27. Juli 2026

Ein Datenvorfall mit Folgekosten von umgerechnet rund 1,9 Milliarden Pfund bei Jaguar Land Rover zeigt, wie stark vernetzte Produktionssysteme mittlerweile im Visier von Angreifern stehen. Gleichzeitig setzen Hersteller aus der Schwer- und Diskretfertigung zunehmend auf künstliche Intelligenz, um selbst entwickelten SAP-Code schneller zu erstellen. Genau dabei entstehen neue Angriffsflächen. Vorgaben wie UN R155, die NIS2-Richtlinie und TISAX verlangen inzwischen, dass Sicherheit von Beginn an mitgedacht wird. Ein nachträgliches Absichern reicht nicht mehr aus – gefragt ist ein Ansatz, der Sicherheitsprüfungen bereits in die Entwicklung integriert (DevSecOps).

Das Wichtigste in Kürze

Vorfall bei Jaguar Land Rover als Beispiel: Der jüngste Datenverlust beim Automobilhersteller zeigt, welches finanzielle und operative Ausmaß Sicherheitslücken in vernetzten Produktionsumgebungen annehmen können. Die Fertigungsbranche zählt seit mehreren Jahren zu den am häufigsten angegriffenen Wirtschaftszweigen weltweit.
Lücke bei KI-generiertem Code: Programmierassistenten wie SAP Joule erzeugen Code sehr schnell, erkennen dabei aber häufig nicht den vollständigen unternehmensspezifischen Kontext. Dadurch fehlen mitunter notwendige Berechtigungsprüfungen, die sensible Unternehmensdaten schützen sollen.
Neue regulatorische Anforderungen: Vorschriften wie UN R155, NIS2 und TISAX verlangen von Herstellern den Nachweis, dass Backend-Systeme und angebundene Lieferketten von Grund auf abgesichert sind.
Sicherheit von Anfang an mitdenken: Wer Schwachstellen bereits vor dem Produktivbetrieb erkennt, spart spätere Korrekturkosten. Lösungen wie Onapsis Control prüfen SAP-Individualcode automatisiert, unterstützen bei fehlenden Fachkräften im Bereich Cybersicherheit und begleiten die digitale Transformation.

Wenn ein kompromittiertes System die Produktion stoppt

Man stelle sich eine Just-in-Time-Lieferkette vor, bei der Bauteile passgenau an eine Automobil-Montagelinie geliefert werden. Schweißroboter bleiben plötzlich stehen, Bestandsanzeigen fallen aus – nicht wegen eines technischen Defekts, sondern weil ein ERP-System angegriffen wurde.

Angriffe auf die Schwer- und Diskretfertigung verlagern sich zunehmend von breit gestreuten Ransomware-Wellen hin zu gezielten Attacken auf die SAP-Anwendungsebene und auf selbst entwickelten Code. Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich: Der Vorfall bei Jaguar Land Rover verursachte laut Schätzungen einen finanziellen Schaden von rund 1,9 Milliarden Pfund und betraf mehr als 5.000 Zulieferunternehmen. Bei durchschnittlichen Kosten von 5,56 Millionen US-Dollar je Sicherheitsvorfall in der Fertigungsindustrie stehen Unternehmen vor einer doppelten Aufgabe: bestehende Systeme schützen und zugleich umfangreiche digitale Transformationsprojekte vorantreiben.

KI beschleunigt die Entwicklung – und übersieht dabei Details

Um Innovationstempo und Effizienzanforderungen gerecht zu werden, setzen immer mehr Entwicklungsteams auf KI-Unterstützung. Assistenzsysteme wie SAP Joule helfen dabei, individuellen Code schneller zu schreiben.

Dieses Tempo hat allerdings eine Kehrseite: KI-generierter Code funktioniert zwar häufig einwandfrei, berücksichtigt jedoch nicht immer die individuelle Geschäftslogik oder Sicherheitsarchitektur eines Unternehmens. Da KI-Modelle auf Musterabgleich basieren, fehlt ihnen das tiefere Verständnis für unternehmensspezifische Zusammenhänge.

