
Über Umwege zum Leistungsträger? Der 1. FSV Mainz 05 hat Nelson Weiper an Sturm Graz verliehen. Der Deal soll für alle drei Parteien zum Erfolg werden.
Mit dem Wechsel zum österreichischen Vize-Meister soll die Karriere des 21-Jährigen wieder in Gang kommen. Die vergangene Saison war für Weiper zur Enttäuschung geraten. Zwar kam er auf 24 Einsätze in der Bundesliga, stand aber nur elf Mal in der Startelf. Ein Treffer gelang ihm dabei nicht.
Weder der Klub noch der Profi können mit der Entwicklung zufrieden sein. Zumal der 1,92-Meter-Mann schon seit einigen Jahren zu den Hoffnungsträgern bei den Rheinhessen gehört. Bereits mit sieben Jahren war Weiper zu den 05ern gewechselt, durchlief alle Jugendteams und traf in seinen letzten Jahren in den Nachwuchs-Bundesligen, wie er wollte.
Weiper: Stress statt Durchbruch im Jahr 2025
Im März 2022 unterschrieb Weiper seinen ersten Profi-Vertrag, im darauffolgenden Oktober debütierte er in der Bundesliga. Was folgte, waren Jahre, in denen der Angreifer sein Potenzial immer wieder mal andeutete, der große Durchbruch blieb jedoch aus. Im Sommer 2025 waren die Hoffnungen darauf bislang am größten. Vier Treffer steuerte Weiper im DFB-Trikot dazu bei, dass Deutschland bei der U21-EM bis ins Finale kam, wo das Team England unglücklich nach Verlängerung unterlag.
Anschließend war es zwischen Klub und Spieler zu Streitigkeiten gekommen, da dieser seinen im Sommer 2026 auslaufenden Vertrag nicht vorzeitig verlängern wollte. Die Rheinhessen wollten einen möglichen ablösefreien Wechsel ausschließen. Weiper wurde zur U23 degradiert, kehrte aber vor dem Bundesligastart zu den Profis zurück und verlängerte seinen Vertrag bis 2029.
Es folgte die angesprochene, schwache Saison. Bei den 05ern setzen sie aber weiter große Hoffnungen auf Weiper. „Nelly war und ist ein herausragendes deutsches Sturmtalent. Er hat in sehr jungen Jahren schon beeindruckende Schritte mit Spielen und Toren in der Bundesliga gemacht“, wurde Sportdirektor Niko Bungert in einer Mitteilung zitiert.
Weiper nimmt neuen Anlauf in Österreich
Die Chance auf regelmäßige Startelf-Einsätze habe laut Bungert nun den Ausschlag für die Leihe nach Graz gegeben. Heißt im Umkehrschluss: In Mainz wäre es mit Einsätzen, zumindest von Beginn an, schwer geworden. Mit Phillip Tietz, William Boving und Neuzugang Königsdörffer ist die Konkurrenz im Sturmzentrum groß. Bevor Weiper eine erneut enttäuschende Saison erlebt, soll er in Graz neu durchstarten.
Bei Sturm erwartet ihn eine sportlich reizvolle Aufgabe. Der Klub aus der Steiermark hat sich in den letzten Jahren zum Top-Klub gemausert. 2024 holte Graz das Double, ein Jahr später folgte der Gewinn der Meisterschaft. In der vergangenen Saison landete das Team hinter dem Linzer ASK auf dem zweiten Platz.
Nach der Vize-Meisterschaft tritt Sturm Graz in der Qualifikation zur Champions League an. Am Dienstagabend steht das Duell mit Heart of Midlothian aus Schottland an. Europapokal-Erfahrung hat Weiper bereits mit den 05ern in der Conference LEague gesammelt. Der Angreifer soll mit seiner „Körpergröße, Physis und Präsenz im Strafraum“ mit dazu beitragen, dass Sturm erneut eine erfolgreiche Saison spielt.
Asllani-Leihe als Vorbild für Nelson Weiper?
Nach 14 Jahren bei den 05ern wagt Weiper also einen Neuanfang, um den großen Durchbruch zu schaffen. Dabei dürften alle Beteiligten auf eine ähnliche Entwicklung hoffen, wie sie Fisnik Asllani genommen hat. Der Angreifer war 2020 als hochgehandeltes Talent von der TSG Hoffenheim verpflichtet worden, konnte sich im Kraichgau aber zunächst nicht durchsetzen. Bei seinen Leihen zu Austria Wien und der SV Elversberg reifte Asllani dann zum Top-Angreifer, der in der vergangenen Saison mit zehn Toren und neun Vorlagen begeisterte.
Mittlerweile soll Asllani kurz vor einem Wechsel zu RB Leipzig stehen. Auch Borussia Dortmund und sogar der FC Barcelona gehörten offenbar zu den Interessenten. Ein Anruf aus Barcelona bei Nelson Weiper ist aktuell nicht zu erwarten. Doch die Leihe soll für ihn, Mainz 05 und Sturm Graz zur Win-Win-Win-Situation werden. Damit er im kommenden Jahr gestärkt an den Mainzer Bruchweg zurückkehrt – und dann bei seinem Heimatklub richtig durchstarten kann.