Nun soll es Andy Burnham richten: Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester wurde am Freitag zum Vorsitzenden der Regierungspartei Labour ernannt und wird am Montag von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt. Labour werde den Menschen die Hoffnung zurückgeben, sagte Burnham.
Es sei „die letzte Chance“, Änderungen herbeizuführen, erklärte der 56-Jährige in seiner ersten Rede als Labour-Chef. Er beerbt den glücklosen Keir Starmer, der in seiner Partei nie Fuß fassen konnte. Burnham hingegen avancierte als Bürgermeister des Großraums Manchester zum charismatischen Liebling des moderat-linken Parteiflügels. In den Medien wurde er in Anspielung auf die Fantasy-Serie „Game of Thrones“ als „König des Nordens“ bezeichnet.
Der Rücktritt von Starmer nur zwei Jahre nach dessen Erdrutschsieg mit Labour bei der Parlamentswahl werfe die Frage auf, ob die ständigen Wechsel in 10 Downing Street auf politische Fehlleistungen zurückzuführen seien. Oder auf ein nur schwer regierbares Land, schrieb die Nachrichtenagentur PA. Starmer war nicht an dem einen Skandal gescheitert, sondern an mehreren Fehlentscheidungen, die sich aufsummierten. Zudem schaffte es der 63-Jährige mit seiner biederen Art nicht, die Menschen mitzureißen. Und in der aktuellen Welt- und Wirtschaftslage kann wohl niemand alles richtig machen.
Burnham soll sich und Labour besser verkaufen. Er werde eine Regierung bilden, die den Mut hat, die großen Dinge in Ordnung zu bringen, welche die Politik vernachlässigt habe, sagte Burnham nach seiner Ernennung zum Parteichef. Er bekräftigte zuletzt immer wieder, der Regierungschef aller Briten sein zu wollen – im Kontrast zur häufig sehr London-zentrierten bisherigen Politik. Burnham möchte eine Dezentralisierung vorantreiben und mehr Kompetenzen in die Regionen übertragen, etwa beim Wohnungsbau und der Verkehrsinfrastruktur.
Großbritannien erlebte zuletzt wie andere Länder auch einen erheblichen Rechtsruck. Die rechtspopulistische Partei Reform UK von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage führt in Umfragen teils deutlich und wird Labour auch unter Burnham vor sich hertreiben. Der Erfolg von Reform UK bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai war einer der großen Kipppunkte, die zum Scheitern Starmers geführt haben. (jec, dpa)