Der Musiker Danger Dan hat nach seiner Ausladung durch das ZDF einen angeblichen Aufruf zur Gewalt dementiert. »Ich rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen«, sagte er dem Spiegel. Sein Lied will er verstanden wissen als »Antwort auf die Frage: Wie baut man wirksame Antifa-Strukturen auf?«, sagte er dem Spiegel. »Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal.« Die ZDF-Intendanz hatte seinen Auftritt in der Kabarettsendung Die Anstalt zuvor kurzfristig untersagt.
Dem Spiegel gegenüber kritisierte er die Ausladung erneut. »Dass der Intendant des ZDF anfängt, antifaschistische Lieder zu zensieren, ist leider ein furchtbares Zeichen«, sagte er demnach. Auch die kurzfristige Ausladung, »als wir mit unserem Team, Igor Levit und sechs weiteren Musikern schon in München angekommen waren«, kritisierte er .
Er habe das Lied geschrieben, um Menschen zu zeigen, dass sie angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus nicht komplett ohnmächtig seien. Das Problem, mit dem er sich auseinandersetze, sei Gewalt von Neonazis und Rechtsextremen. »Im besten Fall gäbe es gar keine Gewalt, ich verabscheue Gewalt, aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität«, sagte er dem Spiegel. Nazis organisierten sich, linke und queere Menschen anzugreifen. »Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen«, begründete er den Aufruf zur Selbstorganisation. Er freue sich über neue Antifastrukturen, das müsse jedoch nicht jeder. Er selbst sei vor allem Musiker. »Vielleicht macht es erst mal Mut, auf der Arbeit mal dem Kollegen, der rechte Scheiße erzählt, ins Wort zu fallen.« Es gehe gerade darum, eine Demokratie zu retten.
Dass der Musiker das Gefühl hat, der Rechtsextremismus werde in Deutschland gefährlicher, hat auch persönliche Gründe. Schon seit der Veröffentlichung seines letzten Albums Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt werde er auch persönlich bedroht, berichtete er. An bestimmten Orten in Deutschland werde es immer schwieriger, seine Konzerte stattfinden zu lassen. »Aber gleichzeitig sage ich auch, dass man vor Nazis keine Angst zu haben braucht, das wäre komplett falsch.«
Streit um Liedtext für die Sendung
Am Donnerstag hatte Danger Dan zusammen mit dem Musiker Igor Levit öffentlich gemacht, dass ihr Auftritt in der Anstalt von der ZDF-Intendanz verboten worden sei. Die Musiker bezeichneten die Ausladung und damit das Verbot, ein dezidiert antifaschistisches Lied zu spielen, das auch vom Justiziar des Senders nicht beanstandet worden sei, als »skandalös«. Auch die Anstalt distanzierte sich von der Entscheidung des ZDF. »Wir empfinden die
Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder
stark zunimmt«, schrieben sie. Als Begründung hatte das ZDF angegeben, der Liedtext könne »als Aufruf zu Gewalt verstanden werden«.
Danger Dan veröffentlichte daraufhin das Lied Keine Angst in der Nacht. Das Lied ist als Anleitung dafür geschrieben, die Angst vor dem erstarkenden Rechtsextremismus und der zunehmenden Bedrohung durch Nazis in den Griff zu bekommen. Er schreibt von der Gründung von Aktionsgruppen und der Organisation von antifaschistischen Feiern und Aktionen. Schon mit wenigen Menschen könne man einen Unterschied machen und »lokale Antifastrukturen« aufbauen. Er ruft dazu auf, Nazis zu identifizieren und zunächst in ihrem Umfeld zu outen, auch wenn es schwerfällt. »Und die Geschichte hat uns schon mal gezeigt, es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt«, schreibt er.
Im weiteren Verlauf des Liedes wird er vager, er schreibt davon, Nazis »lang zu legen«, sich in »die juristische Grauzone« zu bewegen. Schließlich sendet er Grüße an »Lina, Gucci, Maja und Nanuk«, womit die 2023 in Dresden als Linksextremistin verurteilte Lina E. und ihre Gruppe gemeint sein dürften. Vor allem an diesen letzten Passagen dürfte sich das ZDF gestoßen haben. Das Lied hatte bei YouTube nach elf Stunden bereits mehr als 100.000 Aufrufe und landete auf Platz 1 der Trendcharts für Musik in Deutschland.
ZDF und Danger Dan
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Danger Dan und das ZDF:
Hier wird etwas übertrieben