Junge Erwachsene posieren hinter einem Tisch, auf dem eine Modellburg steht, lächelnd für die Kamera.

Stand: 27.07.2026 • 12:05 Uhr

Einmal im Jahr verwandelt ein Verein aus Südhessen eine Burg in die Zauberschule Hogwarts. Hinter der Rollenspielfreizeit für Kinder und Jugendliche stecken monatelange Vorbereitung und ehrenamtliches Engagement. Mit einigen Teilnehmenden passiert tatsächlich Magisches.

Zaubertränke-Unterricht, Quidditch und Butterbier in den „Drei Besen“ – einmal im Jahr werden auf Burg Rothenfels im bayerischen Spessart die Harry Potter-Bücher zum Leben erweckt. Ein gemeinnütziger Verein aus Südhessen verwandelt die Burg für eine einwöchige magische Freizeit in das Zauberer-Internat Hogwarts.

Hinter der magischen Ferienfreizeit, die in der ersten Augustwoche stattfindet, steckt der Verein „Freizeit für Hexerei und Zauberei e.V.“ in Groß-Zimmern (Darmstadt-Dieburg). In dem Verein engagieren sich überwiegend junge Menschen, die sich selbst für die magische Bücherwelt der britischen Autorin J.K. Rowling begeistern. Teilnehmen dürfen 12- bis 17-Jährige und die Nachfrage ist groß. Auf die 64 Plätze bewerben sich mehr als 100 Kinder und Jugendliche.

Aus Fan-Idee wurde ein eigener Verein

Vereinsgründerin Natascha Eller (29) war als Jugendliche selbst Teilnehmerin einer ähnlichen Freizeit. Als sie zu alt wurde, wollte sie die Erfahrungen weitergeben. „Ich wollte diese Harry-Potter-Welt und alles, was sie mir gegeben hat – diese Freundschaften und dieses Erlebnis – einfach weiterführen“, erzählt sie. Gemeinsam mit Freunden gründete sie 2020 einen Verein.

In der Vorstellung des Vereins heißt es: „Ziel ist es, die Kreativität, das Gemeinschaftsgefühl und das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen zu stärken.“ Und wo ginge das besser als auf einer Rollenspiel- und Kostümfreizeit mit Hogwarts-Kulisse.

Der Speisesaal – geschmückt in den Farben der Hogwarts-Häuser.

Die erste Freizeit fand bereits ein Jahr nach Vereinsgründung statt – damals unter Corona-Bedingungen. Trotz Maskenpflicht, Testkonzepten und kleinen Gruppen sei schnell klar gewesen: „Wir machen das weiter.“ Der Erfolg überraschte die Organisatoren. Schon im ersten Jahr meldeten sich fast 200 Kinder und Jugendliche an. Vielen musste abgesagt werden.

Unterricht wie in Hogwarts

Was die Teilnehmenden auf der Sommerfreizeit erleben, erinnert sehr an die Geschichten, die alle aus den Büchern und Filmen gut kennen. Zunächst werden die Kinder- und Jugendlichen einem der vier Hogwarts-Häuser zugeteilt.

Ob der sprechende Hut dabei auch tatsächlich geheime Wünsche berücksichtigt, ist nicht überliefert.

Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin – in welches Haus wird der sprechende Hut ihn wohl stecken?

Danach beginnt der Alltag an der Zauberschule: Unterricht in Zaubertränken oder Pflege magischer Geschöpfe, Quidditch-Spiele und abendliche Angebote wie Tanzkurse oder ein Besuch in der magischen Kneipe „Drei Besen“ gehören zum Programm.

Jedes Jahr entwickelt das Team außerdem eine neue Geschichte, die sich durch die gesamte Woche zieht. Mal müssen die Jugendlichen einen geheimnisvollen Todesfall aufklären, mal Hogwarts gegen eine dunkle Bedrohung verteidigen. Dafür entstehen eigens geschriebene Drehbücher, Requisiten und Kulissen.

36 Kisten voller Magie

Hinter der Freizeit, für die die Teilnehmenden rund 500 Euro zahlen, steckt ein enormer organisatorischer Aufwand und ganz viel Liebe zum Detail. Rund 30 Ehrenamtliche arbeiten das ganze Jahr über an der Vorbereitung. Einmal im Monat treffen sich die Teamleitungen. Alle benötigten Requisiten und Materialien werden selbst gebastelt.

Mit viel Liebe zum Detail entstehen die umfangreichen Requisiten und Spielmaterialien. Das ganze Jahr über wird dafür gebastelt.

Zusätzlich gibt es regelmäßige Vereinsabende und Proben auf der Burg, denn auch Teile der Burgräume werden verkleidet. So bekommen die Schlafsäle auch eine farblich passende Verwandlung – je nachdem in welchem Harry-Potter-Haus die Jugendlichen untergebracht sind.

Dafür werden mehrere hundert Meter Stoffbahnen gebraucht. Inzwischen umfasst das Materiallager 36 große Kisten. Darin befinden sich Dekoration, Unterrichtsmaterial, Kostüme und selbst gebaute Requisiten. Selbst Bücher gestalten und schreiben die Ehrenamtlichen selbst für ihren zauberhaften Unterricht.

Unterricht in den Räumen von Burg Rothenfels – magische Pflanzen und Zauberkessel inklusive.

Für vergangene Geschichten entstanden unter anderem ein beweglicher Drachenkopf oder ein lebensgroßer Dementor, ein böses Geschöpf aus der Harry-Potter-Welt, das den Menschen alle Freude aussaugt.

Ehemalige kommen als Betreuer zurück

Viele Jugendliche bleiben der Freizeit auch nach ihrer Teilnahme treu. Wer zu alt für die Freizeit wird, kann sich später selbst im Verein engagieren. Inzwischen unterstützen zahlreiche ehemalige Teilnehmende die Organisation als Betreuer oder in den verschiedenen Teams.

Für Anna Pohl (29), zweite Vorsitzende des Vereins, zeigt sich der Erfolg vor allem nach der Freizeit. Immer wieder erreichten den Verein Rückmeldungen von Eltern. „Der Urlaub muss jetzt immer um die Freizeit geplant werden“, schrieben einige der Familien. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr ein eher schüchterner Junge. „Der war anfangs sehr zurückhaltend und hat nicht viel geredet.“ Nach der Rückkehr habe er zu Hause „wie ein Wasserfall“ von seinen Erlebnissen erzählt.

Mehr Plätze? Derzeit nicht möglich

Den Wunsch nach einer zweiten Freizeit gibt es im Verein durchaus und Anmeldungen gäbe es auch genug. Doch dafür fehlen bislang die personellen Kapazitäten.

Einmal im Jahr Zauberer oder Hexe sein – die Teilnehmenden und ihre Teamer haben jedes Jahr großen Spaß beim Eintauchen in die magische Welt.

„Wir sind alle Ehrenamtliche“, erklärt Vorstandsmitglied und Mitbegründer Lukas Eller. Die Organisation laufe neben Beruf oder Studium, sagt der 30-Jährige. Eine Ausweitung des Angebots würde mehr Betreuer und damit auch höhere Kosten bedeuten. Deshalb bleibt es vorerst bei einer Freizeit pro Jahr – auch wenn die Warteliste lang ist.

Hessischer Rundfunk