Schon zum achten Mal zeigte der Verein Catcalls of Graz am Grazer Hauptplatz echte Erfahrungen mit (verbaler) sexueller Belästigung auf.

„Geile Oide, kum her“ war noch einer der harmloseren Sprüche, die am Freitag am Grazer Hauptplatz zu sehen waren: Fünf Aktivistinnen und ein Aktivist des Vereins „Catcalls of Graz“ haben erschreckende Sprüche mit Kreide auf den Boden vor dem Grazer Rathaus gemalt. „Wenn ich dich so anschaue, muss ich wieder mal in den Puff“, war da zu lesen, „Boah, geiler A*sch“ oder „Ich mag, wie du stöhnst“ – was sich eine Frau im Fitnessstudio anhören musste, die gerade am Trainieren war. „Stoppt Belästigung“ stand dazwischen ganz groß in der Mitte.

Alle Sprüche sind echt und stammen von Betroffenen, die sich mit ihren Erfahrungen an den Verein gewandt haben. Auch spontan konnten Passantinnen und Passanten sich anschließen und „Catcalls“ (verbale sexuelle Belästigungen) aus ihrer eigenen Erfahrung niederschreiben. Das Ziel: auf das Thema aufmerksam zu machen, Diskussionen anzuregen und Bewusstsein für die Problematik zu schaffen. „Die Aktion bringt das Thema in den öffentlichen Raum und erreicht dadurch auch Menschen, die sich bislang kaum damit beschäftigt haben“, sind sich die Aktivistinnen und der Aktivist einig.

1 / 2

„Stoppt Belästigung“ stand dazwischen ganz groß in der Mitte, dazwischen echte Sprüche, die sich Frauen anhören mussten„Stoppt Belästigung“ stand dazwischen ganz groß in der Mitte, dazwischen echte Sprüche, die sich Frauen anhören mussten © Catcalls of Graz

Die Rückmeldungen seien positiv gewesen, zugleich musste man sich aber auch abwertende Kommentare anhören – was für die Catcalls ein erneuter Beweis ist, dass Aktionen wie diese ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit sind. Schließlich lösen unangemessene sexualisierte Kommentare und Zurufe, aber auch Geräusche, Gefühle der Unsicherheit, Unterlegenheit und des Unwohlbefindens aus und können für die Betroffenen ein traumatisches Erlebnis sein.

Schon seit 2019 machen die mittlerweile 28 Ehrenamtlichen auf sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum aufmerksam. Neben großen Aktionen wie dieser, die schon zum achten Mal durchgeführt wurde, besteht die Kernarbeit darin, dass man Erfahrungen mit verbalen sexualisierten Belästigungen direkt am Ort des Geschehens mit Kreide sichtbar macht und ein Foto des Catcalls gemeinsam mit der Geschichte der Betroffenen in den sozialen Medien veröffentlicht, um digitales Bewusstsein zu schaffen.