Obwohl „Der junge Flipstar“ seit über 20 Jahren kein eigenes Album mehr gedroppt hat, ist er aktuell wohl prominenter denn je. Als Meme steht sein Name derzeit nämlich sinnbildlich für die aus heutiger Sicht recht goofy anmutenden Alias deutscher Rapper aus den 90er Jahren.
Das Ganze geht zurück auf ein Deutschrap-Top-5-Ranking, das Lakmann vor einigen Monaten im Interview bei Aria abgegeben hat. Die Shoutouts an Aphroe, Terrence Chill und eben die junge Version seines einstigen C&J-Partners wurden erst von Marli und zuletzt vor allem von Primo und Splashbrudda in ihren Rollen als Fat S und P Dough regelrecht auseinandergenommen. Die verteidigen in übergroßen Basketball-Jerseys und schief sitzenden Kappen aktuell die True School gegen den ganzen neumodernen Scheiß (yo!) und fallen vor dem freestylenden Laas auf die Knie.
Trotz all der Jokes muss man festhalten: Wenig Deutschrapper können so eine bewegte und beeindruckende Vita vorweisen wie Flipstar. Am und abseits des Mics.
Wer ist überhaupt Flipstar?
Der junge Flipstar heißt eigentlich nur Flipstar und gründete Mitte der 90er zusammen mit Lakmann die Gruppe Creutzfeld & Jakob. Natürlich wurde anfangs ganz stilecht in einem stillgelegten Luftschutzbunker gefreestyled. Als die dortige Verwaltung jedoch die Miete erhöhen wollte, siedelten sie in die Garage von Produzent Till Tomorrow um, wo sie anfingen, ihre Musik in einem professionelleren Rahmen aufzunehmen. Es folgten erste Releases und ein Labeldeal bei Put Da Needle To Da Records. Ihr Debütalbum „Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag“ sowie das Savas-Feature „Fehdehandschuh“ zählen bis heute zu absoluten Deutschrap-Klassikern.
2003 übten C&J in einem Interview öffentlich Kritik an der Promoarbeit von Universal Urban, wo sie inzwischen unter Vertrag standen, nachdem ihr zweites Album „Zwei Mann gegen den Rest“ nur auf Platz 81 der Charts eingestiegen war. Kurz darauf gab Urban uns gegenüber die Trennung von Creutzfeld & Jakob bekannt. Damit endete das Kapitel der Wittener vorerst. Zwar gab es in der folgenden Zeit noch einige Live-Reunions, ein weiteres gemeinsames Album erschien jedoch nie.
Kleiner Funfact: Zur Gründungszeit nannte sich Lakmann noch Luke Stylewaker, die funky Namen waren damals also wirklich Programm.
Neben seiner eigenen Rapkarriere ist Flipstar vor allem aber auch Mitgründer eines der bekanntesten Labels der Deutschraphistorie. 2005 legte er zusammen mit Slick One aka Elvir Omerbegovic den Grundstein für eine neue Ära: Die beiden gründeten Selfmade Records und nahmen Favorite als ersten Künstler unter Vertrag.
Noch im selben Jahr verließ Flipstar das Label jedoch auch schon wieder. Im großen „Selfmade Records“-Buch verweist er auf das erste „Zuhältertape“ von Kollegah und dessen Signing, als eine Art „Scheideweg“. Während Elvir felsenfest an den Erfolg geglaubt hätte (und damit schlussendlich auch Recht behalten sollte), sei das Ganze für ihn „sehr extrem“ und „inhaltlich nicht [s]eine Form von Hiphop“ gewesen. Elvir gab damals gegenüber rap.de als Grund für die Trennung an, dass Flipstar ohnehin nie großartig in die Labelarbeit eingebunden gewesen sei und ihm sein echter Job zu viel Zeit abverlangen würden.
Denn Flipstar heißt mit bürgerlichem Namen Philipp Dammann. Genauer gesagt: Doktor Philipp Dammann. Neben seiner Rapkarriere absolvierte er nämlich ein Medizinstudium und ist heute Facharzt für Neurochirurgie und Intensivmedizin. Aktuell hat er den Job des stellvertretenden Direktors der Ambulanz für pädiatrische Neurochirurgie am Universitätsklinikum Essen inne.
Das Rappen hat er trotzdem nicht vollends aufgegeben. Für neue Lakmann-Alben gibt er sich immer noch die Ehre; zuletzt gleich zweimal auf „Der beste Tag meines Labels“.