Der zweite Kinofilm aus dem neuen DC-Universum entpuppte sich am Wochenende als finanzielle Enttäuschung und blieb mit 68 Millionen US-Dollar Einspiel selbst hinter den konservativsten Prognosen zurück. Noch ist das Schicksal des Comic-Blockbusters nicht besiegelt, aber die Hochrechnungen geben wenig Grund zur Hoffnung.

So steht es um Supergirl an den Kinokassen

Wenn der Film den gängigen Box-Office-Mustern folgt, wird es der Produktion nicht gelingen, schwarze Zahlen an den Kinokassen zu schreiben. Das Branchenblatt Deadline  hat sich bei seinen Quellen umgehört und herausgefunden, dass der Film bis zu 125 Millionen US-Dollar Verlust einfahren könnte.

Auch Variety  hat einen ausführlichen Bericht veröffentlicht, der sich mit der Performance von Supergirl beschäftigt. 100 bis 120 Millionen US-Dollar werden hier als Verlustspanne aufgelistet. Aus Insider-Kreisen ist eine Zahl zu vernehmen, die eher Richtung 80 bis 85 Millionen US-Dollar geht – so oder so ein Minusgeschäft.

Bei einem Blockbuster dieser Größenordnung geht man in der Regel davon aus, dass er das Zwei- bis Dreifache seiner Produktionskosten einspielen muss, um profitabel zu werden. Grund dafür ist, dass auf das Budget meist ähnlich hohe Marketing-Kosten kommen und die Einnahmen zur Hälfte mit den Kinos geteilt werden.

Das Budget von Supergirl wird aktuell je nach Quelle auf einen Betrag zwischen 170 und 185 Millionen US-Dollar geschätzt. Dazu kommen Marketing-Kosten von 120 Millionen US-Dollar. Variety beruft sich zudem auf Prognosen, dass der Film am Ende seines Laufs weltweit auf Einnahmen von 200 bis 210 Millionen US-Dollar kommt.

Selbst wenn sich Supergirl dank Mundpropaganda als Kinotipp herumspricht und an seinem zweiten Wochenende keinen allzu großen Einbruch erlebt, wird der Film im Kino keine Erfolgsgeschichte mehr. Als Katalogtitel für HBO Max könnte das actiongeladene Sci-Fi-Abenteuer in seinem Heimkinoleben trotzdem wertvoll sein.

Clayface könnte die Supergirl-Niederlage abfedern

Produzent Peter Safran, der mit Regisseur James Gunn das neue DC-Universum für Warner aufbaut, hat bereits durchblicken lassen, dass der Supergirl-Flop allein das Franchise nicht ins Wanken bringt. Vielmehr verfolgen die beiden eine langfristige Strategie, zu der als Nächstes ein ungewöhnlicher Film gehört: Clayface.

Clayface wurde mit einem Budget von nur 40 Millionen US-Dollar vergleichsweise günstig produziert. Die Gewinnschwelle kann hier deutlich schneller erreicht werden. Sollte der Film sehr erfolgreich werden, könnte er sogar einen schwächeren Titel wie Supergirl auffangen. Die Chancen stehen auf den ersten Blick nicht schlecht.

Bei Clayface haben wir es mit einer Antiheldengeschichte zu tun, die sich mehr wie ein Horrorfilm anfühlt. Mit dem Start im Oktober erscheint der Spuk zum perfekten Zeitpunkt, um geneigten Fans einen Schauer über den Rücken zu jagen. Wenn der Film geschickt vermarktet wird, durchbricht er womöglich sogar die Comic-Schallmauer.

Kaum ein anderes Genre hat in den vergangenen Jahren dermaßen verlässlich Hypes generiert und sich als sichere Bank erwiesen wie Horror. Backrooms und Obsession sind aktuell zwei hervorragende Beispiele dafür. Sollte Clayface ein ähnliches Momentum auf seiner Seite haben, könnte ein Überraschungshit folgen.

Bereits der im April veröffentlichte Teaser-Trailer fühlte sich kaum wie eine klassische Comicverfilmung an. Stattdessen lehnte sich die Vorschau in den Body-Horror, der von seiner lehmigen Hauptfigur ausgeht – eine Figur, die wir noch nie im Live-Action-Gewand auf der Leinwand gesehen haben. Auch das könnte für Neugier sorgen.