Feld mit vielen vertrockneten Sonnenblumen in Frankreich, Perspektive zieht sich bis zu einer Anhöhe des Feldes.  Im Hintergrund liegen helle, kahle Hügel und am Horizont sind einige Bäume zu sehen.

AUDIO: Dürre in Europa durch Klimawandel verursacht (4 Min)

Klimaforschung

Stand: 23.07.2026 16:07 Uhr

Pünktlich zu den Hundstagen steht in (Mittel-)Deutschland die mittlerweile vierte Hitzewelle ins Haus – trotz kurzer Abkühlung hat’s aber nach wie vor teilweise wochenlang nicht richtig geregnet. Es ist Dürre im Land, das sieht man in Parks, das spürt die Landwirtschaft, der Süden, Osten und Westen Deutschlands sind besonders betroffen, ja eigentlich große Teile Europas. Von einem „ganz normalen Sommer“ kann längst keine Rede mehr sein.

von Florian Zinner

Europa befindet sich in einer außergewöhnlichen Dürre
Attributionsforschende zeigen, warum die aktuelle Situation auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen ist – und was der Grund dafür ist
Die Auswirkungen sind bis in den Geldbeutel zu spüren

Manchmal gibt’s es eben auch die Nachrichten, die alle hören wollen. Spätestens bei der zweiten der zurückliegenden Hitzewellen waren mit einer solchen vielerorts die Stadtwerke zur Stelle und vermeldeten: Die Wasserversorgung ist gesichert, was aber nicht nicht heiße, dass sich Wassersparen nicht lohne, schließlich soll es in Hochzeiten nicht zu Engpässen kommen. Jetzt, kurz vor der nächsten Hitzewelle, die pünktlich zu den Hundstagen ins Haus steht, dürfte es erstmal beruhigen, dass Deutschland auch bei andauernden dreißig bis vierzig Grad mit ausreichend Trinkwasser gesegnet ist.

Einen ordentlichen Brand hat bei solchen Temperaturen allerdings nicht nur der Mensch: „Der Klimawandel hat offenbar auch die Schwellenwerte für Dürren verschoben, da die Atmosphäre nun ‚durstiger‘ ist.“ Das sagt Mariam Zachariah, Klimaforscherin am Imperial College in London und Mitglied der Initiative World Weather Attribution (WWA), ein Zusammenschluss aus Klimaforschenden, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, zu überprüfen, wie viel vom Klimawandel in aktuellen Extremwetterereignissen steckt. Zum Beispiel in der Dürre, von der aktuell viele Regionen Europas betroffen sind.

Ausbleibender Niederschlag liegt nicht automatisch am Klimawandel

Die Forschenden haben sich dazu sehr ähnliche Wettermuster aus der Vergangenheit angeschaut und die Auswirkungen mit den heutigen verglichen. Ein zentrales Ergebnis mag zunächst überraschen: Ausbleibender Niederschlag im westlichen Teil Europas ist nicht zwangsläufig auf den Klimawandel zurückzuführen. Zacharias erklärt, nicht der fehlende Regen mache die Dürre so extrem, sondern die anhaltend hohen Temperaturen: „Dasselbe Niederschlagsdefizit, das früher vielleicht noch keine Dürre ausgelöst hätte, führt heute zu einer Dürre.“ Schlichtweg aufgrund der höheren Verdunstung, also weil die Atmosphäre mehr Durst bekommen hat.

Diese Einschätzung gilt freilich nur für die aktuelle Situation in Europa und die Großwetterlagen, die in diesem Jahr beobachtet werden konnten. Dass der Klimawandel ausbleibende Niederschläge und daraus resultierende Trockenheit – so ganz generell – begünstigen kann, zeigt etwa eine aktuelle Forschungsarbeit der Universität Leipzig:

Zur Wahrheit gehört auch: Anders als in Osteuropa sind die Böden im Westen des Kontinents nach einem feuchten Winter nicht gerade trocken ins Jahr gestartet. Eine Reihe von Hochdruckgebieten, die seit April über den Kontinent gezogen sind und deren Intensität inzwischen nachweislich mit dem Klimawandel zusammenhängt, sorgte dann seit April für einer kontinuierlichen Austrocknung der Böden.

Heiße Luft macht trockene Böden und trockene Böden machen es noch heißer

Wenn die Luft immer heißer wird, trocknet sie den Boden aus. Und dann wird es noch heißer und die Böden werden noch trockener.

Dr. Dominik Schumacher, ETH Zürich/World Weather Attribution

Infografik mit der Überschrift „Wenig Wasser in Europas Flüssen“. Die Karte zeigt Europa mit farbigen Linien für Abweichungen beim Flussabfluss von März bis Mai 2026. Eine Legende erklärt, ob die Werte höher oder niedriger als der Durchschnitt sind. Deutliche Negativ-Abweichungen bei deutschen Flüssen, insbesondere Rhein und Elbe. Sehr große Abweichungen auch im mittleren Osten Euopas.

