Diskonter wie Woolworth, Action und Tedi prägen laut Standort + Markt zunehmend den Branchen-Mix der österreichischen Shoppingcenter.
Die goldenen Jahre der österreichischen Shoppingcenter sind bekanntlich vorbei. Jahrzehntelang wuchs die Fläche rasant, neue Malls schossen aus dem Boden, und Besucherströme fluteten die Einkaufsgalerien. Heute hat sich der Markt grundlegend verändert, wie aus dem aktuellen Bericht über Shoppingcenter in Österreich von Standort + Markt hervorgeht. Quantitatives Wachstum spiele kaum noch eine Rolle, stattdessen zählen Anpassungsfähigkeit, gezielte Revitalisierung und profilierte Nutzung, heißt es darin.
Hohe Inflation, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie allgemeine Lebenshaltungskosten haben die Konsumkraft spürbar gebremst. Gleichzeitig steigen die Betriebskosten für Handelsunternehmen.
„Die real verfügbare Kaufkraft ist gesunken, die Konsumenten zeigen sich vorsichtig. Gleichzeitig steigen die Betriebs- und Personalkosten, was den Druck auf die Shoppingcenter-Betreiber erhöht“, erklärt Brigitte Moser von dem Berater Standort + Markt am Dienstag.
Die Zahlen spiegeln diesen Trend: 2025 besuchten rund 570 Millionen Menschen die österreichischen Shoppingcenter, der Gesamtumsatz lag bei knapp 16 Milliarden Euro. Während dem Bericht zufolge Retail Parks durch ihre Ausrichtung auf Grund- und Kurzfristbedarf robuster abschneiden, liegen klassische Malls in puncto Umsatz oft unter der Inflationsrate.
Österreich zählt derzeit 251 Shoppingcenter, darunter 131 Malls und 120 Retail Parks, mit einer vermietbaren Gesamtfläche von etwa 4,3 Millionen Quadratmetern.
Laut dem Bericht entstehe kaum neues Wachstum durch klassische Neubauten, sondern vor allem durch Revitalisierungen bestehender Flächen, zum Beispiel ehemaliger Kika/Leiner-Standorte, die nach der Insolvenz 2024 neue Nutzung finden.
„Besonders auffällig ist die Transformation dieser Standorte, die neuen Nutzungen zugeführt werden und gleichzeitig Bodenversiegelung vermeiden,“ so Moser. Die Phase der dynamischen Flächenexpansion sei damit abgeschlossen.
Die Branche sei zunehmend „filialisiert“, was bedeutet, dass 74 Prozent der Shops und über 90 Prozent der Verkaufsfläche großen Handelsketten gehören. Diskonter wie Woolworth, Action und Tedi expandieren, klassische Bekleidung und Möbel verlieren an Fläche.
Freizeitangebote und Fitnesscenter gewinnen an Bedeutung. Sie fungieren als Frequenzbringer und nutzen auch Flächen mit geringer Standortqualität. In Malls wächst zudem der Bereich „Sonstiger Auswahlbedarf“, ergänzt durch Entertainment- und Aktionspostenmärkte.
Die Zahl der Shops sank leicht auf rund 8600, die Leerstandsquote stieg auf 5,5 Prozent. Besonders betroffen sind Malls (6,3 Prozent), Retail Parks zeigen sich mit 3,6 Prozent stabiler.
„Leerstand ist ein europaweiter Trend, Fachmarktzentren sind durch ihre Nahversorgung aber widerstandsfähiger“, sagt Roman Schwarzenecker von Standort + Markt.
„Die Zukunft der Shoppingcenter liegt in der Anpassungsfähigkeit, nicht in der Fläche“, betont Schwarzenecker. Erfolgreiche Zentren kombinieren Handel, Dienstleistung, Gesundheit, Freizeit und digitale Angebote intelligent. Retail Parks bleiben robust, klassische Malls stehen unter Anpassungsdruck. (taru)
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