Ölreserve in den USA fällt auf historischen Stand

Aber auch in den USA wird es langsam kritisch. Denn in den letzten Wochen hat die US-Regierung die heimische Ölversorgung mittels der strategischen Ölreserve SPR gedeckt und die in den USA produzierten Ölmengen lieber ins Ausland verkauft. Diese Reserve ist Anfang Juli dadurch auf den niedrigsten Stand seit 1983 gefallen. Die Wiederauffüllung der Reserve dürfte nach Angaben des „Wall Street Journal“ Jahre dauern.

Die USA haben nun damit angefangen, weniger Öl zu exportieren, um die SPR weniger zu beanspruchen. Aber die Zerstörung von Raffinerien, sowohl am Golf als auch in Russland, macht die USA zu einem der wichtigsten Lieferanten für Ölprodukte – vor allem Diesel. Wären die Amerikaner gezwungen, diese Produkte für den heimischen Verbrauch zu priorisieren, würde das den Kampf um die Rohstoffe am Weltmarkt weiter anheizen.

Wie ernst die Lage schon jetzt ist, zeigt dieser ungewöhnliche Vorgang: Russland kann kaum noch Diesel selbst herstellen, muss deshalb den Treibstoff aus Indien einkaufen. Indien kauft das Öl, das später zu Diesel und Kerosin raffiniert wird, größtenteils aus Russland.

Die Internationale Energieagentur IEA könnte erneut eine strategische, kontrollierte Freigabe der weltweiten Ölreserven koordinieren. Dies hatte sie bereits zu Beginn des Kriegs ermöglicht, 400 Millionen Barrel Rohöl wurden dadurch im März in den Markt gegeben. Ob die IEA dies tun würde, ist jedoch noch unsicher – schließlich würde sich auch diese Maßnahme irgendwann erschöpfen.

China wird zum entscheidenden Player

Einen Lichtblick gab es jedoch in der vergangenen Woche: China hat seine seit Beginn des Iran-Kriegs geltenden Exportbeschränkungen für raffinierte Ölprodukte gelockert. Damit kommt ein neuer Player zurück auf den Markt, der einen verstärkten Rückzug der USA teilweise kompensieren könnte.

China gilt Analysten zufolge ohnehin als der Grund, weshalb diese Energiekrise nicht schlimmer ausgefallen ist. Denn als der Iran-Krieg ausbrach, hat Peking das Gegenteil dessen getan, was viele Beobachter erwartet hatten. Statt wie erwartet aggressiv in den Ölmarkt einzusteigen und so viel wie möglich einzukaufen, hat Peking seinen Ölimport markant gesenkt.

Im Juni hat China so wenig Öl eingekauft wie seit zehn Jahren nicht mehr, stattdessen hat es die eigenen Ölreserven angezapft und Exportbeschränkungen für raffinierte Produkte verhängt. Vor allem aber hat Peking den Umstieg auf Elektromobilität noch mehr beschleunigt – ganz zum Leidwesen deutscher Autobauer wie BMW, die ihren Verbrennerabsatz nicht mehr retten konnten.

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