
Über Satellit sind die wichtigsten Inlandsprogramme vieler europäischer Länder aus urheberrechtlichen Gründen strikt verschlüsselt. Wer im Urlaub trotzdem einen Blick ins lokale Fernsehen werfen oder Filme im englischen Originalton sehen möchte, findet im digitalen Antennenfernsehen (DVB-T/T2) eine geniale Alternative. Doch Vorsicht: Nicht jedes deutsche Empfangsgerät funktioniert in jedem Urlaubsland einwandfrei, da sich die technischen Standards in Europa deutlich unterscheiden.
DVB-T2 im Ausland: Die Länderübersicht für Camper und Urlauber
Die folgende Tabelle zeigt dir auf einen Blick, wo sich der Sendersuchlauf über die Zimmer- oder Dachantenne im Urlaub besonders lohnt und wo der Bildschirm mangels Free-TV-Angeboten dunkel bleibt:
UrlaubslandDVB-T/T2 StatusFrei empfangbare Programme (Beispiele)Besonderheit für UrlauberItalienExtrem starkÜber 100 bis 200 Sender frei (RAI, Mediaset)Südtirol (RAS): 13 deutschsprachige Programme in HD frei!ÖsterreichGroßteils codiertORF 1 und ORF 2 Wien (in SD), ATV2Deutsche Privatsender sind dort kostenpflichtiges Pay-TV.Kroatien & SlowenienSehr gut ausgebautHRT 1–4, SLO 1–3, TV Maribor, TV KoperHollywood-Filme und Serien laufen oft in englischer Originalfassung mit Untertiteln.SpanienHauptempfangswegGroße Vielfalt an nationalen & regionalen SendernInhalte werden wie in Deutschland komplett synchronisiert.SkandinavienGut ausgebautDR (DK), NRK 1–3 (NO), SVT (SE), YLE (FI)Nahezu alle US-Filme und Serien laufen ungeschnitten auf Englisch.Niederlande & BelgienKaum noch RelevanzNur NPO 1–3 (NL) bzw. ein RTBF-Paket (Wallonie)In Flandern (Belgien) wurde das Antennenfernsehen komplett abgeschaltet.SchweizAbgeschaltetNahezu keine terrestrischen Sender mehrAusnahme: Grenznahe Sender für Kabelnetz-Einspeisungen.
Gibt es technische Hürden bei der Frequenz- und Standardsuche?
Nicht alle europäischen Länder nutzen denselben DVB-T/T2-Standard. Die Unterschiede liegen vor allem in den verwendeten Videokomprimierungen. Das ältere DVB-T nutzt beispielsweise MPEG-2 oder MPEG-4, während bei DVB-T2 je nach Land MPEG-4 oder das modernere HEVC (H.265) zum Einsatz kommt.
Zumindest aus deutscher Sicht kann hier Entwarnung gegeben werden: Da in Deutschland mit DVB-T2 und HEVC das weltweit modernste Übertragungsverfahren genutzt wird, sind die hierzulande verkauften Empfangsgeräte abwärtskompatibel. Sie verarbeiten problemlos auch die älteren Standards MPEG-2 und MPEG-4. Damit sind deutsche Tuner für alle terrestrischen Signale nach dem DVB-Standard im Ausland geeignet und können überall die unverschlüsselten Programme wiedergeben.
Mehr aufpassen müssen hingegen Urlauber aus Österreich: Da dort DVB-T2 im älteren MPEG-4-Standard ausgestrahlt wird, verfügen viele österreichische Receiver nicht über den HEVC-Decoder. Mit einer reinen MPEG-4-Box können Österreicher unter anderem in Deutschland kein digitales Antennenfernsehen empfangen.
Wo wird DVB-T/T2 weltweit genutzt?
DVB ist der weltweit am häufigsten genutzte Standard für digitales Antennenfernsehen. Er ist in ganz Europa und Australien die unangefochtene Norm. Darüber hinaus wird er im Großteil Afrikas und Asiens genutzt.
Nur wenige Länder setzen auf alternative Systeme. Dazu gehören unter anderem Angola, Botswana, China und Pakistan sowie Japan, Südkorea, Laos, Kambodscha und die Philippinen. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent findet man DVB-T im Wesentlichen nur in Kolumbien und Französisch-Guayana.
Was braucht man für den Empfang auf Reisen?
