
Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) geht trotz der dreijährigen Produktionspause davon aus, dass der Dresdner „Tatort“ und der Magdeburger „Polizeiruf 110“ anschließend fortgesetzt werden. Intendant Ralf Ludwig bekräftigt dieses Ziel. In der Produktionsbranche wächst dennoch die Sorge vor dauerhaften Schäden für die Filmwirtschaft in Mitteldeutschland und die damit verbundenen Arbeitsplätze.
MDR rechnet mit Rückkehr der Krimireihen
Der MDR hält an seinen beiden erfolgreichen Krimiformaten fest. Intendant Ralf Ludwig sagte einem Bericht der Sächsischen Zeitung zufolge, der Sender habe „große Hoffnung“, die Produktion des Dresdner „Tatort“ und des Magdeburger „Polizeiruf 110“ nach der dreijährigen Unterbrechung wieder aufzunehmen. Unklar sei lediglich, ob die bisherigen Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Rollen dann erneut übernehmen könnten. Der MDR hatte die Drehpause im Mai mit den Folgen der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags begründet.
20 Millionen Euro Einsparung, neuer YouTube-Kanal
Nach Angaben von Programmdirektor Boris Lochthofen spart der MDR durch die dreijährige Produktionspause rund 20 Millionen Euro. Das entspreche etwa den Kosten eines Jahres der täglichen Nachrichtensendung „MDR aktuell“. Gleichzeitig setzt der Sender seinen digitalen Umbau fort. So soll zum 1. Januar 2028, möglicherweise auch früher, ein eigener YouTube-Kanal mit Reportagen aus Mitteldeutschland starten. Finanziert wird das Angebot aus den frei werdenden Mitteln. Die Federführung übernimmt das Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt.
Produzenten sehen erhebliche Risiken für den Standort
Während der MDR von einer Fortsetzung der Krimireihen ausgeht, warnen Vertreter der Filmbranche vor den Folgen einer dreijährigen Unterbrechung. Die Produktionsallianz bezeichnete die Entscheidung als schweres Signal für die deutsche Produktionslandschaft. Sascha Schwingel, Geschäftsführer der UFA, erklärte, Produktionsstrukturen ließen sich nicht einfach über Jahre stilllegen und anschließend wieder aufbauen. Zugleich verwies er darauf, dass der Magdeburger „Polizeiruf 110“ zu den wenigen fiktionalen Formaten gehöre, in denen ostdeutsche Lebenswirklichkeit erzählt werde. Er forderte deshalb verlässliche Perspektiven.
UFA Mitte erhielt Auftrag erst kurz vorm Sparbeschluss
Besonders überraschend kam die Entscheidung für UFA Mitte, die jüngste Unit der UFA-Gruppe mit Sitz in Leipzig. Das Unternehmen hatte den Zuschlag für die Produktion des Magdeburger „Polizeiruf 110“ erst kurz vor Bekanntwerden der Sparpläne erhalten. Nach Angaben des MDR werden die bereits beauftragten Filme noch produziert. Dazu gehört auch der erste „Polizeiruf 110“ von UFA Mitte mit dem Arbeitstitel „Hilferuf“. Anschließend beginnt die dreijährige Produktionspause. Damit stehen neue Aufträge für die Reihe zunächst nicht in Aussicht.
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100726 MDR Zukunft Krimireihen: MDR / Kirsten Nijhof