Bettina Boettinger im Gespräch mit Harald Schmidt.

AUDIO: „Was haben wir gelacht“: Doku über frauenfeindliche Strukturen im TV der 90er (5 Min)

Stand: 15.07.2026 14:23 Uhr

In den 90er- und Nuller-Jahren galten Frauen im Unterhaltungsfernsehen als nicht lustig, wurden auf ihr Äußeres reduziert und mussten vieles weglächeln. Was sie alles über sich ergehen lassen mussten, zeigt nun der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“.

von Walli Müller

Er beleuchtet den harten Weg von fünf Unterhaltungs-Pionierinnen auf die Bühnen und vor die Kameras. Das Unterhaltungsfernsehen dieser Zeit wurde von männlichen Witzereißern und Showmastern dominiert. Dass Frauen nicht lustig seien, galt damals als Naturgesetz. Die Wahrheit ist wohl eher, dass es Frauen nicht an Humor, sondern an weiblichen Vorbildern mangelte.

Hella von Sinnen: „Das hat meine Gefühle verletzt“

Karneval in Köln Anfang der 80er. Die Bühne betritt Hella von Sinnen als Putzfrau Schmitz:

Ich hatte bis eben alle Finger voll zu tun, weil der Pullheim, der rührt ja keinen Finger! Als der vor 14 Tagen mal den Müll rausgetragen hat, haben wir alle geweint vor Glück.

Filmzitat

Heute erinnert sie sich mit Grauen an die Ochsentour damals: „Ach, anstrengend! Du weißt, wie Du Pointen setzt, und Du weißt, dass das Publikum lacht. Aber dann landest Du eben auf Herrensitzungen. Und wenn eine Rednerin dann auch noch kam, gingen die geschlossen raus, um ein Kölsch zu trinken und ein Würstchen zu essen. Und das war sehr verletzend. Das hat meine Gefühle verletzt.“

Maren Kroymann, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Hella von Sinnen und Esther Schweins bei der Filmpremiere von "Was haben wir gelacht"

Anlässlich des Films „Was haben wir gelacht“ spricht die Moderatorin über Frauenfeindlichkeit im TV der 90er und die damalige Rolle der Frauen.

Regisseurin Schneider: „Witzigsein ist eine Machtfrage“

Hella von Sinnen ist eine von fünf Entertainerinnen, die im Film von ihren mühsamen Anfängen allein unter Männern erzählen – neben Maren Kroymann, Gaby Köster, Bettina Böttinger und Esther Schweins. Dabei geht es um viel mehr als ihren persönlichen Werdegang. Worüber gelacht wird, das erzählt auch eine Menge über die Gesellschaft.

„Witzigsein ist eine Machtfrage, weil sich dadurch auch eine bestimmte Sicht auf die Welt abzeichnet. Und Frauen waren nie in der aktiven Rolle zu sagen: Das sind die Themen, die wir setzen wollen“, so die Regisseurin Isabel Schneider. Sie kam auf die Idee zu diesem Dokumentarfilm, weil sie selbst 1995 schon in eine andere Welt hineingeboren wurde: „Aber auch für mich gab es noch ganz stark diese ‚Thomas Gottschalk-‚Wetten-Dass?‘-Lagerfeuer-Momente‘. Ich sehe das aber heute als junge Frau, die schon feministisch sozialisiert wurde, total mit anderen Augen und frage mich schon, warum das meine Mama oder meine Eltern-Generation nicht so gestört hat und die uns als Kinder unhinterfragt davorgesetzt haben.“

Daphne de Luxe gibt in der Garderobe ein Interview

Vier Wochen Frauenpower auf der Comedy-Bühne: Daphne De Luxe moderiert Eröffnungsgala im Schmidts Tivoli mit starken Comedy-Acts.

Co-Regisseurin Müller: „Wir wollen nicht Humorpolizei sein“

Ihre Co-Regisseurin Eva Müller ist 16 Jahre älter und hat es noch als ganz normal erlebt, dass bei Carrell sexistische Witze gerissen, bei Kulenkampff die Schönheit der blonden Assistentin gepriesen und auf der „Wetten, dass..?“-Couch weibliche Knie getätschelt wurden.

