Wie viele Zivilisten durch US-israelische Operation gestorben sind, ist umstritten. Das Bombardement einer Mädchenschule erschüttert.
Er sei „zutiefst schockiert über die Auswirkungen der weitverbreiteten Feindseligkeiten auf Zivilisten und zivile Infrastruktur seit dem Ausbruch des Konflikts am Samstag“, ließ der Österreicher Volker Türk, UN-Hochkommissar für Menschenrechte, über eine Sprecherin wissen. Am Mittwoch gingen die Bombardements im Nahen Osten weiter, es war der fünfte Tag in Folge. Israel und die USA hatten den Iran angegriffen, der mit Luftschlägen auf Nachbarländer antwortete.
Fest steht, dass unter den Kampfhandlungen auch Zivilisten leiden. „Die Gesetze des Krieges sind eindeutig. Zivilpersonen und zivile Objekte sind geschützt. Alle Staaten und bewaffneten Gruppen müssen sich an diese Gesetze halten“, ließ Türk über seine Sprecherin ausrichten. Vor allem über die zivilen Opferzahlen im Iran gibt es allerdings derzeit wenig Klarheit.
Das iranische Regime kontrolliert die Internetverbindungen des Landes, was an Nachrichten aus dem Land dringt, ist nur schwer zu verifizieren. Mehrere NGOs versuchen aber, die Todeszahlen zu dokumentieren und publizieren diese – mit unterschiedlichen Ergebnissen.
So gab der Rote Halbmond im Iran nach drei Tagen bekannt, laut seinen Aufzeichnungen seien bisher 555 Menschen gestorben. Am Mittwoch wurde die Zahl auf 787 erhöht. Wie viele davon als Zivilisten und wie viele als Militärs gezählt worden, geht daraus nicht hervor. Die in den USA ansässige NGO „Human Rights Activists News Agency“ wiederum schreibt, in den ersten vier Tagen der Angriffe seien 1097 Zivilisten ums Leben gekommen. Den Tod von weiteren 880 verifiziere man gerade.
Die norwegische NGO Hengaw wiederum rechnet mit bisher 1500 Toten in den ersten drei Tagen. Die verschiedenen Darstellungen finden sich in mehreren Medienberichten. Dabei macht die norwegische NGO aber eine Unterscheidung: Ihr zufolge seien 1300 der 1500 Toten der ersten drei Tage „Mitglieder von Irans militärischen Streitkräften“.
Damit wären im selben Zeitraum rund 200 Zivilisten durch die Luftschläge gestorben. Gleichzeitig wirft Hengaw dem Roten Halbmond im Iran vor, mit seiner niedrigen Gesamtschätzung der Toten „Teil einer bewussten Strategie der Unterschätzung und Verschleierung durch die Behörden“ zu sein. Alle Berichterstatter gehen davon aus, dass die zivilen Opferzahlen steigen werden.
Über Videoaufnahmen verifiziert ist mittlerweile, dass am Samstag eine Mädchenschule in der Stadt Minab, südlich von Teheran getroffen wurde. Sie grenzt an einen Komplex der iranischen Revolutionsgarden, der am selben Tag bombardiert wurde. Bis zum Jahr 2013 war das Gebäude, in dem die Schule untergebracht war, mit dem militärischen Teil verbunden. Erst später wurde es baulich abgetrennt.
Mehr als 160 Kinder sind laut iranischen Staatsmedien in der Schule gestorben. Wer für den Angriff verantwortlich ist, war am Mittwoch nicht geklärt. US-Außenminister Marco Rubio sagte, die US-Streitkräfte würden „nicht absichtlich eine Schule anvisieren“. Das US-Kriegsministerium befasse sich mit dem Vorfall. Das UNO-Büro für Menschenrechte forderte die Untersuchung der Bombardierung der Mädchenschule. Der israelische Botschafter bei den UN, Danny Danon, sagte, die Schule könnte auch von Irans Revolutionsgarden getroffen worden sein.
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