Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees (ROC) vorläufig aufgehoben. Zugleich teilte das IOC mit, dass seine bisherigen Empfehlungen an die Fachverbände zur Teilnahme russischer Athletinnen und Athleten in internationalen Wettbewerben nicht mehr gelten.
Die einschlägigen Anti-Doping-Vorgaben für russische Athletinnen und
Athleten in internationalen Wettbewerben sollen dagegen verbindlich bleiben. Jeder russische Athlet muss sich damit mehreren Tests unterziehen, bevor er wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf.
Bei den Spielen in Paris 2024 und bei den Winterspielen in Milano-Cortina im Frühjahr durften Sportler aus Russland und Belarus nur unter neutraler Flagge antreten.
Athleten, die Verbindungen zur Armee und Sicherheitsorganen hatten oder
den russischen Krieg gegen die Ukraine aktiv unterstützten, erhielten
keine Startberechtigung.
Belarus schon im Mai wieder zugelassen
Nach der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 und der Unterstützung durch Belarus empfahl das IOC zunächst, Athletinnen und Athleten sowie Funktionäre aus beiden Ländern von internationalen Wettbewerben auszuschließen. Im Herbst 2023 suspendierte das IOC das Russische Olympische Komitee, nachdem das ROC vier von Russland annektierte ukrainische Gebiete aufgenommen hatte. Belarus ließ das IOC im vergangenen Mai wieder vollständig zu.
Offen blieb nach Angaben des IOC, ob bei den Olympischen Spielen künftig die
russische Flagge, Hymne oder Farben gezeigt werden dürfen. Eine
Entscheidung dazu sei noch nicht gefallen.
IOC nennt Beschluss »folgerichtig«
Zugleich teilte das IOC mit, es werde keine Veranstaltungen in Russland organisieren und zu seinen Veranstaltungen keine russischen Regierungs- oder Staatsvertreter einladen.
IOC-Präsidentin Kirsty Coventry verwies auf die IOC-Vollversammlung Ende Juni, bei der das Gremium die Neutralität des Sports betont hatte. Der Schritt vom Dienstag sei vor diesem Hintergrund folgerichtig, sagte Coventry. Ziel sei, dass alle Athletinnen und Athleten grundsätzlich an Olympischen Spielen teilnehmen können, ohne für das Handeln ihrer Regierung verantwortlich gemacht zu werden.
© Lea Dohle
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Zugleich habe das IOC »unmissverständlich
klargestellt«, dass es keinerlei Gewalt oder Kriegshandlungen weltweit
gutheiße. »Und an dieser Haltung werden wir festhalten.«
Russland begrüßt Entscheidung
Russlands Sportminister Michail Degtjarjow wertete die IOC-Entscheidung als Signal für eine Rückkehr in den Weltsport. Der Schritt ebne den Weg für eine vollständige Rückkehr russischer Athleten auf die internationale Bühne, sagte Degtjarjow. Es sei ein »grünes Licht« für internationale Fachverbände, alle russischen Athleten wieder zuzulassen.
Der ukrainische Skeletonfahrer Vladyslav Heraskevych forderte von seinem nationalen Sportverband, sich gegen die vorläufige Aufhebung der Suspendierung Russlands durch das IOC zu wehren. Die Entscheidung des IOC sei »absolut beschämend« und berge die Gefahr, Russland eine Plattform für Propaganda zu bieten. »Ich glaube, wir sollten gemeinsam mit anderen Nationalen Olympischen Komitees und anderen Nationen eine klare Haltung gegen diese Entscheidung einnehmen«, sagte Heraskevych.
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