In den Sommermonaten setzt das Kunstmuseum Singen auf einen Schatz im Sammlungsbestand. Von 26. Juli bis 20. September läuft die Ausstellung „Zusammenspiel. Die Höri-Künstler“. „Im Mittelpunkt stehen Künstlerinnen und Künstler, die vom frühen 20. Jahrhundert bis weit in die Nachkriegszeit auf der Bodenseehalbinsel Höri lebten und arbeiteten“, erklärt Beatrice Dumitrescu in der Presseankündigung des Kunstmuseums.

Ein offenes und Netzwerk in der Kunst- und Kulturlandschaft

Persönliche Beziehungen, verbindende Interessen und unterschiedliche künstlerische Positionen sollen herausgearbeitet werden. „Die Höri-Künstler formten ein offenes Netzwerk, das die Kunst- und Kulturlandschaft der Region nachhaltig prägte“, erklärt Dumitrescu. Werke von Max Ackermann, Otto Dix, Erich Heckel, Helmuth Macke, Rose Marie Schnorrenberg, Rudolf Stuckert und vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern werden gezeigt. Geplant sind auch spielerische Stationen für Kinder und Familien sowie ein Dokumentarfilm zum Wirken des ehemaligen Singener Stadtbaumeisters Hannes Ott.

Werke des Malers und Grafikers Otto Dix sind ein Schwerpunkt im Bestand der Singener Kunstsammlung.

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Werke des Malers und Grafikers Otto Dix sind ein Schwerpunkt im Bestand der Singener Kunstsammlung.
Foto: Bernd Weissbrod

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Werke des Malers und Grafikers Otto Dix sind ein Schwerpunkt im Bestand der Singener Kunstsammlung.
Foto: Bernd Weissbrod

Diese Schaffenden haben sich auf dier Höri niedergelassen

Die Bodenseehalbinsel Höri wurde im frühen 20. Jahrhundert ein Ort des künstlerischen Zusammenspiels. Hermann Hesse und Walter Waentig waren schon früh da, später folgten Max Ackermann, Curth Georg Becker, Otto Dix, Erich Heckel, Walter Herzger, Gertraud Herzger von Harlessem, Helmuth Macke, Ferdinand Macketanz, Ilse Schmitz, Jean Paul Schmitz, Rose Marie Schnorrenberg und Rudolf Stuckert.

Warum es die Künstlerinnen und Künstler an den See verschlug

„Sie kamen auf der Suche nach einem nahen Paradies an den Bodensee, ersehnten Naturverbundenheit oder mussten ab 1933 nach der Machtergreifung des nationalsozialistischen Regimes Schutz an der Schweizer Grenze suchen“, erinnert Dumitrescu. Dabei entstanden vielschichtige Netzwerke persönlicher Beziehungen, verbindender Interessen und mitunter auch gemeinsamer Schicksale. Als Künstlerkolonie im klassischen Sinne dürfe man die Gemeinschaft aber nicht verstehen. Gerade aufgrund unterschiedlicher künstlerischer Positionen sei eher von einem offenen Netzwerk der Kunst auszugehen.

Der Maler Max Ackermann beim Arbeiten am Seeufer um 1935.

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Der Maler Max Ackermann beim Arbeiten am Seeufer um 1935.
Foto: Max-Ackermann-Archiv Bietigheim-Bissingen

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Der Maler Max Ackermann beim Arbeiten am Seeufer um 1935.
Foto: Max-Ackermann-Archiv Bietigheim-Bissingen

Kunst sehen, spielen und entdecken

Im Erdgeschoss werde die Ausstellung ganz bewusst auf ein jüngeres Publikum zugespitzt. „Spielerische Stationen laden dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern selbst aktiv zu erfahren oder gar mitzumachen“, sagt Dumitrescu. Begleitend erscheint das erste Kinderbuch des Kunstmuseums, das mit Geschichten, Rätseln und Mitmachideen dazu ermuntern soll, die Höri-Künstler und ihre Geschichten sowohl in der Ausstellung als auch über den Museumsbesuch hinaus zu entdecken.