Ein Beispiel: Ein KI-Assistent könnte für ein Lieferkettenportal technisch sauberen Code liefern, dabei aber eine notwendige SAP-AUTHORITY-CHECK-Prüfung auslassen. Die Folge: Nutzer im Netzwerk könnten plötzlich Zugriff auf vertrauliche Lieferantenpreise erhalten oder Versanddaten verändern. Solche Lücken – fehlende Berechtigungsprüfungen oder unbeabsichtigte Abhängigkeiten – lassen sich unter Zeitdruck auch bei einer manuellen Prüfung leicht übersehen.

Was Regulierung und Zertifizierung heute verlangen

Hersteller in der Automobil- und Schwerindustrie müssen zunehmend nachweisen, dass ihre IT-Systeme, Update-Mechanismen und Lieferketten widerstandsfähig gegenüber Cyberangriffen sind. Sicherheit lässt sich dabei nicht mehr im Nachhinein ergänzen, sondern muss von Beginn an Teil der Systemarchitektur sein. Wer diese Vorgaben nicht erfüllt, riskiert Bußgelder, den Verlust von Zertifizierungen oder Einschränkungen bei der Marktzulassung.

UN R155: Schreibt ein zertifiziertes Cybersicherheits-Managementsystem vor. Hersteller müssen belegen, dass Sicherheit über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus hinweg in der Architektur verankert ist. Eine Schwachstelle im SAP-System, die ein Software-Update manipulierbar macht, verstößt direkt gegen diese Vorgabe.
EU-NIS2-Richtlinie: Stuft die Fahrzeugfertigung als kritische Infrastruktur ein, verlangt klare Meldepflichten bei Vorfällen, umfassende Risikobewertungen der Lieferkette und verankert Cybersicherheit als Aufgabe der Geschäftsführung.
TISAX: Gilt als Grundvoraussetzung für Geschäftsbeziehungen in der Automobilbranche. Im Mittelpunkt steht der Schutz sensibler Unternehmensdaten – etwa Konstruktionsdaten oder Prototypeninformationen. Ungeschützter Individualcode kann die Zertifizierung und damit die Teilnahme an OEM-Ausschreibungen verhindern.
DSGVO: Vernetzte Fahrzeuge erfassen und übertragen laufend Telemetriedaten. Da Fahrzeugidentifikationsnummern mit Haltern verknüpft sind, drohen bei einem Datenvorfall in den verarbeitenden SAP-Systemen empfindliche Bußgelder.

Fachkräftemangel trifft auf die Anforderung eines „Clean Core“

Die Umstellung auf SAP S/4HANA, SAP Cloud ERP oder RISE with SAP setzt auf eine „Clean Core“-Strategie, bei der das Kernsystem möglichst nah am Standard bleibt. Unter Zeitdruck rückt Sicherheit dabei häufig ans Ende des Entwicklungsprozesses – mit der Folge aufwendiger manueller Prüfungen, verzögerter Projekte und dem Risiko, bestehende Schwachstellen in neue Cloud-Umgebungen zu übernehmen.

Verschärft wird die Lage durch fehlende Fachkräfte: 56 Prozent der IT-Verantwortlichen nennen mangelnde Cybersicherheitskompetenz als Hauptursache für Sicherheitsvorfälle. Sicherheitsteams sind ausgelastet und verfügen oft nicht über das spezifische SAP-Fachwissen, um komplexen Individualcode manuell zu prüfen oder KI-generierte Entwicklungen zu validieren.

Sicherheit direkt in den Entwicklungsprozess integrieren

Ein „Clean Core“ lässt sich absichern, ohne die Innovationsgeschwindigkeit auszubremsen. Laut einer IBM-Studie senkt ein DevSecOps-Ansatz die Folgekosten von Sicherheitsvorfällen am wirksamsten. Onapsis, einziger Anbieter von Anwendungssicherheit im „SAP Endorsed Apps“-Programm, unterstützt Fertigungsunternehmen dabei, Sicherheitsprüfungen fest in den Entwicklungszyklus einzubinden.