Der Aufwand, um im Urlaub auf Empfang zu gehen, ist minimal. Sofern du mit einem Wohnmobil unterwegs bist, das mit einem neueren TV-Gerät ausgestattet ist, kann dieses DVB-T/T2 meist schon in allen Varianten verarbeiten. Sofern das Fahrzeug nicht ohnehin über eine geeignete Dachantenne verfügt, genügt in den Signal-Kernzonen oft schon eine kleine, günstige Zimmerantenne.
Alternativ bieten sich kompakte Mini-DVB-T2-Empfänger an, die kaum größer als ein USB-Stick sind. Diese gibt es zum Anschluss an den Laptop oder für den direkten Betrieb am HDMI-Port des Fernsehers – das funktioniert oft auch direkt am TV-Gerät im Hotelzimmer. Zuletzt bieten sich tragbare Mini-TVs an, die das Empfangsteil bereits fest verbaut haben. Diese handlichen Geräte kommen meist mit Bilddiagonalen von 14 Zoll daher, sind im Handel aber auch noch kleiner mit handlichen sieben bis zehn Zoll erhältlich.
Der Länder-Check: Was läuft wo im Free-TV?
Das digitale Antennenfernsehen bietet die perfekte Gelegenheit, die wichtigsten nationalen Programme zu sehen, die über Satellit dichtgemacht werden. Dies betrifft unter anderem die Hauptprogramme aus Österreich, Tschechien, Polen, den Niederlanden, Belgien, Skandinavien und – abgesehen von den reinen Signalzuführungen – auch Frankreich.
Neben der reinen Neugier bietet DVB-T2 einen echten praktischen Nutzen: In vielen Ländern werden Filme und Serien nicht synchronisiert, sondern in der Originalsprache mit Untertiteln ausgestrahlt. Das ist ideal für alle, die im Urlaub englischsprachige Unterhaltung suchen.
Der österreichische Mux A, in dem zumindest ORF1 und ORF2 Wien frei empfangbar sind, wird landesweit über 316 Sender verbreitet
Österreich
In Österreich ist selbst das digitale Antennenfernsehen größtenteils verschlüsselt. Über den landesweit sehr gut ausgebauten Mux A lassen sich zumindest ORF 1 und ORF 2 Wien in SD-Auflösung frei empfangen. In weiten Teilen des Landes ist zudem der Privatsender ATV2 frei verfügbar. Regional kommen unverschlüsselte Lokalsender hinzu. Wer in Österreich einen Sendersuchlauf startet, findet auch viele deutsche Programme – diese sind dort jedoch Teil des kostenpflichtigen „simpli TV“-Pakets und verschlüsselt.
Vier weitere Muxe werden über je 43 Anlagen ausgestrahlt. Über sie ist zumindest der Privatsender ATV2 frei zu sehen
Schweiz
Die Schweiz hat das terrestrische Fernsehen am 3. Juni 2019 aus Kostengründen komplett abgeschaltet. Somit gibt es bei den Eidgenossen fast kein Antennenfernsehen mehr. Die wenigen Ausnahmen sind den Nachbarländern geschuldet, damit diese Schweizer Programme in ihre grenznahen Kabelnetze einspeisen dürfen. Nahe der österreichischen Grenze werden über den Sender Hoher Kasten auf Kanal 41 SRF 1 und SRF 2 ausgestrahlt.
In der Schweiz wurde das Antennenfernsehen 2019 eingestellt. In der Deutschschweiz gibt es nur noch einen Sender, der TV-Programme verbreitet
Rund um Genf werden zudem zwei öffentlich-rechtliche Kanäle der französischsprachigen Schweiz und als Test drei Kanäle der deutschsprachigen Schweiz über zwei Standorte verbreitet, um die benachbarten französischen Gebiete zu versorgen.
Rund um den Genfer See wird über zwei weitere Standorte auch deutschsprachiges schweizer Fernsehen ausgestrahlt
Italien
Italien ist das absolute Fernseh-Eldorado: Rund zwei Drittel der Bevölkerung nutzen DVB-T als primären Empfangsweg, inklusive Sekundärnutzung sind es über 90 Prozent. Entsprechend gigantisch ist das Free-TV-Angebot. Selbst in abgelegenen ländlichen Regionen sind über 100 Programme der Standard, in Ballungsräumen knackt man spielend die 200-Sender-Marke.
