
Der Preis für eine Kugel Eis oder einen Espresso prägt oft stärker das Gefühl für das Preisniveau eines Urlaubslandes als offizielle Statistiken.
Getty Images/Tara Moore
Urlauber überschätzen Preisniveaus im Ausland oft, weil sie sich an auffälligen Produkten wie Eis, Espresso oder Sonnencreme orientieren.
Deutschland hat laut Analyse die günstigsten Eis- und Sonnencreme-Preise in Europa, während Skandinavien und Frankreich deutlich teurer sind.
Besonders Toplagen wie Ibiza, Capri, St. Tropez, Mykonos oder Sylt zeigen: Nicht nur das Land, sondern vor allem der Ort bestimmt den Urlaubspreis.
Urlauber täuschen sich systematisch bei der Einschätzung von Preisniveaus im Ausland. Die gefühlte Teuerung orientiert sich dabei meist an emotionalen Produkten wie Eis oder Espresso – nicht an statistisch korrekten Werten.
Man könnte auch sagen: Das menschliche Gehirn hat eine eingebaute Neigung zur Milchmädchenrechnung. Die Verhaltenspsychologie spricht von „psychologischen Ankern“: Produkte, deren Preise besonders stark im Gedächtnis bleiben und das Urteil über ein ganzes Land prägen.
Im Urlaub spielen genau solche Anker eine zentrale Rolle. Niemand erfasst statistisch korrekt alle Preise – stattdessen entscheidet die Kugel Eis am Strand über das Urteil „teuer“ oder „günstig“.
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Deutschland mit günstigsten Eis-Preisen in Europa
Das Reisevergleichsportal Omio untersuchte für 2025 die Preise an 75 beliebten Stränden Europas. Das Ergebnis: Deutschland schlägt alle anderen Länder mit 1,50 bis 2,00 Euro für die kleinste Portion.
In Skandinavien zahlen Urlauber dagegen mehr als vier Euro. Auch Frankreich liegt traditionell deutlich über deutschem Niveau.
Spanien, Italien und Griechenland bewegen sich im mittleren Segment. Doch die Toplagen überschreiten deutlich die Vier-Euro-Marke: Ibiza, Capri, St. Tropez und Mykonos verlangen jeweils mehr als vier Euro pro Portion.
Selbst Sylt erreicht in Deutschland mit 3,80 Euro einen nationalen Rekord. Das zeigt: Auch im günstigsten Land Europas treibt die Lage den Preis.
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Espresso spaltet Europa in drei Preisklassen
Beim Kaffee zeichnet das Reiseportal Travelbook für 2025 ein ähnliches Bild. Skandinavien führt die Tabelle an: In Dänemark kostet die kleine Tasse über 4,50 Euro.
Die meisten anderen Länder liegen zwischen zwei und drei Euro. Nur Italien und Kroatien unterbieten diese Spanne mit 1,87 beziehungsweise 1,95 Euro.
Sonnencreme: Größte Preisunterschiede in Europa
Bei Sonnenschutz zeigt sich der größte Preisabstand. Eine 200-Milliliter-Flasche kostet in Deutschland durchschnittlich 5,45 Euro – nirgendwo in Europa ist es günstiger. Vor allem der aggressive Wettbewerb der Discounterketten drückt die Preise. Frankreich verlangt dagegen 21,57 Euro – das Vierfache des deutschen Niveaus.
Wer nun von den Ankerprodukten abweichen und wirklich wissen will, wie teuer oder günstig es in seinem Urlaubsland im Vergleich mit Deutschland ist, sollte den Hotel- und Gaststätten-Index des Statistischen Bundesamts zu Rate ziehen. Deutschland erhält den Wert 100 als Basis.
Nordeuropäische Länder liegen darüber, Süd- und Osteuropa darunter. Das bestätigt die Einzelprodukte – allerdings mit wesentlich mehr statistischer Präzision als die gefühlte Inflation am Eisstand.
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