AP zählt mehr als 50 Angriffe auf russische Energieanlagen seit März

Die Angriffe des ukrainischen Militärs auf russische Energieanlagen machen sich zusehends bemerkbar. Die Nachrichtenagentur AP ermittelte in einer Zählung der seit März gemeldeten Fälle mehr als 50 Angriffe auf Ölraffinerien, Lager, Terminals und andere Energieinfrastruktur in Russland und auf der völkerrechtswidrig annektierten Krim. In vielen Fällen wurde eine Anlage mehrfach attackiert, so etwa eine Ölraffinerie in der Schwarzmeerstadt Tuapse, die Berichten zufolge viermal getroffen wurde.

Gary Peach, Ölmarktanalyst beim Fachinformationsdienst Energy Intelligence, sagte der AP, die Menge des im Juni von Russland zu Treibstoff verarbeiteten Rohöls sei im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel auf 3,95 Millionen Barrel pro Tag zurückgegangen. Das sei der niedrigste Wert in 20 Jahren. „Die Ausfälle sind außergewöhnlich.“ Die Produktion von Benzin etwa sei um 17 Prozent auf 850.000 Barrel täglich zurückgegangen, sagte Peach. Das liege weit unter dem Bedarf für den heimischen Markt.

Chris Weafer, Chef der Beratungsfirma Macro-Advisory, schätzt, dass etwa ein Drittel der russischen Ölraffineriekapazität außer Betrieb ist. Weil Raffinerien das Ausmaß der Schäden nicht öffentlich bestätigten, beruhe das aber auf anekdotischen Hinweisen und Quellen aus der Ölbranche, sagte Weafer. Die Ausfälle träfen Russland zu einem kritischen Zeitpunkt. Mit Beginn der landwirtschaftlichen Saison und insbesondere der Erntezeit steige die Nachfrage.