Gunter, Du würdest einsehen, dass ich neben Frau Schiffer sitzen möchte.

Filmzitat – Thomas Gottschalk in „Wetten, dass..?“

„Uns war es aber total wichtig, dass wir nicht die Humorpolizei sind und sagen: Das ist lustig, das ist nicht lustig. Sondern die Mechanismen haben uns interessiert. Was passiert, wenn Humor stattfindet“, meint Co-Regisseurin Eva Müller.

Du bist, muss ich sagen, für ein Top-Model relativ rund. Die meisten sind ja so ganz flach. Ich finde das ja sehr schön.

Filmzitat – Thomas Gottschalk in „Wetten, dass..?“

Schauspielerin Maren Kroymann

In der Doku „Was haben wir gelacht“ seziert sie mit Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und anderen die gegenüber Frauen oft herablassende und sexistische Welt der Fernsehplatzhirsche.

Müller will nicht abrechnen, sondern Strukturen aufdecken

Wetten, dass.....  Harald Juhnke, Iris Berben, und Thomas Gottschalk

Thomas Gottschalk (l.) und die Frauen bei „Wetten, dass..?“ – nicht immer stilsicher.

In zweijähriger Fleißarbeit hat Isabel Schneider mit Kolleginnen die Archiv-Szenen ausgegraben, die Eva Müller bei den Interviews dann den Protagonistinnen vorführte. Spontanreaktionen von Maren Kroymann: „Puh, aber hallo! In der Dichte doch sehr deutlich. Mehrheitlich übergriffig.“ Und Gaby Köster meint: „Das wird mir jetzt bewusst, weil früher habe ich auf sowas nicht geachtet.“

Müssen wir uns heute dafür schämen, worüber wir gestern gelacht haben? „Das ist keine Abrechnung! Sondern es geht wirklich darum, zu zeigen, was los war“, erklärt Eva Müller. „Was haben diese Frauen für Rollen gespielt in alledem. Wie bewerten sie sich selber heute, auch kritisch. Was löst Humor aus, welche Macht hat Humor. Und was macht das mit einer Gesellschaft, wenn die, die das Mikro in der Hand haben, immer weiße Männer sind.“

Florentine Osche in einer utopischen Welt mit Frauen ohne Männer. (extra 3 vom 10.07.2026 in der Mediathek) (hat KI-generierte Elemente)

Unsere Reporterin Florentine Osche hat sich umgehört, wie es gerade bestellt ist um das Verhältnis zwischen Frauen und Männern.

Erschreckendes und vieles zum Schmunzeln

Was es mit ihr persönlich machte, erzählt Esther Schweins im Film sehr bewegend. Immerzu auf ihre Schönheit reduziert zu werden – erniedrigend.

Carrell: „Erst mal herzlichen Glückwunsch, Sie haben viel Glück gehabt. Wunderschöne Haare, schöne Zähne.“
Schweins: „Das war nichts Besonderes. Es ging uns Frauen damals so.

Filmzitat – Rudi Carrell und Esther Schweins

Erschreckend, was Fernseh-Frauen damals weglächeln mussten. Über vieles kann man in der Rückschau aber auch schmunzeln, da heute Komikerinnen wie Maren Kroymann oder Carolin Kebekus in ihren Fernseh-Shows bestimmen, über welche Themen gelacht wird. So macht der Film insgesamt große Freude – als Gesellschaftskomödie mit Happy End.

Eva Müller ist der Meinung: „Humor kann so schnell Dinge schaffen, die fünfstündige Reden im Bundestag nicht schaffen. Das ist ganz toll, das ist eine Form von Teilhabe.“

Ein Vater hält die Seite seiner Jacke um seinen Sohn herum

Die Fußball-Komödie „Wochenendrebellen“ ist jetzt in der ARD Mediathek verfügbar. Das Erste zeigt bis zum 17. August sieben Free-TV-Premieren.

Bettina Boettinger im Gespräch mit Harald Schmidt.

Was haben wir gelacht

Genre:
Dokumentation

Produktionsjahr:
2026

Zusatzinfo:
Mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Esther Schweins u.a.

Regie:
Eva Müller und Isabel Schneider

Länge:
96 Minuten

Altersempfehlung:
ab 12 Jahren

Kinostart:
16.07.2026