Haris Tabakovic hat seinen Traum nicht aufgegeben, auch nicht, als ihm das Schicksal diesen vermiesen wollte. Er zog sich im letzten Saisonspiel, in dem Borussia Mönchengladbach auf die TSG Hoffenheim traf und 4:0 siegte, einen Mittelfußbruch zu. Doch er flog mit Bosnien-Herzegowina zur WM, kämpfte für das Comeback – und kam im Sechzehntelfinale gegen die USA 15 Minuten zum Einsatz.

Die Geschichte endete mit Tränen, weil die Bosnier 0:2 unterlagen, doch nachher schrieb Tabakovic bei Instagram: „Der Traum hat sich erfüllt. Er ist eine Erinnerung fürs Leben.“ Zig Borussen reagierten mit einem „Gefällt mir“. So ist es auch jetzt, da sein neuer Klub feststeht: Wie spekuliert, wechselt Tabakovic von der TSG Hoffenheim zu RB Salzburg.

Hoffenheim zahlte 2024 drei Millionen Euro, als Tabakovic von Hertha BSC kam. Damit erwirtschaftet die TSG einen Transferüberschuss beim Mittelstürmer. Salzburg überweist fünf Millionen Euro. Tabakovic bekommt einen Vertrag bis 2029 und die Rückennummer 9. Für ihn ist es nach Austria Lustenau (2020 bis 2022) und Austria Wien (2022 bis 2023) der dritte Klub in Österreich.

„Wir haben nach einem klaren Profil für unser Sturmzentrum gesucht, einem Spieler, der uns sofort weiterhilft, Körpergröße sowie Persönlichkeit besitzt und weiß, wo das Tor steht. Haris bringt genau diese Komponenten mit. Er hat bei seinen Stationen konstant getroffen und kennt zudem die österreichische Liga bestens. Mit seiner Führungsqualität, Erfahrung und Physis wird er unserer jungen Mannschaft wichtige Impulse geben“, wird Marcus Mann, Geschäftsführer Sport bei RB, zitiert.

„Die Vorfreude auf meine neue Aufgabe beim FC Red Bull Salzburg ist nach den tollen Gesprächen sehr groß. Ich blicke mit viel Dankbarkeit auf meine Zeit in Deutschland zurück, freue mich nun aber enorm auf die neue Herausforderung in Salzburg. Ich hatte von Anfang an ein sehr gutes Gefühl, weil sich der ganze Klub wirklich sehr um mich bemüht hat“, sagt Tabakovic

Auch Borussia hatte bei der TSG angefragt, wie die Konditionen wären, den in der vergangenen Saison ausgeliehenen Torjäger zu verpflichten. Daraus wurde nichts.

„Haris ist in einem gewissen Alter. Er hat einen Vertrag in Hoffenheim und dort ein sehr gutes Salär bezogen. Bei uns kommt Tim Kleindienst zurück, mit dem wir als Stammstürmer planen. Mit beiden zu spielen, sehen wir eher kritischer. Und da mussten wir abwägen: Wie viel Geld wollen wir investieren, um diesen Spieler zu bekommen? Bei dem man auch weiß, dass man als Klub dieses Investment vielleicht nicht mehr zurückbekommt“, erklärte Gladbachs Sportchef Rouven Schröder.

Borussia hat wirtschaftliche Rahmenbedingungen, in denen die Wertsteigerung von Spielern eine notwendige Rolle spielt. Ein 32 Jahre alter Stürmer ist, was das angeht, keine Option. Schröder holte stattdessen den Schweden Isac Lidberg vom Zweitligisten Darmstadt 98. Der ist 27 und kostete 3,5 Millionen Euro.

Tabakovic in Salzburg: „Passt perfekt zusammen“

Für Tabakovic wären fünf Millionen Euro fällig geworden. RB Salzburg ist bereit, das zu zahlen. Es ist ein bemerkenswerter Transfer, schließlich gaben die Salzburger erst viermal überhaupt Geld und nie mehr als 1,5 Millionen Euro für einen Spieler jenseits der 30 aus. Darunter ist ein weiterer Ex-Borusse: Janis Blaswich kam 2024 für die Leihgebühr von RB Leipzig. Tabakovic wäre somit in diesem Segment ein Rekordtransfer des Klubs.

Die Salzburger brechen an der Stelle durchaus mit der eigenen Philosophie. Statt in Potenzial-Spieler zu investieren, soll das Geld nun in Tore gesteckt werden. Der Anlass: Der Klub, der früher Österreichs Bundesliga dominierte, ist seit drei Jahren ohne Meisterschaft.

„Ich bin hungrig auf Erfolge. Und auch der FC Red Bull Salzburg steht für große Ambitionen – das passt perfekt zusammen“, sagt Tabakovic. Während er in Gladbach eigentlich als Back-up für Tim Kleindienst geholt wurde und dann alle Erwartungen übertraf, hätte er nun einen klaren Auftrag: RB wieder nach vorn zu schießen.

Tabakovic’ Taten in Gladbach dürften ein guter Grund sein für die Salzburger Entscheidung. 3:11 Minuten dauert das Torvideo, mit dem sich Borussia beim Torjäger dafür bedankt, dass er mit seinen 13 Bundesliga-Toren wesentlich dazu beitrug, dass eine problematische Saison keine katastrophale wurde. Klublegende Patrick Herrmann nannte ihn „unsere Lebensversicherung“. Er schoss 30 Prozent aller Tore, ohne seine Treffer wäre Gladbach womöglich abgestiegen. Sein 1:0-Siegtor gegen Borussia Dortmund am 32. Spieltag wischte endgültig alle Abstiegssorgen weg.

Messi, Kane, Ronaldo, Oyarzabal zeigen: Qualität zählt, nicht Alter

Auch die Weltmeisterschaft in den USA kann als Beleg herhalten für RB, dass sich ein solcher Transfer lohnen kann. Denn das Weltturnier belegt erstens, dass Top-Torjäger eminent wichtig sind. Siehe Erling Haaland bei Norwegen, Lionel Messi bei Argentinien oder Harry Kane bei England. Messi und Kane zeigen zudem, dass es bei Torjägern nicht um die Zahl im Pass, sondern um die Zahl in der Torjägerliste geht, Messi ist 39, Kane 32. Zudem: Spaniens bester Schütze Mikel Oyarzabal ist 29.

Auch Gladbach setzt darauf, wenngleich Tabakovic nicht geholt wurde. Kleindienst, der nach seiner Knieverletzung, die ihn die vergangene Spielzeit und wohl den WM-Traum kostete, ist wieder als Chef-Torjäger eingeplant. Er wird am 31. August 31.