Mit Onapsis Control als zentralem Baustein der Onapsis-Plattform lässt sich eine durchgängige DevSecOps-Pipeline aufbauen. Die Lösung bietet unter anderem:

Automatisierte DevSecOps-Prozesse: Sicherheitsprüfungen werden direkt in Entwicklungsumgebungen, Git-Repositories und CI/CD-Pipelines eingebunden. Jeder neue Code und jeder Transport wird geprüft, bevor er während einer RISE-with-SAP-Migration in den Produktivbetrieb gelangt.
Prüfung KI-generierten Codes: Während Teams ABAP- und Nicht-ABAP-Entwicklungen mit KI-Unterstützung wie SAP Joule beschleunigen, scannt Onapsis sowohl menschlich als auch KI-erstellten Code automatisch – und identifiziert fehlende Berechtigungsprüfungen oder unerwartete Abhängigkeiten.
Nachweisbare Compliance: Der Code wird anhand von mehr als 600 spezialisierten Testfällen geprüft, um interne Richtlinien sowie externe Vorgaben wie TISAX, UN R155, NIS2 und DSGVO durchgängig einzuhalten.
Schnellere Freigabezyklen: Priorisierte Ergebnisse, konkrete Hinweise zur Fehlerbehebung und eine niedrige Fehlalarmquote ermöglichen es Teams, Sicherheitsprobleme zügig zu beheben, ohne den Projektzeitplan zu gefährden.

Wie sich dieser Ansatz in der Praxis auszahlt, zeigt das Beispiel des Automobilherstellers Škoda: Mit Onapsis Control konnten rund 300 Entwickler ihren manuellen Prüfaufwand deutlich reduzieren und etwa 15.000 Befunde beheben – bei gleichzeitig verbesserter Sicherheit, Leistung, Qualität und Systemstabilität.

Wer heute die eigene Fertigungslinie schützen will, muss vor allem den zugrunde liegenden Code absichern. Sicherheit früh im Entwicklungsprozess zu verankern und Prüfprozesse zu automatisieren, schafft die Grundlage für eine verlässliche digitale Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die Absicherung von SAP-Individualcode in der Schwer- und Diskretfertigung so wichtig?

Angriffe auf die Fertigungsbranche zielen zunehmend auf Schwachstellen in der Anwendungsebene ab. Da individuell entwickelter SAP-Code zentrale Abläufe steuert – von der Bestandsführung bis zur Lieferantenverwaltung – kann eine einzelne Schwachstelle die weltweite Produktion beeinträchtigen, geistiges Eigentum wie Konstruktionsdaten gefährden und angebundene Lieferketten stören.

Was bedeutet die fehlende Kontexterkennung bei KI-generiertem Code?

KI-Assistenten erzeugen Code auf Basis von Musterabgleich, ohne die spezifische SAP-Architektur, Geschäftslogik oder Nutzerrollen eines Unternehmens vollständig zu erfassen. Dadurch entsteht mitunter Code, der funktional korrekt, aber nicht ausreichend abgesichert ist – etwa weil notwendige Berechtigungsprüfungen fehlen.

Was versteht man unter einer „Clean-Core“-Strategie, und welche Rolle spielt Individualcode dabei?

Eine „Clean Core“-Strategie hält das SAP-Standardsystem möglichst nah an der ursprünglichen Funktionalität, um Cloud-Migrationen wie RISE with SAP zu erleichtern und künftige Updates reibungslos zu gestalten. Unsauber geschriebener oder unsicherer Individualcode erzeugt technische Schulden, verzögert Transformationsprojekte und kann bestehende Sicherheitsrisiken in neue Umgebungen übertragen.

Redaktion AllAboutSecurity

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