Geplant sind Truppen für die Friedenssicherung in der Ukraine und eine europäische Raketenabwehr.

Paris, Kiew – Die Europäer verstärken ihre militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine. Eine schon länger geplante Schutztruppe für die Ukraine nimmt offenbar konkrete Formen an. Zudem wollen mehrere europäische Staaten gemeinsam eine Raketenabwehr aufbauen und dabei besonders die Erfahrungen und Fähigkeiten der Ukraine nützen.

Federführend bei der europäischen Unterstützung für die Ukraine sind Frankreich und Großbritannien. Sie haben eine „Koalition der Willigen“ zusammengestellt, der mittlerweile 37 Staaten angehören. Auch Österreich ist mit dabei, wegen der militärischen Neutralität aber nur als Beobachter.

Erste Übung im Herbst in Polen

Die Mitglieder der Koalition trafen sich am Rande der Feiern zum französischen Nationalfeiertag in Paris. Der Gastgeber, Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron, gab hinterher bekannt, die angekündigte Schutztruppe für die Ukraine sei fertig konzipiert. Diese Truppe soll nach dem Ende des Kriegs ein Teil der Sicherheitsgarantien sein, die der Ukraine in Aussicht gestellt wurden.

Wer daran in welcher Form teilnimmt, wurde zunächst nicht bekannt. Macron erklärte aber überraschend, dass die Schutztruppe schon jetzt – während der Krieg noch tobt – mit Übungen beginnt, und zwar in den Nachbarstaaten der Ukraine. Die erste dieser Übungen soll im Herbst in Polen stattfinden, wie Polens Ministerpräsident Donald Tusk am Dienstag ankündigte.

Billiger als das Patriot-System

Die Ukraine ist aber nicht allein Empfänger von Unterstützung. Sondern sie hat sich dank ihrer Kampferfahrung und Waffentechnologie auch zu einem begehrten Partner gemausert. In Paris wurde bekannt, dass neun Mitglieder der Koalition der Willigen – darunter Frankreich, Großbritannien und Deutschland – zusammen mit der Ukraine ein eigenes System zur Raketenabwehr aufbauen wollen.

Die Ukraine bastelt unter dem Titel Freyja schon länger an einer eigenen Raketenabwehr. Diese soll deutlich billiger sein als das amerikanische Patriot-System, das wegen des Kriegs im Iran zuletzt zur Mangelware geworden ist. Allerdings dürfte die Ukraine Partner brauchen. Dem Vernehmen nach geht es um Geld, Technologie, Material und sichere Produktionsanlagen.

Schutzlos gegen ballistische Raketen

Doch selbst, wenn es schnell geht, dürfte eine eigene europäische Raketenabwehr frühestens im Laufe des nächsten Jahres einsatzfähig sein.

Bis dahin bleibt die Ukraine auf Patriot-Raketen angewiesen. Sie sind derzeit das einzige System, das ballistische Raketen zuverlässig vom Himmel holt. Doch weil es zu wenig Nachschub gibt und dieser primär an die USA selbst und an ihre Verbündeten am Persischen Golf geht, ist die Ukraine weitgehend schutzlos ausgeliefert. Allein am 6. Juli sollen laut Süddeutscher Zeitung 29 ballistische Raketen auf das Land geprasselt sein; keine einzige konnte abgeschossen werden.

US-Präsident Trump stellte der Ukraine zwar kürzlich eine eigene Patriot-Produktion in Lizenz in Aussicht. Aber der Hersteller Lockheed Martin wusste zunächst gar nichts von der Idee, und auch über den praktischen Fragen stehen große Fragezeichen.

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