Darum geht’sRaye eröffnet heute Abend das 60. Montreux Jazz Festival.Sie schrieb Hits für Stars wie Beyoncé und Rihanna.Nach der Trennung von ihrem Label gelang ihr der internationale Durchbruch.«Escapism.» machte die Britin weltweit bekannt.Mit ihrem Debütalbum gewann Raye sechs Brit Awards.Raye hat auch Schweizer Wurzeln.
Sie schrieb Welthits – doch niemand kannte ihren Namen
Mit ihrem Auftritt zur Eröffnung des 60. Montreux Jazz Festivals steht Raye heute selbst im Rampenlicht. Bevor sie als Solokünstlerin durchstartete, war sie längst Teil der Pop-Elite – nur eben im Hintergrund. Die Britin schrieb Songs für Weltstars wie Beyoncé, Rihanna, David Guetta, John Legend, Ellie Goulding oder Charli XCX und lieferte auch als Feature-Stimme auf Dance-Hits ab.
Kaum jemand wusste damals, wer hinter all diesen Songs steckte. Während andere die grossen Erfolge feierten, wartete RAYE noch immer auf ihre eigene Chance.
Doch je erfolgreicher Raye für andere wurde, desto grösser wurde bei ihr selbst der Frust. Denn während ihre Songs um die Welt gingen, blieb ihr eigenes Debütalbum jahrelang in der Schublade.
Sie kämpfte gegen ihr eigenes Plattenlabel
Eigentlich hätte Raye schon viel früher ihr erstes Album herausbringen sollen. Bereits mit 17 Jahren unterschrieb sie bei Polydor einen Vertrag über vier Alben. Doch obwohl sie Hits schrieb und mit namhaften Künstlern zusammenarbeitete, verweigerte ihr das Label jahrelang ein Debütalbum. Stattdessen wurde sie immer wieder vertröstet und in eine kommerzielle Dance-Pop-Richtung gedrängt.
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2021 platzte ihr der Kragen. In einem emotionalen Beitrag auf X (damals Twitter) machte sie ihrem Frust öffentlich Luft: Seit Jahren sitze sie auf fertigen Songs und Alben, während ihre Musik in der Schublade verstaube. Der Beitrag sorgte international für Aufsehen und zeigte Wirkung. Kurz darauf durfte Raye den Vertrag auflösen und ihre Karriere als unabhängige Künstlerin neu starten.
Was wie ein Karriere-Risiko aussah, entpuppte sich als die beste Entscheidung ihres Lebens. Denn nur wenige Monate später gelang Raye der Durchbruch, auf den sie jahrelang hatte warten müssen.
Ausgerechnet als Independent-Künstlerin gelang ihr der Welthit
Nach der Trennung von ihrer Plattenfirma finanzierte Raye ihr Debütalbum «My 21st Century Blues» grösstenteils selbst. Die Entscheidung veränderte ihr Leben. Noch vor der Veröffentlichung des Albums erschien Ende 2022 die Single «Escapism.» mit Rapperin 070 Shake und entwickelte sich dank TikTok zum weltweiten Überraschungshit. Der Song stürmte auf Platz eins der britischen Charts und machte Raye über Nacht auch international bekannt.
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Mit ihrem ersten Album bewies die Britin endgültig, dass sie weit mehr ist als eine Songwriterin für andere. Die Mischung aus Pop, R&B, Soul, Jazz und Blues begeisterte Kritiker und Fans gleichermassen. Bei den Brit Awards 2024 gewann sie schliesslich gleich sechs Auszeichnungen und stellte damit gleich einen Rekord auf.
Doch hinter dem Erfolg steckt auch viel Schmerz. Der Erfolg kam nicht nur wegen ihrer aussergewöhnlichen Stimme. Raye überzeugte auch deshalb, weil sie in ihren Songs schonungslos ehrlich über die dunkelsten Kapitel ihres Lebens spricht.
Sie macht aus ihren dunkelsten Erfahrungen Musik
Raye macht aus ihren grössten Schmerzen Musik. Auf ihrem Debütalbum «My 21st Century Blues» spricht sie offen über psychische Gesundheit, Drogenkonsum und die Schattenseiten der Musikindustrie. Sie beschreibt, wie sie nach Jahren der Frustration zeitweise in eine gefährliche Abwärtsspirale geriet und Musik ihr dabei half, diese Zeit zu verarbeiten.
Besonders emotional ist der Song «Ice Cream Man». Darin verarbeitet Raye einen sexuellen Übergriff durch einen bekannten Produzenten. Sie bezeichnete das Lied selbst als das schwierigste ihrer Karriere. Eigentlich wolle sie es gar nicht singen, sagte sie – doch gerade weil sie so lange geschwiegen habe, wolle sie anderen Betroffenen eine Stimme geben.
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Trotz ihrer internationalen Karriere hat Raye einen Bezug zur Schweiz nie verloren. Im Gegenteil: Bei einem ihrer emotionalsten Konzerte spielte ihre Familie eine ganz besondere Rolle.
Ihr Grossvater stammt aus dem Appenzell
Raye wurde zwar in London geboren, ihre Mutter hat jedoch schweizerisch-ghanaische Wurzeln. Eine besondere Verbindung zur Schweiz hat die Sängerin über ihren Grossvater, der aus dem Appenzell stammt.
Heute kehrt sie bereits zum dritten Mal in Folge nach Montreux zurück und eröffnet mit einer eigens für das 60-Jahr-Jubiläum konzipierten Show das Festival. Festivaldirektor Mathieu Jaton gab der Britin dafür eine «Carte Blanche»: Gemeinsam mit hochkarätigen Gästen will sie Jazz, Soul, Blues und Pop feiern – mit Hits, Neuinterpretationen und bislang unveröffentlichten Kollaborationen.
Als sie 2024 am Montreux Jazz Festival auftrat, begrüsste sie das Publikum mit den Worten:
Der Auftritt wurde für Raye zu einem ganz besonderen Moment. Ihr Grossvater war eigens aus dem Appenzell angereist und sah seine Enkelin dort zum ersten Mal überhaupt live auf einer Konzertbühne. Auch weitere Familienmitglieder waren vor Ort. «Ich werde wohl vor Freude weinen», sagte RAYE damals sichtlich gerührt.

Die britische Sängerin Raye mit ihrem Appenzeller Grosspapi Hans.
Montreux Jazz Festival/Anoush Abrar