Laut Wöginger habe ihn der Ortschef in seiner Abgeordneten-Sprechstunde aufgesucht und um Unterstützung bei seiner Bewerbung gebeten. Er will aber nur die Bewerbungsunterlagen des Mannes an den damaligen Generalsekretär im Finanzministerium, Thomas Schmid, „zur Prüfung“ weitergeleitet haben. Ein Chatverlauf zeigt, dass Schmid zumindest versucht hat, auf ein Mitglied der Hearingkommission Einfluss zu nehmen.
Heute unterlegene Bewerberin als Zeugin
Die erste Zeugin am Donnerstag ist Christa Scharf, die unterlegene Bewerberin um den Vorstandsposten im Finanzamt Braunau. Die langjährige Finanzbeamtin, die das Finanzamt ab 1. Oktober 2016 interimistisch – und auch davor schon mehrere Monate faktisch alleinverantwortlich – geführt hatte, wurde im Hearing schlechter bewertet als ein anderer Bewerber, ein ÖVP-Bürgermeister. Im April 2021 stellte das Bundesverwaltungsgericht fest, dass Scharf die am besten geeignete Kandidatin und „erheblich höher“ qualifiziert war als der Bürgermeister, und sprach ihr eine Entschädigung wegen Diskriminierung zu.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) geht in ihrer Anklage davon aus, dass der Ortschef aus parteipolitischen Motiven bevorzugt wurde. Die neben Wöginger angeklagten Mitglieder der Hearing-Kommission sowie die Verteidiger vertraten im Prozess die Ansicht, dass ihre Präsentation einfach schwach gewesen sei, sie sei nervös gewesen, habe ein Blackout gehabt. Scharf sagte vor Prozessbeginn, sie hoffe in ihrer Aussage einiges zurechtrücken zu können. Ihr gehe es um die Aufarbeitung, nicht um Entschädigung. Als den Angeklagten zu Beginn des Prozesses eine Diversion angeboten worden war, sei sie „sehr enttäuscht“ gewesen.