Um welches Auto geht es?
Der GTI war von Anfang an eine feine Rebellion gegen das Establishment. Von subversiven VW-Ingenieuren zunächst ohne das Wissen der Chefs entwickelt, setzte die Serienversion ab 1976 den demokratischen Gedanken in die Autowelt, dass ein Kompakter auch mal einen Sportwagen abziehen kann – wenn der Fahrer an der Ampel gedankenschnell oder auf der Landstraße geschickt ist, vielleicht ja sogar einen 911er. Damit hatte der Golf GTI ein sportliches Segment außerhalb der elitären Sportwagenwelt initiiert. Renault, Ford, Lancia und im Laufe der Zeit alle Marken, die fahrdynamisch etwas auf sich hielten, nahmen einen Hot Hatch, also einen sportlichen Hatchback, ins Portfolio.
Kurioserweise feiert der Golf seinen 50er trotzdem einsam. Die gloriosen Kollegen vom Renault Megane RS über den Ford Focus ST bis zum Honda Civic Type R und Hyundai i30 N – alle sind sie schon abgetreten, haben vor den CO2-Regulatorien der EU kapituliert. Man wird sie nie vergessen, jeden auf seine Art. Als Sparringpartner für eine Partyrunde bietet sich der Toyota GR Yaris an, sportlich natürlich auf Augenhöhe, als Allradler aber eine andere Story, formal eine Klasse darunter im B-Segment angesiedelt, und inzwischen ziemlich teuer. Auch Mercedes-AMG A 45 S und Audi RS 3 sind auf kostspieligeren Premiumtickets, der Hyundai Ioniq 5 N im Elektro-Fach.
Als Hot Hatch im klassischen Sinne macht sich der Jubilar nur noch selbst Konkurrenz, mit dem normalen GTI, dem GTI Falco Edition und dem GTI Clubsport gibt es gleich mehrere Varianten. Zur Feier des Jubiläums hat Ihnen VW jetzt das Partymodell Edition 50 zur Seite gestellt. Es ist alles andere als ein Anstandsgeschenk an die Fans, es ist ein Golf GTI, der den 50er nicht nur in der Form seines Lebens feiert, sondern auch ein bisschen wilder als man es ihm zugetraut hätte. Das impliziert eine Bestellung mit GTI-Performance-Paket, ein Must-have für das volle Partyerlebnis.
Der ganzen Partyplanung liegt die Idee zugrunde, an den Ort zurückzukehren, an dem alles begann. Als Pacecar auf dem Nürburgring drehte der Golf GTi vor seinem Serienstart die ersten Runden in der Öffentlichkeit. Die Edition 50 erinnert daran nicht mit Plaketten auf der B-Säule, sondern mit dem Ziel, das schnellste frontgetriebene
Serienmodell auf der Nürburgring-Nordschleife zu werden. Das Auto wurde mit Rennstrecken-DNA so weiterentwickelt, dass Test- und Entwicklungsfahrer Benjamin Leuchter den Rundkurs in 7:44,523 Minuten umrunden konnte – drei Sekunden schneller als der GTI Clubsport und drei Zehntel schneller als der Civic Type R. Dieser Teil der Party ist also schon mal gelungen. Was das für unseren eigenen Partyspaß bedeute, klärt der Test.
Wie schaut er aus?
Der Jubilar scheint in Gucci zu feiern, jedenfalls erinnert das satte Grün in Kombination mit den roten Akzenten an die Farben der florentinischen Modemarke. Die je nach Lichteinfall ganz unterschiedlich aussehende Lackierung gibt es nur für die 50er-Edition. Die Stoßfänger haben die GTI Clubsport-Optik, bei ihnen fällt der unschön glänzende schwarze Kunststoff kaum auf. Die mit Performance-Paket nochmal leichteren 19-Zoll-Schmiederäder werden mit rotem Lack überzogen, was ein bisschen viel des Guten ist – aber, keine Angst, das ist optional. Weil sich die Nabenkappe nicht mitdreht, ist das GTI-Zeichen in der Radmitte auch während der Fahrt lesbar (siehe Beweisfotos in dieser Geschichte). Die Edition 50 ist mit Performance-Paket auch noch mal fünf Millimeter tiefergelegt als der schon tiefere Clubsport – was aber nicht so wirkt, weil die Felgen eben nur 19-Zoll-Größe haben, eine reine Performance-Entscheidung, Eitelkeit wäre hier fehl am Platz. Ebenfalls Teil des Performance-Pakets ist die schöne, schlichte Titan-Abgasanlage von Akrapovič.