinden – bisher macht es 14 Prozent der europäischen LNG-Importe aus.

Wood-Mackenzie-Direktor Tom Marzec-Manser warnt, dass „die Preise mit Beginn des Winters wieder steigen“ dürften und ein kalter Start ins Jahr 2027 erhebliche Risiken berge.