Masernfälle in den USA übertreffen jetzt bereits Jahresrekord von 2025

Die USA verzeichnen so viele Masernfälle wie seit über 30 Jahren nicht mehr. Sinkende Impfquoten und Gesundheitsminister Kennedys Impfskepsis verschärfen die Lage.

Publiziert heute um 18:41 Uhr

Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamts betreten die Masern-Impfklinik in Andrews, Texas, mit MMR-Impfstoffdosen. Schild «Measles Clinic» im Vordergrund.

Die Impfskepsis im Land steigt: Den USA drohen die Masern.

Foto: Annie Rice (AFP)

Die Zahl der Masernfälle in den USA hat den Rekordwert des gesamten Jahres 2025 übertroffen. Wie aus einer Mitteilung der US-Gesundheitsbehörde CDC vom Freitag hervorging, wurden bis Donnerstag 2318 Masernfälle in den Vereinigten Staaten registriert. Die Impfquoten gegen Masern sind in den vergangenen Jahren unter die Marke von 95 Prozent gefallen, die als erforderlich gilt, um grössere Ausbrüche zu verhindern. Die USA drohen nun, ihren Status als masernfrei zu verlieren.

Im Jahr 2025, dem bis dahin schlimmsten Masernjahr seit mehr als drei Jahrzehnten, wurden den Behörden 2289 Fälle gemeldet. Damit ist 2026 bereits jetzt das Jahr mit den meisten Masernfällen in den USA seit 1991. Grund dafür sind grössere Ausbrüche in den Bundesstaaten South Carolina, Utah und Arizona, bei denen Hunderte Menschen erkrankten. Hinzu kommen kleinere Ausbrüche in anderen Bundesstaaten.

Das genaue Ausmass der Verbreitung lässt sich kaum beziffern. Gesundheitsbehörden und Forscher räumen seit Langem ein, dass die offiziellen Statistiken unvollständig sind, da manche Erkrankte keine ärztliche Behandlung in Anspruch nehmen, ein Phänomen, das nicht auf Masern beschränkt ist.

Mehr Fälle vermutet

Zudem vermuten Experten, dass die tatsächliche Verbreitung über die bekannten Fälle hinausgeht, weil das Virus zu den ansteckendsten bekannten Erregern zählt und die Impfquoten landesweit rückläufig sind. Die nationalen Impfquoten für Masern, Mumps und Röteln, die unter Kindergartenkindern von 95,2 Prozent im Schuljahr 2019/20 auf 92,5 Prozent im Schuljahr 2024/25 gesunken sind, verschleiern, dass die Quoten unter manchen Bevölkerungsgruppen noch deutlich niedriger liegen.

In Utah gehen die Gesundheitsbehörden von mehr als 700 Erkrankten innerhalb von gut einem Jahr aus. Wie die Epidemiologin des Bundesstaates, Leisha Nolen, mitteilte, deuten Analysen darauf hin, dass ein grosser Ausbruch an der Grenze zwischen Utah und Arizona etwa drei- bis viermal so umfangreich sein könnte wie bislang bekannt.

Gesundheitsminister gilt als Impfskeptiker US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. bei einer Pressekonferenz zu Medicaid-Betrug im HHS-Hauptquartier in Washington, D.C.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. zweifelt an der Sicherheit von Impfungen – zu unrecht, wie die Wissenschaft weiss.

Foto: Jim Lo Scalzo

In South Carolina, wo der landesweit grösste Ausbruch seit 35 Jahren verzeichnet wurde, ist die Lage unübersichtlicher. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde des Bundesstaates ist die Gesamtzahl von 997 Fällen wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, doch das genaue Ausmass der Untererfassung ist unbekannt.

US-Gesundheitsminister Robert Kennedy Jr. hat Zweifel an der Sicherheit und Bedeutung von Impfstoffen geäussert. Er gilt seit Jahren als Impfskeptiker. Im Mai zog der Gesundheitsminister unter anderem die Empfehlung zur Coronaimpfung für Schwangere und Kinder zurück. Ausserdem entliess er das gesamte Impfstoff-Beratungsgremium und ersetzte es durch eigene Kandidaten. Kritiker Kennedys haben argumentiert, dessen frühere Sympathie für die wissenschaftlich widerlegte Behauptung, Impfstoffe könnten Autismus verursachen, untergrabe die Impfbereitschaft.

Masern in den USA und Europa

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