Im Obergeschoss entfalte sich die Vielseitigkeit der Höri-Künstler anhand ausgewählter Arbeiten auf Papier. Die Vielfalt künstlerischer Techniken und individuelle Stilmerkmale fordern den aufmerksamen Blick der Besucherinnen und Besucher heraus: ein Zusammenspiel von Zeichnungen, Druckgrafiken und Aquarellen.

Die Visionen des Hannes Ott

Nicht nur die Höri-Künstler, auch der Singener Stadtbaumeister Hannes Ott, von 1953 bis 1981 im Amt, und der ehemalige Oberbürgermeister Theopont Dietz, von 1946 bis 1969 im Amt, zeigen, welche Kraft im Zusammenspiel liegen kann. Gemeinsam prägten sie den städtebaulichen Umbau Singens und verliehen der Stadt in den Nachkriegsjahrzehnten ein neues, modernes Gesicht. Dies ging Hand in Hand mit ihrem außergewöhnlichen Engagement für die Kunst. Der Dokumentarfilm „Singen und die Visionen des Hannes Ott“ von Günter Vlieckx im Kubus des Museums erzählt von Otts Wirken und schlägt zugleich die Brücke zu Otto Dix’ einzig erhaltenem Wandbild „Krieg und Frieden“ aus dem Jahr 1960 im Singener Rathaus. Das Wandbild kann während der Sommermonate an den Wochenenden besichtigt werden.

Vertiefung mit einem begleitenden Programm

Mit der Ausstellung „Zusammenspiel. Die Höri-Künstler“ sollen Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Stadtraum sowie Sehen, Spielen und Entdecken verbunden werden. Ein vielseitiges Programm mit Führungen, Kunstgesprächen, speziellen Angeboten für Familien und Kinder, Workshops und Kreativkursen für alle Altersgruppen eröffnet weitere Möglichkeiten, die Ausstellungsinhalte auf unterschiedliche Weise zu vertiefen.

Harald F. Müller aus Singen startet Kunstprojekt

Parallel zur Vernissage der Sommerausstellung am Sonntag, 26. Juli, um 11.30 Uhr im Kunstmuseum beginnt auch das Projekt „Bonds“ des Singener Künstlers Harald F. Müller im Museumsfoyer. „Die Präsentation bildet den Auftakt zu Müllers großer Ausstellung ‚Cantina Comunale‘, die am 11. Oktober im Kunstmuseum Singen eröffnet wird“, kündigt Beatrice Dumitrescu an. Im Zentrum werden verschiedene Ebenen gemeinsamen Handelns stehen.

Diesen Gedanken greift der in Singen lebende und arbeitende Künstler bereits im Vorfeld auf und spielt der Öffentlichkeit den Ball schon heute zu: „Mit dem Erwerb eines jeden ‚Bonds‘, einer Anleihe, wird in die ‚Cantina Comunale‘ investiert und ein Event im Veranstaltungsprogramm co-finanziert“, erklärt der Künstler. Sein Ziel ist, eine aus der Finanzwirtschaft bekannte Form der Teilhabe in den Kunst- und Museumskontext zu übertragen und sie zu einem konkreten Bestandteil seines Ausstellungskonzepts zu machen.

Es geht um das Einstehen für die Stadt

„Anders als bei global gestreuten oder anderweitig optimierten Investitionspaketen geht es hier jedoch um das Einstehen für die Stadt Singen und ihre weitere Entwicklung“, so Müller. Das Projekt stelle die Frage, worin investiert wird. „Oder anders formuliert: woran wir glauben“, so Müller. Wie stets in seinem Werk werden Raumfragen mit neuen Ideen verknüpft und konsequent auf die Zukunft ausgerichtet.

Wann die Ausstellung zu sehen ist

Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, 26. Juli, um 11.30 Uhr im Kunstmuseum. Öffnungszeiten dienstags bis freitags, 14 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Eintritt: 6 Euro, 4 Euro ermäßigt, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre frei. Immer donnerstags freier Eintritt für alle. Weitere Information: www.kunstmuseum-singen.de (pm/phz)