Zweithöchste Abgabe Europas
Wien erhöht Touristensteuer deutlich
12.07.2026 – 13:02 UhrLesedauer: 2 Min.
Widerstand in der Hotellerie: Wiens Hotelvereinigung bekämpft die Steuerpläne der Stadtregierung und warnt vor einem Einbruch der Gästezahlen. (Quelle: Copyright: xDreamstimexDziewulx )
Vorlesen
Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00
1x
Jetzt neu bei t-online:
Schriftgröße anpassen!
Artikel teilen
Die Gästezahlen steigen – und die Abgaben auch. Während Hoteliers vor einem Attraktivitätsverlust Wiens warnen, verteidigt die Stadt ihre hohe Steuer als notwendige Investition.
Die österreichische Hauptstadt Wien zieht immer mehr Touristen an. Zwischen 2005 und 2025 stieg die Zahl der jährlichen Übernachtungen von 8,8 auf 20,1 Millionen. Diesen Erfolg nutzt die sozialdemokratisch-liberale Stadtverwaltung finanziell aus: Seit Juli ist die als Ortstaxe bekannte Touristenabgabe von 3,2 auf fünf Prozent gestiegen. Im Juli kommenden Jahres soll sie auf acht Prozent steigen.
Hotelverband warnt vor Verlusten
Die Tourismusbranche kritisiert den Beschluss scharf. Denn damit verlangt Wien künftig die zweithöchste Touristensteuer in Europa. Nur Amsterdam liegt mit 12,5 Prozent noch höher. Martin Stanits, Sprecher der Österreichischen Hotelvereinigung (ÖHV), warnt: „Die Kuh, die man melken will, zu schlachten, ist nie eine gute Idee.“
Wien schneide sich ein großes Stück von der Kuh ab und hinterlasse eine gefährliche Wunde. Die Hotels kämpften ohnehin bereits mit hohen Steuern und steigenden Kosten für Energie, Löhne und Lebensmittel. Die Stadtregierung unterschätze die Bedeutung des Tourismus.
Konkurrenz durch Bratislava
Auch die Reisebüros teilen diese Sorgen. Neben der Ortstaxe stößt ihnen vor allem die Flugticket-Abgabe von zwölf Euro sauer auf. Verbandschef Gregor Kadanka sieht die Attraktivität des Reiselandes Österreich durch die Vielzahl an Steuern und Abgaben bedroht und nennt den Billigflieger Ryanair als Beispiel. Die Fluggesellschaft wolle ihre Flotte lieber in Bratislava ausbauen. Die Hauptstadt der Slowakei, ebenfalls ein Touristenmagnet, ist nur rund 50 Kilometer entfernt. Während Nachbarstandorte wüchsen, verliere Wien an Attraktivität.
Stadtverwaltung verteidigt die Abgabe
Die Tourismusbehörde WienTourismus weist die Vorwürfe zurück. Sprecherin Isabelle Rauter spricht von einer fairen Teilung der Verantwortung. Der Tourismus nutze die erstklassige Infrastruktur der Stadt stärker denn je. Da er von deren Erhalt und Ausbau profitiere, müsse er auch einen Beitrag leisten. Wien sei bei Reisenden gerade als funktionierende Stadt gefragt. Die höhere Abgabe sei daher eine Investition in die Zukunft, von der Wirtschaft und Einwohner gleichermaßen profitierten.