In Südtirol werden 13 Programme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz flächendeckend über 111 Anlagen ausgestrahlt
Norditalien
Südtirol nimmt dabei eine traumhafte Sonderrolle für deutsche Urlauber ein: Die autonome Rundfunkanstalt RAS betreibt drei hervorragend ausgebaute Muxe, die 13 deutschsprachige Programme unverschlüsselt in HD übertragen (darunter Das Erste, ZDF, BR, ZDFneo, KiKa, 3sat, ARTE sowie ORF 1, 2, 3, ORF Sport+ und SRF 1 und 2). Im südlich angrenzenden Trentino werden zudem ORF 1 und ORF Sport+ auf Kanal 41 flächendeckend verbreitet.
Das Erste
ZDF
BR Fernsehen
ZDF Neo
KiKa
3sat
ARTE
ORF1
ORF2
ORF3
ORF Sport+
SRF1
SRF2
Slowenien
In Slowenien wird ein gut ausgebauter Mux betrieben, der die öffentlich-rechtlichen Sender SLO 1 bis 3 sowie TV Maribor und das italienischsprachige TV Koper beinhaltet (empfangbar an der Küste von Triest bis Caorle). In Kroatien werden die vier Kanäle von HRT sowie die wichtigsten Privatsender über ein dichtes Netz frei verbreitet. Da beide Länder ausländische Filme und Serien grundsätzlich im englischen Originalton mit Untertiteln senden, ist das Programm für Adria-Urlauber extrem attraktiv.
Die wichtigen öffentlich-rechtlichen und privaten Programme werden in Kroatien frei über gut ausgebaute Sendernetze übertragen
Kroatien
In Kroatien werden die vier öffentlich-rechtlichen Kanäle HRT 1 bis 4, sowie die wichtigsten Privatsender landesweit über ein dicht ausgebautes Sendernetz frei empfangbar verbreitet. Regional können zusätzliche Lokalsender verfügbar sein. Für Kroatien gilt ebenfalls, dass ausländisches Material im Fernsehen oft nicht synchronisiert, sondern nur mit Untertiteln verbreitet wird. Damit kann man entlang der kroatischen Adria-Küste viele Inhalte zumindest in englischer Sprache sehen.
Spanien
Auch in Spanien ist das Antennenfernsehen der mit Abstand meistgenutzte Verbreitungsweg. Entsprechend dicht ist das Netz (etwa für RTVE) und hoch die Vielfalt an freien nationalen und regionalen Sendern. Wie im deutschen Sprachraum üblich, werden ausländische Inhalte hier jedoch komplett auf Spanisch synchronisiert.
In Spanien ist das digitale Antennenfernsehen der primäre Verbreitungsweg. Entsprechend dicht sind auch die Sendernetze (im Bild für RTVE)
Niederlande
In den Niederlanden ist das Antennenfernsehen ein Nischenprodukt. Die meisten Sender sind verschlüsseltes Pay-TV, frei empfangbar sind lediglich die drei öffentlich-rechtlichen Sender NPO 1 bis 3 (mit Filmen in Originalsprache). In Belgien ist DVB-T fast tot: Im flämischen Teil wurde es Ende 2018 komplett abgeschaltet, in der Wallonie sendet lediglich noch ein einziges Paket der öffentlich-rechtlichen RTBF.
Belgien
In Belgien ist das Antennenfernsehen nur noch eine Randerscheinung. Im flämischen Teil des Landes wurde DVB-T bereits im Dezember 2018 ersatzlos abgeschaltet. In der französischsprachigen wallonischen Region ist ein einziges DVB-T-Paket der öffentlich-rechtlichen Anstalt RTBF.
Frankreich, Polen & Tschechien
Frankreich verzeichnet eine rege DVB-T2-Zweitnutzung und strahlt die öffentlich-rechtlichen sowie alle großen Privatsender rein auf Französisch über 1.600 Standorte aus. In Polen und Tschechien genießt das Antennenfernsehen ebenfalls einen extrem hohen Stellenwert. Die öffentlich-rechtlichen Netze (wie CT in Tschechien oder TVP in Polen) sowie die großen Privatsender sind dort über mehrere Multiplexe überall vollkommen frei und unverschlüsselt zu empfangen.
