In der Arena von Verona fällt Freitagabend (20.00 Uhr) der Startschuss für die XIV. Paralympischen Winterspiele. Bis 15. März kämpfen in Mailand, Cortina d’Ampezzo und Tesero rund 660 Athletinnen und Athleten aus etwa 50 Nationen um Edelmetall. Aktive aus Russland und Belarus dürfen erstmals wieder in ihren Landesfarben antreten, was Zündstoff birgt. Österreich ist mit einem 19-köpfigen Team rund um die Para-Ski-Asse Johannes und Veronika Aigner und Elina Stary vertreten.
79 Entscheidungen im Para-Ski alpin, -Langlauf, -Biathlon, -Snowboard, -Eishockey und Rollstuhl-Curling stehen auf dem Programm. Die ersten Medaillen werden am Samstag vergeben, im Alpinski gehen die Abfahrtsrennen in Cortina in Szene. Das ÖPC-Team steht auf der Tofana mit Markus Salcher, Manuel Rachbauer, Nico Pajantschitsch und Thomas Grochar in der stehenden Klasse sowie mit Johannes Aigner (mit Guide Nico Haberl) und Veronika Aigner (Guide Lilly Sammer) in der sehbeeinträchtigten Klasse am Start.
Stefan Egger-Riedmüller tritt – als einziger ÖPC-Nordischer und -Biathlet in Tesero – am gleichen Tag im Para-Biathlon-Sprint (stehend) an. Am Sonntag greifen erstmals auch die Snowboarder im Snowboard Cross ins Medaillengeschehen ein. Mit Oliver Dreier und Rene Eckhart wollen da zwei Österreicher mitmischen.
Aigner-Geschwister als Medaillenbank
Die Aigner-Geschwister gelten als „heißeste Eisen“ im Kampf um Edelmetall. Johannes dominierte diesen Winter den Weltcup: 16 Siege, eine große und vier kleine Kristallkugeln sprechen eine klare Sprache. „Er ist ein Alleskönner“, sagte Patrick Mayrhofer, Chef de Mission beim ÖPC, über den 20-jährigen Niederösterreicher. In Peking vor vier Jahren gewann Aigner in allen fünf Rennen Edelmetall, Gold in Abfahrt und Riesentorlauf. Auch seine Schwester Veronika kam 2022 mit zwei Goldmedaillen (RTL, Slalom) aus China nach Hause. Auch sie bestreitet in Cortina alle fünf Bewerbe.
Aigner, die mit Salcher Fahnenträgerin ist, war im Weltcup heuer in Abfahrt und Super-G ungefährdet und holte zudem die große Kugel. „Ich habe wieder die Liebe zum Speed entdeckt.“ Die 23-Jährige muss auf ihre verletzte Schwester Elisabeth als Guide verzichten, stattdessen springen Lilly Sammer und Eric Digruber (RTL, Slalom) ein. „Beiden kann ich vertrauen und auch zwischenmenschlich passt es sehr gut“, meinte Aigner, die die erst 16-jährige Sammer als „rohen Diamanten“ lobte. Die größte Konkurrenz befindet sich im eigenen Team: Elina Stary hat sich in den vergangenen Jahren zur Siegfahrerin im Weltcup gemausert, lässt aber die Abfahrt aus.

Abschiedsvorstellung für Routinier Salcher
Salcher startet indes in seine fünften Paralympics, für den 34-jährigen Routinier aus Klagenfurt sind es die ersten in Europa und halbe Heimspiele. „Es ist quasi vor der Haustür, die drei Stunden mit dem Auto ist eigentlich von daheim ein Katzensprung“, meinte der Kärntner, der eine Busladung an Freunden und Familie mitbringt. „Es wird mit Sicherheit ein Erlebnis werden. Es ist das große Karrierefinale“, sagte der siebenfach mit paralympischen Medaillen dekorierte Skifahrer.
Sein Debüt gibt Egger-Riedmüller. Der Tiroler tritt in fünf Bewerben an, zwei im Langlauf und drei im Biathlon. Er wandelt damit in den Spuren von Carina Edlinger, die bis 2025 für Österreich in den gleichen Sportarten unterwegs war und in Peking eine Goldene und eine Bronzene im Langlauf erobert hatte. Die 27-Jährige startet nach einem Bruch mit dem ÖSV sowie einem Nationenwechsel nun für Tschechien als Carina Edlingerova – Wechselfristen-bedingt vorerst nur im Biathlon.
Russischer Schatten
Unterdessen liegt schon vor dem Start ein Schatten auf den Para-Spielen. Sechs russische und vier belarussische Aktive dürfen in Italien in ihren Landesfarben samt Flagge und Hymne auftreten. Angeführt von der Ukraine boykottieren daher knapp ein Fünftel der Teilnehmerländer die Eröffnungsfeier. Das ÖPC-Team wird dort zwar vertreten sein, Präsidentin Maria Rauch-Kallat und Generalsekretärin Petra Huber verzichten aber auf eine Teilnahme.
Das ÖPC hatte im vergangenen Herbst bei der Generalversammlung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) in Seoul gegen eine Vollmitgliedschaft Russlands und von Belarus gestimmt. Eine Mehrheit im IPC war aber dafür. Bei Olympia vor wenigen Wochen war – in Folge des Angriffskrieges von Russland in der Ukraine – ein Start von russischen Athleten nur mit neutralem Status möglich gewesen. Die Paralympics könnten nun zum Wendepunkt werden: Es könnte das erste Sport-Großevent seit langem sein, bei dem die russische Hymne wieder erklingt.
Ukraine boykottiert Paralympics-Eröffnung: Russlands Rückkehr spaltet die Sportwelt
(APA)
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