Proteste nach Tod eines 42-jährigen Marokkaners bei einem Polizeieinsatz. 64 Polizisten wurden bei Straßenschlachten verletzt.
In Italien kam es nach dem Tod eines Einwanderers bei einem Polizeieinsatz zu teils gewalttätigen Protesten. In den meisten Städten verliefen Kundgebungen friedlich. In Bologna jedoch, wo der 42-jährige Marokkaner starb, wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten mindestens elf Menschen verletzt, wie die Rettungskräfte verkündeten. Die Polizei sprach von 64 verletzten Ordnungskräften. Es gab vorerst keine Zahlen zu verletzten Demonstranten.
In Rom versicherte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nach zweitägigem Schweigen Transparenz zu den Umständen des Todes. „Es ist eine Pflicht, etwaige Verantwortlichkeiten mit äußerster Strenge aufzuklären“, erklärte die rechte Regierungschefin. „Die Wahrheit muss bis zum Grund erforscht werden. Aber nichts kann Gewalt gegen Ordnungskräfte rechtfertigen.“ Meloni sprach davon, dass versucht worden sei, Bologna mit seinen annähernd 400.000 Einwohnern „in Schutt und Asche zu legen“.
Vergleiche mit George Floyd
Der Tod von Abderradim Fakir, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, beherrscht seit Sonntag in Italien die Schlagzeilen. Auf den Demonstrationen gab es immer wieder Rufe wie „Wahrheit und Gerechtigkeit“. Dort war von exzessiver Polizeigewalt die Rede, bis hin zu Vorwürfen eines staatlichen Mordes. Viele ziehen Vergleiche mit dem Fall des Schwarzen George Floyd, der im Mai 2020 in den USA bei einem Polizeieinsatz starb. Fakirs Familie verlangte Aufklärung.
Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Straße in Bologna ums Leben gekommen, nachdem Anwohner die Polizei gerufen hatten. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: „Hilfe! Genug, genug!“ Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte seinen Tod fest.
Vorermittlungen laufen
Aufschlüsse erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, mit dem ein Nachbar die Szene dokumentierte, ist in deren Besitz. Die Polizei wurde am Sonntag in der Mittagszeit gerufen, weil der Mann aggressiv aufgetreten sein soll. Er soll wegen verschiedener Delikte polizeibekannt gewesen sein.
Gegen die zwei Polizisten laufen inzwischen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung – ebenso wie gegen vier Sanitäter, welche die Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten. Für die Beamten greift eine Regelung aus Italiens neuem Sicherheitsgesetz: Anders als gewöhnliche Verdächtige wurden sie nicht direkt in ein Ermittlungsregister eingetragen, sondern in ein gesondertes Vorregister.
In Bologna versammelten sich am Montagabend Tausende Menschen zu einem friedlichen Protest. Anschließend kam es jedoch bis in die Nacht hinein zu Krawallen zwischen einer kleineren Gruppe und der Polizei. Einige Demonstranten warfen Flaschen und Molotow-Cocktails auf die Polizei. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. (TT, dpa)
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