Confessions II | 16. Juli 2026

Sie tut es wieder: Pop-Ikone Madonna (67) hat ein untrügliches Gespür dafür, wann es wieder Zeit für einen majestätischen «Raubzug» im Norden ist. Für ihr Album «Confessions II» greift die Queen of Pop beim exzentrischen schwedischen Pop-Kult von Army of Lovers zu – und wandelt damit auf den Spuren ihres eigenen Geniestreichs «Hung Up». Ein genialer Coup über musikalische Reinkarnation.

Die unangefochtene Queen of Pop: Für ihren Song «My Sins Are My Savior» (feat. Stromae) bedient sich Madonna auf ihrem Album Confessions II bei dem Eurodance-Klassiker «My Army of Lovers» der schwedischen Band Army of Lovers.

Die unangefochtene Queen of Pop: Für ihren Song «My Sins Are My Savior» (feat. Stromae) bedient sich Madonna auf ihrem Album Confessions II bei dem Eurodance-Klassiker «My Army of Lovers» der schwedischen Band Army of Lovers.Foto: Keystone

Es gibt Momente in der Popgeschichte, da reicht ein einziges Sample, um die Clubkultur kollektiv in Ekstase zu versetzen. 2005 war so ein Moment. Damals kniete Madonna sprichwörtlich vor Benny Andersson und Björn Ulvaeus, um die Erlaubnis für das ikonische Flöten-Riff aus ABBAs «Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)» zu erbitten. Das Resultat war «Hung Up» – ein globaler Mega-Hit, der die Discokugel im Takt schwedischer Perfektion neu erfand. Ein Geniestreich, der bewies: Wenn Madonna klaut, dann nur beim musikalischen Adel.

Platz eins der US-Billboard-Charts

Der Blick auf die aktuellen Charts zeigt, dass die US-Ikone mit dieser bewährten Erfolgsformel auch heute unschlagbar bleibt. Mit dem Anfang Juli veröffentlichten «Confessions II» stürmte Madonna soeben auf Platz eins der US-amerikanischen Billboard-200-Charts. Es ist ihr zehntes Nummer-eins-Album und beschert ihr einen historischen Rekord: Sie ist die erste Künstlerin der Musikgeschichte, die in vier verschiedenen Jahrzehnten die Spitze der US-Charts erobern konnte.

Auf dem herausragenden Track «My Sins Are My Savior» thront ein massives Interpolieren des 1990er-Klassikers «My Army of Lovers»

Die dunkle Seite der Pop-Macht

Doch wo ABBA damals für sonnendurchflutete Melancholie stand, taucht Madonna auf ihrem neuen Meilenstein tief in die hedonistische, laszive Endzeit-Stimmung der schwedischen 90er-Jahre ein. Auf dem herausragenden Track «My Sins Are My Savior» thront ein massives Interpolieren des 1990er-Klassikers «My Army of Lovers». Der Song, den Mastermind Alexander Bard einst mit in den funkelnden Trash-Himmel hievte, wird unter Madonnas Regie zu einer düsteren, hypnotischen Club-Hymne morphiert.

Schriller Pop-Kult im Dreierpack: Das Album-Cover zum Album «Big Battle of Egos» (2013) vereint die drei prägendsten Gesichter von Army of Lovers: Alexander Bard, Camilla Henemark und Jean-Pierre Barda.

Schriller Pop-Kult im Dreierpack: Das Album-Cover zum Album «Big Battle of Egos» (2013) vereint die drei prägendsten Gesichter von Army of Lovers: Alexander Bard, Camilla Henemark und Jean-Pierre Barda.Foto: Universal Music / Sofo Records

Army-Sängerin sorgte für Skandal

Das absolute Highlight: Madonna nutzt nicht nur das melodische Gerüst, sondern hat die originalen, rauchig-verführerischen Spoken-Word-Passagen von Kult-Sängerin La Camilla (Camilla Henemark) aus den Archiven ziehen lassen. Damit holt sie sich eine der skandalträchtigsten Figuren Schwedens ins Boot. La Camilla sorgte einst mit ihrer jahrelangen geheimen Affäre mit dem schwedischen König Carl XVI. Gustaf für ein politisches Beben, das sie später in ihrer Biografie «The King and I» unverblümt offenlegte. Diese royale Hochadel-Verruchtheit verleiht dem Track im Zusammenspiel mit Madonnas Vocals und einem unerwarteten Feature von Stromae ein unnachahmliches popkulturelles Charisma.

