Best of the Rest
Sturms Frauenteam hat sich mit Platz drei erneut für Fußball-Europa qualifiziert. Mit dem Trainingszentrum Puntigam gibt es demnächst eine Heimstätte und auch in Sachen Sichtbarkeit stellen sich – Schritt für Schritt – Erfolge ein.
Sie sind Enthusiastinnen. Sie lieben den Fußball, bieten national wie international sehr gute Leistungen, müssen oftmals aber Zusatzjobs annehmen oder studieren, um die Herausforderungen des Alltags bewältigen zu können. Sie stehen immer noch zu sehr im Schatten ihrer männlichen Kollegen, die insbesondere medial viel stärker wahrgenommen werden. Doch ihre Fans schätzen ihre Authentizität, die Nahbarkeit, die sportliche Leidenschaft. Die Rede ist von den Frauen, die im Dress von Sturm Graz einlaufen. Oft leider vor schütterer Kulisse, obwohl der Verein mittlerweile 20.000 Mitglieder zählt. Aber sie geben nicht auf, bleiben beharrlich, trotzen allen infrastrukturellen Problemen und den nach wie vor existierenden (männlichen) Vorurteilen über ihren Sport. Wer wie sie Fußball verinnerlicht hat, lässt sich von diesen Widrigkeiten nicht abbringen. Die Sturm Frauen, die bis Ende der letzten Saison noch offiziell als „Sturm Damen“ auftraten, freuen sich vielmehr über jede Verbesserung, auch wenn es die sprichwörtliche Politik der kleinen Schritte ist, die den Frauenfußball in Graz wie in Restösterreich professioneller und populärer macht. Wie sang einst die deutsche Sängerin Ina Deter? „Frauen kommen langsam, aber gewaltig.“
Zeichen für Gleichberechtigung
Ein kurzer Blick zurück zu den Anfängen von Sturms Frauenfußball. Man schrieb das Jahr 2011, als Christian Jauk eines seiner Herzensanliegen verwirklichen konnte: Die neu gegründete schwarz-weiße Frauensektion ging eine Spielgemeinschaft mit dem FC Stattegg ein und startete in der 2. Liga Ost / Süd. Ab 2012/13 fanden die Heimspiele in Messendorf statt, in dieser Saison wurde auch der Aufstieg in die Frauen Bundesliga fixiert. Ein Jahr später traten die Fußballerinnen unter dem Namen SK Sturm Graz an. Was war die Motivation für den frühen Einstieg in den Frauenfußball? „Für mich gehört Frauenfußball zum Vermächtnis unserer Gründer. Auch wenn das ausschließlich Männer waren, war Sturm schon damals offen für alle“, sagt der heutige Präsident. Man habe bewusst ein Zeichen für Gleichberechtigung setzen wollen und sei als erster Bundesligaverein aktiv geworden. Wohlwissend, dass es bis zu einer echten Gleichberechtigung, etwa was Bezahlung und Infrastruktur betrifft, noch Jahre dauern wird. Apropos Geld. „Jeder, der einmal ein Frauenmatch gesehen hat, weiß, mit welcher Leidenschaft und wieviel Herzblut die Frauen dabei sind. Geld spielt da überhaupt keine Rolle. Mich fasziniert das ungemein, weil es viel mit der Ursprünglichkeit des Fußballs zu tun hat. Es geht um den Sport, um die Menschen und nicht so sehr um finanzielle Aspekte“, betont Jauk.
In den ersten 15 Jahren habe Sturms Frauenfußball vielbeachtete Erfolge erzielt, auch in der Champions League-Qualifikation hätten die Spielerinnen ihr Können bewiesen. In Graz, wo weniger öffentliches Geld als anderswo in den Fußball fließt, würden die Erfolge der Männer-Kampfmannschaft die Frauenabteilung mitfinanzieren. Was Jauk besonders schmerzt? Der ÖFB investiert jährlich rund 700.000 Euro in die Frauen-Akademie St. Pölten, die Akademie im steirischen Fußballverband geht hingegen leer aus: „Ich verstehe das nicht. Wir brauchen auch im Süden und im Westen Akademien, die finanziell unterstützt werden“, kritisiert Jauk und spricht von „Wettbewerbsverzerrung“. Mit dem neuen Trainings- und Nachwuchszentrum Puntigam könne Sturm ab Herbst den Frauen nach jahrelanger Herbergssuche aber endlich eine echte Heimstätte bieten. Eine, die, so Jauk, auch beim Publikum einen Boom auslösen werde.
Den gesamten Beitrag mit Statements von Michael Parensen, Thomas Tebbich, Susanne Gorny und Michael Erlitz lesen Sie im neuen SturmEcho 384.