Das ist dann gut und gerne der Beginn eines Teufelskreises, erklärt Dominik Schumacher von der ETH Zürich, ebenfalls Teil des WWA-Forschungsteams: „Wenn die Luft immer heißer wird, trocknet sie den Boden aus. Und dann wird es noch heißer und die Böden werden noch trockener. Und genau das hat also auch den Weg für diese extreme Hitzewelle Ende Juni geebnet.“ Die Klimaforschenden kommen zu dem Schluss, dass landwirtschaftliche Bodendürren durch den Klimawandel in Westeuropa fünfmal und in Osteuropa sogar elfmal wahrscheinlicher geworden sind. Dass die Auswirkungen bei der aktuellen Erwärmung schon so stark zu spüren sind, sei alarmierend. Je nachdem, wie stark die langfristige Erwärmung nun ausfällt, würden solche Dürren zur Regel.

Wie die Daten des europäischen Erdbeobachtungsnetzwerks Copernicus zeigen, hat sich die Situation in Mitteldeutschland und im gesamten Nordosten der Republik, nun ja, etwas entschärft, wenn man es so nennen will. Die Dürrstufe liegt zwischen Ostseeküste und Erzgebirge bei zwei bis drei, während sie im Süden und Westen der Republik auf Stufe vier von vier verharrt. Auch eine leichte Verbesserung sollte man hier keinesfalls entspannte Situation und außerhalb des Kontexts betrachten. Dieser Kontext heißt, dass eine Dürre in den aktuellen Jahren die Regel anstelle der Ausnahme ist.

Eingeschränkter Warentransport und Ernteausfälle

Und so zeigen sich, auch wenn im Sommer 2026 erst Halbzeit ist, die Auswirkungen der Trockenheit auf dem Kontinent bereits jetzt, erklären die Forschenden: Zum Beispiel niedrige Wasserstände der Flüsse – auch hierzulande, wie ein Blick auf die sehr reduzierten Pegel von Elbe und Rhein verrät. Ein Blick auf die Durchschnittsdaten von März bis Mai zeigt, dass auch sämtliche andere der größeren Flussläufe des Landes mit ihrem Wasserablauf deutlich im Minus lagen, auch in Mitteldeutschland. Richtung östliches Mitteleuropa und Osteuropa, dort, wo die Trockenheit bereits länger anhält, kratzen die Flussläufe hinsichtlich Wasser flächendeckend am Minimum.

Die Folge sind, gerade bei den größeren Wasserstraßen, Einschränkungen beim Gütertransport oder der Wasserkraft. Die aktuelle Situation könnte aber auch zur Ausbreitung von Bränden führen, erklären die Forschenden. Paradoxerweise auch durch den feuchten Winter, da so zunächst mehr Vegetation aus dem Boden schießen konnte und letztendlich eben abbrennen kann.

Dürre: Bis in den Geldbeutel spürbar

Naturgemäß bemerkbar machen sich Dürren aber vor allem auch in der Landwirtschaft. Ernteausfälle führen wiederum zu höheren Preisen bei Nahrungsmitteln, was sich besonders in den Geldbörsen der Geringverdienenden bemerkbar machen dürfte, warnen die Forschenden.

Es ist ein bisschen wie bei einem Schwamm. Es spielt keine so große Rolle, ob es im Winter mehr regnet, wenn ein Teil dieses Wassers nicht gespeichert wird.

Dr. Dominik Schumacher, ETH Zürich/World Weather Attribution

Beim Mais erwarte etwa Frankreich einen Rekordverlust, den auch die Winternässe nicht kompensieren konnte. Denn die obere Bodenschicht kann nicht unendlich viel Wasser speichern, erklärt Dominik Schumacher: „Es ist ein bisschen wie bei einem Schwamm. Es spielt keine so große Rolle, ob es im Winter mehr regnet, wenn ein Teil dieses Wassers nicht gespeichert wird.“

Wassermonitoring für Deutschland?

Die Zunahme und Intensität von Dürren beschäftigt auch Andreas Marx, der am Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung den Dürremonitor für Deutschland leitet. Auch dort stehen die Zeichen auf tiefrot. Was tiefrote Kartendaten beim pflanzenverfügbaren Wasser bedeuten, lässt sich derzeit in deutschen Parkanlagen erleben. Marx forderte erst kürzlich ein Wassermonitoring für Deutschland Das ist etwas, das in der Vergangenheit schlichtweg nicht notwendig war, da für Industrie, Landwirtschaft und Haushalte immer genug zur Verfügung stand – in Flüssen, Seen und dem Grundwasser.

„Wir haben eben die Situation, dass wir in den meisten Regionen in Deutschland und auch von den meisten Industriebetrieben, die Wasserrechte haben, nicht genau wissen, wie viel Wasser sie zu welchem Zeitpunkt entnehmen“, so Marx. Das könnte zum Problem werden. Aus dem Bodensee etwa wurde im aktuellen Sommer an Hitzetagen so viel Trinkwasser entnommen, wie selten zuvor. Dass die Wasserversorgung gesichert ist, gilt eben nur für den trocknen Augenblick – sollte es aber im besten Fall auch in einer trockenen Zukunft.

Logo ARD Klima-Update mit Icon: Erdkugel-Symbol mit vorangestelltem Grad-Zeichen, Textzeile und ARD-Dachmarken-Signet. Text: ARD Klima-Update. Kostenfrei, wöchentlich. Foto: Person kippt Eimer grüne Farbe Richtung weiße Leinwand in warmer, trockener Landschaft

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