In den Weiten des frühen Universums hat das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) extrem kompakte, leuchtende Objekte entdeckt, die in der Forschung als Little Red Dots bezeichnet werden. Diese Entdeckungen aus der Zeit zwischen 13,2 und 12,2 Milliarden Jahren vor unserer Gegenwart wurden bisher zumeist als aktive Schwarze Löcher interpretiert.
Ein Forschungsteam um den Astronomen John Chisholm von der University of Texas in Austin präsentiert jetzt eine alternative und tiefergehende Erklärung. Wie in einer in den Astrophysical Journal Letters veröffentlichten Studie zu lesen ist, könnte es sich bei den Entdeckungen um Kugelsternhaufen in ihrer frühesten Entstehungsphase handeln.
Supermassereiche Sterne als Motoren der Little Red Dots
Die typische V-Form des Lichtspektrums dieser fernen Objekte entsteht laut der neuen Analyse durch zwei sich überlagernde Strahlungsquellen innerhalb der Sternhaufen. Der blaue Anteil des Lichts im sogenannten Ruhesystem-UV stammt demnach von einer extrem jungen Sternpopulation, während der rote Anteil im Ruhesystem-optischen Bereich von einem einzelnen supermassereichen Stern im Zentrum erzeugt wird.
Solche enorm massereichen Sterne entstehen in den extrem dichten Kernen junger Kugelsternhaufen durch zahllose stellare Verschmelzungen. Sie erreichen dabei mühelos die Masse von zehntausend bis zu einer Million Sonnen und brennen mit einer unvorstellbaren Intensität.
Die Lösung für uralte Kugelsternhaufen
Diese supermassereichen Sterne existieren nur für einen galaktisch betrachtet kurzen Zeitraum von etwa einer Million Jahren, bevor sie ihren Wasserstoffvorrat verbrauchen. In dieser kurzen Phase erzeugen sie Temperaturen, die weit über denen normaler Sterne liegen, und blasen durch starke Sternwinde schwere Elemente in ihre Umgebung.
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Wenn diese massereichen Sterne am Ende ihres kurzen Lebenszyklus kollabieren, bleibt der Kugelsternhaufen mit exakt dieser spezifischen chemischen Signatur aus Helium, Stickstoff, Natrium und Aluminium zurück. Dies löst ein jahrzehntealtes Rätsel, da genau diese ungewöhnliche chemische Zusammensetzung in den Milliarden Jahre alten Kugelsternhaufen unserer Milchstraße bis heute nachweisbar ist.
Die Astronomin Danielle Berg, ebenfalls an der University of Texas tätig, weist darauf hin, dass die Kugelsternhaufen im lokalen Universum Milliarden Jahre der Evolution hinter sich haben. Wenn wir diese Haufen heute betrachten, sind ihre massereichsten Sterne längst verschwunden und das Gas wurde ausgetrieben, was die Rekonstruktion ihrer Ursprünge massiv erschwert.
Herausforderungen der neuen JWST-Theorie
Um die Hypothese zu stützen, haben die Forscher:innen Computermodelle erstellt, um die heutige Massenverteilung der Little Red Dots mit jener von bekannten Kugelsternhaufen abzugleichen. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Übereinstimmung, was die physikalische Verbindung zwischen den uralten Leuchtpunkten und den heutigen Sternansammlungen untermauert.
Obwohl das Modell viele Beobachtungen des JWST plausibel zusammenführt, bleiben gewichtige Unsicherheiten in der Beweisführung bestehen. Der Astrophysiker Mike Boylan-Kolchin von der University of Texas erklärt in einem Beitrag auf Universe Today: „Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinen eindeutigen Beweis, dass Little Red Dots Kugelsternhaufen sind, aber es würde viele unterschiedliche und überraschende Beobachtungen erklären.“
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Zukünftige Beobachtungen mit hochauflösenden Spektrografen müssen nun zeigen, ob das Modell auch bei detaillierteren Elementanalysen Bestand hat. Insbesondere verbesserte Modelle zu den Atmosphären und Sternwinden dieser massereichen Sterne sind erforderlich, um die Theorie final zu bestätigen oder zu widerlegen.
Sollte sich der Erklärungsansatz durchsetzen, würde dies der Wissenschaft einen direkten Blick auf die Entstehung der Kugelsternhaufen ermöglichen. Es wäre ein bedeutender Schritt zum Verständnis der stellaren Astrophysik und der allerersten Generationen von Sternen in unserem Kosmos.
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