Das wurde aber auch Zeit! Seit 80 Jahren gibt es die Bregenzer Festspiele, und ebenso lange dauerte es, bis eine der beliebtesten und meistgespielten Opern der Welt, „La Traviata“ von Giuseppe Verdi, auf der Seebühne Premiere hat. Aber nun ist es so weit. Sehr zur Freude aller, die rechtzeitig Karten gekauft haben. Denn nicht nur die Premiere am 22. Juli, mit der die Festspiele eröffnen, auch alle anderen Vorstellungen sind längst ausverkauft. Die Leitungen seien zusammengebrochen, erzählt Intendantin Lilli Paasikivi, so groß sei die Nachfrage gewesen.
Für die finnische Opernsängerin mit Managementerfahrung, die im vergangenen Jahr die Intendanz der Bregenzer Festspiele übernahm, ist es die erste Seebühnen-Neuproduktion. Allein für die 28 „Traviata“-Vorstellungen müssten bei mehr als 6700 Sitzplätzen an der Seebühne mehr als 180 000 Karten verkauft worden sein. Insgesamt werden für die etwas mehr als vierwöchigen Festspiele etwa 250 000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Und doch haben die Veranstalter ihre liebe Not mit dem Geld. Im vergangenen Jahr wurden die Festspiele von Subventionskürzungen überrascht, die über zwei Jahre ein Minus von 4,2 Millionen Euro ausmachen. Vom Jahresbudget mit 25 Millionen Euro muss die GmbH etwa 80 Prozent selbst erwirtschaften.
Nicht nur hinter den Zuschauern ist bei den Bregenzer Festspiele visuell etwas geboten. Auch die Aufbauten auf der Seebühne (hier der Aufbau von „La Traviata” Mitte Mai) sind immer spektakulär. Kristina Becker
Da helfen eine populäre Oper und spektakuläre Bilder. Die ersten Fotos von der Seebühne von Paolo Fantin sind recht beeindruckend: Wie ein zerborstener Spiegel türmt sich eine 700 Quadratmeter große Wand, die aus 86 in Einzelstücke zerbrochenen Elementen besteht, 28 Meter hoch über der Seebühne auf. Symbol für die zerbrochene Gesellschaft inmitten einer glitzernden Fassade, in der die unglückliche Liebe zwischen Violetta und Alfredo spielt.
Wer auf die „Traviata“ auf der Seebühne verzichten muss, kann sich vielleicht mit einer der In-House-Lösungen trösten: Im Festspielhaus wird die Oper „Die Ausflüge des Herrn Brouček“ von Janáček gegeben (Premiere 23. Juli). Oper, experimentelle Musik, Schauspiel, Kammermusik und Orchesterkonzerte an verschiedenen Spielstätten stehen wie immer auch auf dem Programm. Unter anderem dirigiert Petr Popelka die Wiener Symphoniker. Eine Gelegenheit, sich den zukünftigen Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper anzuhören. 2029 tritt er sein Amt in München an.
Chorprobe „Singalong am See 26“ bei den Bregenzer Festspielen, die im Mai noch im Festspielhaus stattfanden. Anja Koehler
Zum 80. Bestehen haben sich die Bregenzer Festspiele zudem etwas Besonderes überlegt. Beim „Singalong“ am 1. August werden Singbegeisterte von nah und fern gemeinsam berühmte Opernchöre anstimmen. Unter der Leitung von Steven Moore und begleitet von verschiedensten Orchestermusikern und Chorsängern werden die Tribünen am See selbst zum Klangkörper. Inzwischen sind es bereits 6300 Sängerinnen und Sänger, damit scheinen die Kapazitäten weitgehend ausgeschöpft. Und auch wer das Spektakel als Zuhörer erleben will, muss sich beeilen. Es gibt nur noch sehr wenige Karten.
Wer übrigens ein wenig in der Geschichte der 80-jährigen Festspiele schwelgen will, hat dazu bereits jetzt und bis zum Ende der Festspiele entlang der Bregenzer Seepromenade Gelegenheit. Dort ist eine Fotoausstellung mit großformatigen Bildern aufgebaut, die zu einer Reise durch die Festspielgeschichte einlädt.
Bregenzer Festspiele, 22. Juli bis 23. August, Infos unter bregenzerfestspiele.com