Mehrere kommerzielle Raumfahrtunternehmen planen den Aufbau massiver Satellitennetzwerke zur Datenverarbeitung und Energiegewinnung im Erdorbit. Diese Vorhaben könnten dazu führen, dass die Erde einen künstlichen, leuchtenden Ring erhält, wie Space.com berichtet. Astronom:innen warnen angesichts dieser Pläne vor extremen Auswirkungen auf die erdgebundene Himmelsbeobachtung.
Der Hintergrund dieser Entwicklung ist der enorme Energie- und Kühlungsbedarf moderner Rechenzentren auf der Erde. Im Weltraum stehen die niedrigen Temperaturen des Alls sowie eine potenziell ununterbrochene solare Energieversorgung zur Verfügung. Unternehmen wie das US-amerikanische Raumfahrtunternehmen SpaceX, Blue Origin aus dem US-Bundesstaat Washington und das kalifornische Startup Reflect Orbital haben entsprechende Anträge für orbitale Infrastrukturen gestellt.
Orbitale Rechenzentren auf der Tag-Nacht-Grenze
Um eine permanente Sonneneinstrahlung zu gewährleisten, müssen diese Satelliten und Weltraumspiegel auf einer spezifischen polaren Umlaufbahn platziert werden. Diese Route verläuft exakt entlang der sogenannten Tag-Nacht-Grenze, dem Übergangsbereich zwischen beleuchteter und unbeleuchteter Erdhälfte. Da alle Betreiber auf diese begehrte Bahn angewiesen sind, würden sich die geplanten Satelliten dort massieren und optisch zu einem dichten Ring formieren.
Hugh Lewis, Professor für Astronautik an der britischen University of Birmingham, erklärt gegenüber Space.com, dass diese Konzentration am Nachthimmel als leuchtendes Band sichtbar werden würde. „Die Auswirkungen auf den Nachthimmel wären absolut katastrophal“, wird der Wissenschaftler zitiert. Der künstliche Ring würde in den Abend- und Morgenstunden sämtliche Sterne und Planeten überstrahlen.
Die Folgen der Lichtverschmutzung durch Weltraumspiegel
Besonders das kalifornische Unternehmen Reflect Orbital sorgt in der Wissenschaftsgemeinschaft für Besorgnis. Das Startup plant den Start von 50.000 orbitalen Spiegeln, die Sonnenlicht in den Nachtstunden auf irdische Solarparks reflektieren sollen. Samantha Lawler, Astronomin an der kanadischen University of Regina, hat die Auswirkungen solcher Konstellationen in Computersimulationen visualisiert.
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Die Simulationen zeigen, dass die reflektierenden Satelliten nicht nur die sichtbaren Sterne überstrahlen, sondern in bestimmten Regionen auch zahlenmäßig übertreffen würden. Das Streulicht dieses künstlichen Rings würde den Himmel laut den Berechnungen der Forscher:innen bis zu zwei Stunden nach Sonnenuntergang stark aufhellen. Eine ältere Studie der Europäischen Südsternwarte im bayerischen Garching bei München kam bereits zu dem Schluss, dass 50.000 solcher Spiegel den Nachthimmel um bis zu 300 Prozent aufhellen könnten.
Kritik an der US-amerikanischen Federal Communications Commission
Trotz der Bedenken aus der Wissenschaft hat die US-amerikanische Federal Communications Commission unlängst die Lizenz für einen ersten Testsatelliten von Reflect Orbital erteilt. Die Behörde mit Sitz in der US-amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. teilte mit, dass die Auswirkungen auf die optische Astronomie nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fallen. Diese Entscheidung stößt bei Fachverbänden auf scharfe Kritik.
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Die American Astronomical Society warnt in einer offiziellen Stellungnahme vor signifikanten Schäden für die astronomische Forschung und möglichen Gefahren für die Luftfahrt durch Blendeffekte. Während Reflect Orbital betont, bei der Entwicklung auf Daten zu setzen und die Auswirkungen von unabhängigen Dritten prüfen zu lassen, bleibt die Wissenschaftsgemeinschaft skeptisch. „Wenn wir Spiegel in der Umlaufbahn haben, ist die Astronomie am Ende“, fasst Samantha Lawler die Lage zusammen.
Die Auslagerung von Rechenzentren ins All löst zwar irdische Ressourcenprobleme wie den massiven Wasser- und Flächenverbrauch der IT-Industrie. Gleichzeitig verlagern diese Projekte die ökologischen und infrastrukturellen Belastungen in den erdnahen Weltraum. Eine globale Regulierungsbehörde, die neben Kommunikationsaspekten auch die Lichtverschmutzung und den Schutz des Nachthimmels umfassend bewertet, existiert bislang nicht.
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