Das norwegische DVB-T-Sendernetz beschränkt sich auf rund 65 Hauptsenderstandorte. Nicht überall ist brauchbarer Empfang gewährleistet
Skandinavien
Für alle skandinavischen Länder gilt, dass ausländische Filme und Serien durchweg in Originalfassung mit Untertiteln ausgestrahlt werden. Somit liefern die Sender aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland viele Inhalte in englischer Sprache.
In Dänemark sind über DVB-T2 im Wesentlichen nur die öffentlich-rechtlichen Programme von Danmarks Radio frei empfangbar. Dank gut ausgebauter Sendernetze sind sie im ganzen Land problemlos verfügbar.
In Norwegen werden landesweit nur die drei öffentlich-rechtlichen Programme NRK1, NRK2 und NRK Super/NRK3 unverschlüsselt ausgestrahlt. Die Privatsender werden im Rahmen des Riks-TV-Pakets vermarktet und sind codiert. Die TV-Versorgung erfolgt im Wesentlichen nur über Hauptsenderstandorte. Auch wenn im Großteil des Landes terrestrische TV-Signale empfangbar sind, so kommen sie vielerorts doch relativ schwach, sodass durchweg eine größere Antenne erforderlich ist. Leider erweisen sich die an etwas abgelegenen Ferienhäusern installierten Antennen oft als zu klein, um ein störungsfreies Bild zu bekommen.
In Schweden werden über das Antennenfernsehen nur noch die Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verbreitet
In Schweden ist das digitale Antennenfernsehen nur noch eine Randerscheinung und wird nur noch von rund vier Prozent der Bevölkerung genutzt. Dementsprechend haben sich die freien und codierten Privatsender längst von diesem Verbreitungsweg verabschiedet. Landesweit werden nur noch die Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks SVT ausgestrahlt.
In Finnland sind die öffentlich-rechtlichen TV-Programme von YLE so gut wie landesweit verfügbar. Die Privaten beschränken ihre Verbreitung meist auf die südliche Hälfte. Entlang der Westküste wird teilweise auch schwedisches Fernsehen ausgestrahlt.
Und wie ist die Lage in Deutschland?
Auch Deutschland hat als Urlaubsland viel zu bieten. Deshalb lohnt es sich, auch auf die DVB-T2-Empfangssituation im eigenen Lande ein Auge zu werfen. Vor allem die Netze der öffentlich-rechtlichen Sender gelten als vergleichsweise gut ausgebaut. Allerdings gibt es durchaus größere regionale Unterschiede. Weiße Flecken findet man unter anderem im nördlichen Sachsen-Anhalt und den angrenzenden Regionen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns. Zudem muss auch in anderen Regionen Deutschlands mit kleinen Antennen kein Empfang gewährleistet sein. Zu beachten gilt ferner, dass das ZDF-Paket nur über 125 Standorte kommt, während jene der ARD von 148 Standorten ausgestrahlt werden. Weiter werden die ARD-Muxe zum Teil mit höherer Sendeleistung als jener des ZDF verbreitet, was sich ebenfalls auf die Empfangbarkeit auswirkt.
Die ARD-Muxe werden über je 148 Standorte verbreitet. Der ZDF-Mux kommt von immerhin 125 Standorten
Die Privaten werden über 63 Senderstandorte großteils verschlüsselt ausgestrahlt und sind insbesondere ab der deutschen Mitte und gen Osten hin nicht flächendeckend verfügbar.
Fazit
Das digitale Antennenfernsehen wird in Deutschland und Österreich gerne zu Unrecht schlechtgeredet. Als unkomplizierter Zweitempfangsweg für unterwegs im Wohnmobil oder Urlaubsdomizil ist DVB-T/T2 eine hervorragende und stabile Alternative zum datenintensiven Streaming. Quer durch Europa erfreut sich DVB-T/T2 meist einer deutlich höheren Beliebtheit, was sich auch an der Attraktivität der Programmvielfalt niederschlägt. In kleineren Ländern werden Filme und Serien gewöhnlich in Originalfassung, meist Englisch, ausgestrahlt und sind so weithin verständlich. Zuletzt erlaubt DVB-T/T2, viele Programme endlich einmal sehen zu können, da sie über Satellit verschlüsselt sind.
Außerdem interessant:
Bildquelle:
Nordsee Ferienhaus Reetdach: © Nordreisender/stock.adobe.com