Popstar Madonna blickt auf ein beispielloses Lebenswerk und feiert mit Confessions II ihr zehntes Nummer-eins-Album in den USA. Seit ihrem weltweiten Durchbruch in den frühen 1980er-Jahren hat sich die Ausnahmekünstlerin stets neu erfunden und über 300 Millionen Tonträger verkauft. Mit dem triumphalen Erfolg der neuen Dance-Platte zementiert sie ihr Vermächtnis als Pop-Ikone.

Popstar Madonna blickt auf ein beispielloses Lebenswerk und feiert mit Confessions II ihr zehntes Nummer-eins-Album in den USA. Seit ihrem weltweiten Durchbruch in den frühen 1980er-Jahren hat sich die Ausnahmekünstlerin stets neu erfunden und über 300 Millionen Tonträger verkauft. Mit dem triumphalen Erfolg der neuen Dance-Platte zementiert sie ihr Vermächtnis als Pop-Ikone.Foto: Warner Records

Camp-Pop im Stil von Pierre & Gilles: Das kunstvoll überzeichnete Cover-Artwork zur Hitsammlung «Le Grand Docu-Soap» (2001) zeigt das Quartett von Army of Lovers in gewohnt provokanter Pose (vlnr): Alexander Bard, Camilla Henemark, Jean-Pierre Barda und unten Dominika Peczynski in einer für sie typischen, hyperrealen Barock-Inszenierung.

Camp-Pop im Stil von Pierre & Gilles: Das kunstvoll überzeichnete Cover-Artwork zur Hitsammlung «Le Grand Docu-Soap» (2001) zeigt das Quartett von Army of Lovers in gewohnt provokanter Pose (vlnr): Alexander Bard, Camilla Henemark, Jean-Pierre Barda und unten Dominika Peczynski in einer für sie typischen, hyperrealen Barock-Inszenierung.Foto: Carl-Johan Paulin / Camilla Thulin / Universal Music

Die schwedische Super-Connection

Dass die Nummer trotz aller Düsternis einen messerscharfen, unbarmherzigen Hit-Charakter besitzt, verdankt sie einer weiteren schwedischen Sensation in den Credits: Hit-Garant Max Martin hat gemeinsam mit Co-Produzent Stuart Price am Soundregler gedreht. Martin verpasst dem exzentrischen Vibe von Army of Lovers ein hypermodernes Gewand, das perfekt auf eine «Café del Mar»-Scheibe passen würde.

Für die schwedischen Pop-Veteranen bedeutet Madonnas Ritterschlag nicht nur ein spätes künstlerisches Denkmal, sondern auch eine sprudelnde Tantiemen-Goldgrube

Dancefloor-Energie: Fotograf Pavarotti inszeniert die Künstlerin im glitzernden Disco-Look der Extraklasse.

Dancefloor-Energie: Fotograf Pavarotti inszeniert die Künstlerin im glitzernden Disco-Look der Extraklasse.Foto: Rafael Pavarotti

Forever young: Ein intensives Close-up von Fotograf Gomes fängt die unverwechselbaren Züge der Pop-Ikone ein.

Forever young: Ein intensives Close-up von Fotograf Gomes fängt die unverwechselbaren Züge der Pop-Ikone ein.Foto: Ricardo Gomes

«Ziemlich abgefahren»

Der vergoldete Segen für dieses Sampling-Spektakel kommt entsprechend direkt aus Stockholm. Alexander Bard und das schwedische Autorenteam sind hochoffiziell gelistet. Gegenüber heimischen Medien nannte Mit-Urheber Peo Thyrén die Nummer schlicht «ziemlich abgefahren». Kein Wunder: Für die schwedischen Pop-Veteranen bedeutet Madonnas Ritterschlag nicht nur ein spätes, künstlerisches Denkmal, sondern auch eine sprudelnde Tantiemen-Goldgrube. Während «Hung Up» ein hell leuchtender Tribut an den Euro-Pop war, ist «My Sins Are My Savior» das verruchte, exzentrische Gegenstück. Die besten Pop-Rezepte stammen eben nach wie vor aus Schweden.