Der Batteriehersteller Varta ist ein Sanierungsfall und wird zerschlagen. Der Grazer Forschungsstandort Varta Innovation ist aber gesichert, betont das Unternehmen.
Mit dem Wegfall des großen US-Kunden Apple sei klar gewesen, dass die Varta in ihrer bestehenden Form nicht weitergeführt werden könne, erklärte Michael Tojner, Hälfteeigentümer des Batterieherstellers. „Wir haben intensive Gespräche mit den Banken über eine tragfähige Zukunft geführt. Sie haben sich jetzt dazu entschieden, den Consumer-Bereich auszugliedern und zu verwerten. Ich bedauere diesen Schritt.“ Das in Stuttgart eröffnete Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung betrifft allerdings auch den Grazer Standort.
In der Landeshauptstadt gibt es eine lange Tradition in der Batterieforschung, aus der heraus Varta und die Technische Universität ein Forschungszentrum gründeten – die heutige Varta Innovation. Ihre Entwicklungsarbeit führte unter anderem dazu, dass Vartas Miniakkus, etwa in kabellosen Kopfhörern von Apple, zu einem großen Erfolg wurden. Künftig kommen sie aber wohl aus Asien.
33-Millionen-Neubau
Das 34-köpfige Team rund um Standortleiter Stefan Koller hat erst vor zwei Jahren den Umzug von den beengten Räumen in der TU an den neu gebauten Standort im Grazer Innovationspark abgeschlossen. 33 Millionen Euro waren damals investiert worden, inklusive zehn Millionen Euro Bundesförderung.
1 / 10
Bilder aus dem Labor der Varta Innovation © Klz/nadja Fuchs
Die Nachricht von der bevorstehenden Zerschlagung des Unternehmens sorgt in Graz für Unruhe, dennoch glaubt man fest an das Fortbestehen des Forschungsstandortes, wie betont wird. „Der Standort in Graz ist sicher, der Betrieb läuft weiter wie bisher“, sagt Unternehmenssprecher Jürgen Beilein zur Kleinen Zeitung.
Tojner hat bereits vorigen Freitag angekündigt, dass seine Montana-Gruppe die Microbattery-Sparte und das Solutionsgeschäft aus dem Sanierungsverfahren herauslösen und übernehmen wolle, um das Know-how in Europa zu halten. Das umfasse auch die Varta Innovation in Graz. Man habe dazu ein „detailliertes Konzept“ erarbeitet, um mit den verbleibenden Unternehmensteilen die „Varta Gruppe in Nischenbereichen zu positionieren“. Dazu würden zwar „harte Einschnitte“ nötig sein, diese sollen „Graz aber nicht betreffen“, konkretisiert Beilein.
© APA / Montana Tech ComponentsMichael Tojner ist Hälfteeigentümer des Batterieherstellers Varta
„Die Varta Innovation in Graz ist einzigartig in Europa“, pocht Stefan Koller auf ein Alleinstellungsmerkmal. Der 3500 Quadratmeter große Standort beherbergt eines der größten Testlabore für Batterien auf dem Kontinent. Schwerpunkte der Arbeit sind die Optimierung bestehender Batterietechnologien und die Entwicklung von Post-Lithium-Technologien. Die Verringerung des Energieeinsatzes in der Produktion und die Verwendung von Recyclingmaterialien stehen außerdem im Fokus der Forschung.
„Perspektivisch sind wir ein Entwicklungspartner für Unternehmen aus dem Automotive- und aus dem Non-Automotive-Bereich.“ Dieses Zitat Kollers zur Eröffnung des Labors vor zwei Jahren gilt aktuell mehr denn je. „Unsere Arbeit ist für eine Reihe von Unternehmen interessant“, sagte er am Montag.
Über Varta
Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3260 Menschen, viele davon am Stammsitz in Ellwangen. Geschäftszahlen veröffentlichte Varta zuletzt im Jahr 2024. Damals erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro und einen Verlust von 64,5 Millionen Euro. Der Konzern produziert neben den bekannten Haushaltsbatterien unter anderem Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeicher.
Vor zwei Jahren hatte sich Varta im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes neu aufgestellt, um eine Insolvenz abzuwenden. Altaktionäre verloren dabei ihre Beteiligungen, Gläubiger verzichteten auf einen Teil ihrer Forderungen. Anfang April vergangenen Jahres erklärte Varta die Restrukturierung für abgeschlossen und sah sich wieder auf Kurs.
Ein Werk mit rund 350 Mitarbeitern im bayerischen Nördlingen soll noch im Herbst geschlossen werden. Apple war als wichtigster Kunde abgesprungen, neue Großabnehmer fehlten.

